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Portrait:Herr der Sterne

Er verdient am Luxus, aber mit dem Wort hat Thomas Althoff seine Probleme. Das stehe hierzulande eher für Prassen als für Lebenslust, findet er.

(Foto: imago stock&people)

Thomas Althoff hat aus Schlössern und Herrenhäusern Luxus-Hotels gemacht. Nun stellt er sich neuen Trends und kooperiert mit einem chinesischen Unternehmen - ein Schritt in den asiatischen Markt.

Vier Seen, zwei Schlösser, Berge mit weiten Tälern, mit stillen Wanderwegen und breitgetretenen Trampelpfaden für Touristen aus aller Welt, die zunächst einmal nur ein Ziel kennen - Schloss Neuschwanstein. Unweit davon drehen sich jetzt Kräne, fahren Bagger und Baufahrzeuge. Und auch ein Grundstein wurde gerade gelegt. In das mehr als 100 Jahre alte Gebäudeensemble um die Traditionshäuser Alpenrose, Jägerhaus und Schlosshotel Lisl soll ein neues Hotel integriert werden, gebaut vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds und betrieben von der Kölner Althoff-Hotel-Gruppe. Der Gemeinderat von Schwangau hatte sich zunächst schwergetan mit diesem Bauprojekt und schließlich doch zugestimmt. "Weil wir glauben, dass die Investoren mit diesem einmaligen Ort genauso respektvoll umgehen wie die Bevölkerung hier", sagt Bürgermeister Stefan Rinke. Thomas Althoff hat nichts anderes vor. "Die Landschaft hier gehört zu den schönsten der Welt", sagt er. "Das passt zu uns und zur Philosophie unseres Hauses."

Althoff ist Eigner, Namensgeber und Chef einer Hotel-Gruppe, die in Deutschland und anderswo die meisten denkmalgeschützten Häuser in ihrem Portfolio hat und damit auch wirtschaftlich erfolgreich ist. Dafür stehen solche ausgemachten Schmuckstücke wie das Grandhotel Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach, der Fürstenhof in Celle, das Hotel am Schlossgarten in Stuttgart, das St. James in Mayfair/London oder die Villa Belrose in Saint-Tropez. Allesamt Luxushotels aus dem Fünf-Sterne-Segment für zahlungskräftige Gäste, die restaurierte Altbauten, deren Stil und Atmosphäre mögen. Von Luxus aber will Althoff in diesem Zusammenhang nicht reden. Für den Hotelier ist der Begriff in Deutschland viel zu negativ besetzt. "Bei uns steht er eher für Prassen und Verschwendung als für Lebenslust, Stil und Qualität wie in anderen Ländern", findet er. "Ich rede darum lieber von Qualitäts- statt von Luxusprodukten."

Althoff, 63, sitzt in der Bibliothek von Schloss Bensberg und lässt statt getrüffelter Linsensuppe ein schlichtes Sandwich servieren. Als ob er beweisen müsse, wie weit weg er von Prunksucht und Exzess agiert. Er fahre privat gern Rad, sagt er. Und schätze dann während der Rast ein gutes Butterbrot. Ist also Reduktion seine Idee für Genuss in der zweiten Hälfte seines Lebens? Dagegen steht seine Liebe zu stilvollen, repräsentativen Gebäuden, die er mit Feingefühl ausgestattet hat und mit einer Gastlichkeit betreibt, die selbst verwöhnte Weltenbummler beeindruckt. "Unsere Häuser", sagt er stolz, "bieten einen Mehrwert durch ihre Geschichte und verfügen gewiss auch über ein Stück Seele."

Althoff plaudert gern über sich und seine Mission. So erfährt man, dass er ein Jünger des römischen Philosophen Seneca ist, dass er gern mit seiner Frau Elke meditiert und ihm dabei im Schneidersitz die besten Ideen einfallen. Wie er überhaupt ausführlich über Glück im Leben und Erfolg im beruflichen Tun philosophieren kann. Mit einer Intensität, die scheinbar ohne vordergründiges Ziel ist. Nur sollte man sich nicht täuschen lassen. Der Mann lässt sich keineswegs einfach so treiben. Er hat alle Schlüsselzahlen für seine Hotels im Kopf: Standort, Marktstellung, Fähigkeit zu Innovationen, Unverwechselbares, Attraktivität, Liquidität, nicht zuletzt Rendite. Alles stimmt, alles scheint er zu bedenken. Ansonsten wäre er auch nicht mit seiner Gruppe zu Deutschlands führenden Unternehmen im Segment Top-Hotellerie aufgestiegen. Wie aber ist er das geworden?

Erklärungen dazu finden sich schon in frühester Jugend. Althoff wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Seine Eltern betrieben in Wuppertal einen kleinen Laden. Wenn die Familie Urlaub machte, dann zog es ihren Sohn immer schon in Hotels, wo scheinbar die halbe Welt zu Hause ist. Und damit wuchs sein Wunsch, auch selbst einmal so eine Herberge zu betreiben. Die Chance kam schneller als gedacht. Schon kurz nach seiner Ausbildung zum Kaufmann gelang es ihm, ein kleines Hotel mit 40 Zimmern in Aachen zu pachten. Da war er gerade 21 Jahre alt geworden. Er machte dort fast alles selbst: Putzen, Kellnern und Gäste empfangen. "Schon nach einem Jahr war ich in den schwarzen Zahlen", erzählt Althoff. "Und darum habe ich gleich weitergemacht - mit Hotels im Harz und im Schwarzwald."

Bis 1980 ging das so, dann aber kam das Angebot von den Best Western Hotels, schon damals eine der größten weltweit agierenden Hotelketten aus den USA. "Die Amerikaner suchten jemanden, der ihr Geschäft und Konzept in Deutschland aufbaut", erinnert er sich. Für Althoff die Chance, zu lernen, wie man Marketing, Reservierung, Einkauf und Schulung betreibt und zugleich den Markt erobert. Zusammen mit einem Partner etablierte er binnen vier Jahren etwa 100 Hotels für Best Western in Deutschland. Parallel dazu gründete er die Althoff-Beratungs- und Betreuungsgesellschaft. "Mithilfe der Gesellschaft bin ich 1984 an das Hotel Regent in Köln geraten", erzählt er. "Ich konnte es übernehmen, das Vier-Sterne-Haus wurde zur Keimzelle meines eigenen Unternehmens."

Eine neue Marke soll der jungen Generation folgen, mit "WG-inspirierten" Häusern

Wirklich bekannt in der Szene aber wird Althoff erst, als er 1992 das zum Hotel umgebaute Schloss Lerbach in Bergisch Gladbach übernimmt, ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert mit See davor und Wald dahinter. Sein erster Schritt ins Geschäft mit der Fünf-Sterne-Hotellerie - zu einer Zeit, in der die Branche glaubte, dass die Luxus-Hotellerie keine große Zukunft mehr hat, weil sie davon ausging, dass die Gäste in Zukunft einfacheren Service und damit auch einfachere Hotels bevorzugen würden. Althoff aber lässt sich nicht beirren. Als Erstes stellt er den Sternekoch Dieter Müller ein, weil Althoff überzeugt ist, dass zu einem Spitzenhotel mit erstklassigem Service auch eine erstklassige Küche gehört. Das Konzept geht auf: Das Top-Hotel mit Spitzenrestaurant findet seine Gäste und rechnet sich. 1995 wird Althoff zum "Hotelier des Jahres" gekürt. Und das wird nicht die letzte Auszeichnung dieser Art bleiben.

Mehr als 20 Jahre später wird Althoff unter den deutschen Hoteliers längst auch als "Impresario der Sterneköche" gehandelt. Dafür stehen unzählige Michelin-Sterne für Köche seiner Restaurants in den jetzt sechs Grandhotels, zu denen sich demnächst das Dom-Hotel in Köln gesellen wird. Schlosshotel Lerbach - dort, wo alles begann - ist allerdings nicht mehr darunter, weil sich Althoff mit den Besitzern der Immobilie nicht über eine neue Zukunftsstrategie einigen konnte. Die Weichen für seine Gruppe aber hatte Althoff längst gestellt. Zu seiner Luxusmarke Althoff Hotel Collection ist 2009 die Marke Ameron Hotels gekommen, neun gehobene Business Hotels im Vier-Sterne-Plus-Segment in Deutschland und der Schweiz. Neue Objekte, unter anderem in Köln, Frankfurt und München kommen nun dazu. Für Althoff eine logische Expansion, sind doch die Synergieeffekte aus Luxus und Premium wohl der gewichtigste Grund dafür, warum sich sein Hotelgeschäft überhaupt lohnt, auch wenn er keine Zahlen dazu nennt.

Trotzdem soll jetzt auch noch die Marke Urban Loft Accommodation dazukommen - im offenen Loft-Stil konzipierte Hotels, die sich dem Trend der jungen Generation zum Wohnen und Arbeiten unter einem Dach stellen. "Das sind WG-inspirierte Hotels, wo man in der Lobby gemeinsam essen, Kaffee trinken und arbeiten kann", erklärt Althoff. Kommunikation rücke damit in den Mittelpunkt - persönlich und digital. "Kommuniziert" hat Althoff auch, dass er mit dem chinesischen Hotelkonzern Plateno Franchisenehmer für seine Marke Ameron finden will. Geplant seien zunächst zehn Häuser in den nächsten fünf Jahren, vorrangig in den chinesischen Metropolen. "Für uns der erste Schritt in den asiatischen Hotelmarkt", sagt Althoff. Umgekehrt hoffe Plateno auf seine Hilfe bei der Expansion in Europa. Und das vor allem auch in Deutschland, dem Top-Hotelmarkt Europas. Dort könnten für die Hotellerie die Geschäfte derzeit kaum besser laufen: Umsatz, Auslastung, Zimmerpreise und die Erträge pro Zimmer sind 2016 gestiegen und werden aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr steigen. Aber auch der Wettbewerb unter den Hoteliers wird weiter zunehmen, schließlich sind allein in den nächsten drei Jahren bundesweit über 570 Neu-, Um- und Ausbauten geplant. Und damit drängen mehr als 85 000 zusätzliche Hotelzimmer auf den Markt. Darunter werden auch die 135 Zimmer von Althoffs neuem Ameron-Hotel am Fuße von Schloss Neuschwanstein sein.

© SZ vom 19.05.2017

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