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Online-Banking:Schluss mit der Zettelwirtschaft

Mehr Sicherheit: Die Banken verabschieden sich von den TAN-Nummern auf Papier. Künftig kommen die Geheimzahlen für das Online-Banking über das Handy oder einen Mini-Computer. Beide neuen Systeme haben Vor- und Nachteile.

Bei der Postbank geht eine Ära zu Ende: Einer ihrer vier Millionen Online-Kunden wird in den nächsten Tagen einen Zettel hervorkramen, den ihm die Bank vorher zugeschickt hat. Er wird eine fünfstellige Nummer ablesen und sie in ein Feld auf seinem Computerbildschirm eintippen. Und er wird der letzte sein, der auf diese Weise eine Überweisung in Auftrag gibt. Denn die Postbank verabschiedet sich von dem System mit den Transaktionsnummern auf Papier (iTAN) und beginnt an diesem Dienstag, die Nummern abzuschalten.

TAN-Reader der Postbank

Der "TAN-Reader" soll neben der "mobilen TAN" die traditionellen TAN-Nummern auf Papier ersetzen.

(Foto: Postbank)

Die Postbank ist eines der ersten Institute, das diesen Weg geht, aber die anderen werden folgen. Ende des Jahres werden in Deutschland kaum noch Bankkunden jene Listen nutzen, die jeder kennt, der seine Bankgeschäfte schon länger über den Computer abwickelt: Im Netz ersetzt die TAN die Unterschrift; und früher schickte die Bank dem Kunden eine Liste mit 50 oder 100 Nummern zu, die eine nach der anderen abzuarbeiten war - jede Überweisung eine TAN.

Für mehr Sicherheit sollte sorgen, dass die Banken vor einigen Jahren zur iTAN übergingen: Nach wie vor erhielten die Kunden eine Liste auf Papier, aber nun wies der Computer dem Kunden bei jeder Transaktion eine bestimmte Nummer zu: "Bitte geben Sie die TAN Nr. 32 ein."

Doch auch dieses System war anfällig für Betrug, das Problem heißt Phishing: Hacker klinken sich ins System ein, greifen eine TAN ab und leiten das überwiesene Geld auf ihr eigenes Konto um. 5000 solche Betrugsfälle gab es in Deutschland allein im vergangenen Jahr, und die Postbank verabschiedet sich nun auch deshalb von den iTANs, weil ihre Kunden am häufigsten von Betrügern attackiert wurden.

Seit einigen Monaten bietet die Postbank ihren Kunden bereits an, sich die Nummer per SMS aufs Handy schicken zu lassen. Sobald der Kunde am Computer eine Überweisung oder einen Dauerauftrag anordnet, erzeugt das System die verschlüsselte Nummer und sendet sie per SMS auf das Handy des Kunden. Dieses "mobile TAN" oder "sms TAN" genannte Verfahren ist kostenlos.

Ein Gerät für mehrere Banken

Schon seit Jahren bietet die Postbank außerdem sogenannte "chip TANs". Dabei erwirbt der Kunde in der Bankfiliale oder über das Internet einen Mini-Computer, der aussieht wie ein kleiner Taschenrechner. Das Gerät, das bei der Postbank 11,90 Euro kostet, erzeugt bei jedem Vorgang eine TAN. Will der Kunde eine Überweisung in Auftrag geben, leuchtet auf seinem Computer-Bildschirm ein Feld mit einem flackernden Schwarz-Weiß-Code auf.

Vor diesen hält der Kunde den TAN-Generator, in welchen er zuvor seine Debitkarte (früher: die EC-Karte) gesteckt hat. Der TAN-Generator funktioniert über mehrere Banken hinweg, weil alle dasselbe System nutzen. Also können sich eine Familie oder eine Bürogemeinschaft einen Generator teilen. Bald werden fast alle Banken sowohl die mobile TAN als auch den TAN-Generator einführen.

So meldet der Sparkassenverband, bis Ende des Jahres werde "die überwiegende Zahl der Institute" mobile TAN und chip TAN anbieten, das alte System mit dem Papierzettel werde gleichzeitig abgeschafft. Der TAN-Generator kostet in der Regel zehn bis zwölf Euro, jede einzelne SMS knapp zehn Cent. Dabei legt jede Sparkasse Verfahren und Preis selbst fest, und einige bieten den Service kostenlos an.

Kunden werden informiert

"Die Institute werden ihre Kunden rechtzeitig informieren", sagt eine Sprecherin des Sparkassenverbands. Unter den Volks- und Raiffeisenbanken müssen nur noch die Institute in Süddeutschland und in Berlin umgestellt werden; am 31. Dezember wird dort die Papier-TAN abgestellt, aber viele Institute bieten den Umstieg auf TAN per Handy oder Generator schon vorher an.

Kunden der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Hypo-Vereinsbank werden die Papierlisten ebenfalls nicht mehr lange nutzen, allerdings gibt es noch keinen konkreten Termin für die Umstellung. Alle Institute informieren ihre Kunden vor der Umstellung per Internet oder Post.

Welches System ist besser?

Welches System geeigneter ist, hängt zunächst vom Angebot der Bank ab: Die Postbank etwa bietet die mobile TAN kostenlos an, der TAN-Generator kostet 11,90 Euro. Wenn Banken für beide Systeme Geld verlangen, gilt: "Hat man sich einmal den Generator angeschafft, fallen keine weiteren Kosten an. Das kann ein Vorteil sein, wenn man viele Überweisungen online ausführt", sagt Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Es könne aber ein Fehler sein, nur auf den Preis zu schauen: Wer etwa häufig unterwegs ist, über sein Smartphone Bankgeschäfte abwickelt und sich für chip TAN entscheidet, muss dann immer den Generator dabei haben. Der Generator bietet sich hingegen für Kunden im Ausland an: Denn das Verfahren per Handy ist dort nicht so gut geeignet, weil eine SMS ins Ausland länger unterwegs ist und die mobile TAN nach wenigen Sekunden ungültig wird. Schließlich gibt es auch noch Kunden, die ihre Bankgeschäfte im Keller erledigen und dort keinen Handyempfang haben - für sie kommt die mobile TAN nicht in Frage.

© SZ vom 19.04.2011/ema/pak
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