Lehman Brothers Mittwoch, 10. September 2008

Mittwoch, 10. September 2008

Die vorläufigen Ergebnisse werden in einer Telefonkonferenz besprochen: Fuld und Lowitt stellen dabei auch den Plan für die Restrukturierung vor.

Die verheerenden Verluste der Bank - das Institut verliert im dritten Quartal knapp vier Milliarden Dollar - begründet Fuld "überwiegend" mit den "Verkäufen und Abschreibungen auf unser Immobilienvermögen" und den "Kreditmärkten".

Mit SpinCo, der geplanten Bad Bank von Lehman, können sich die Analysten überhaupt nicht anfreunden.

Moody's verliert die Geduld, droht wie Konkurrenzagenturen eine Herabstufung des Ratings an - sofern nicht binnen einer knappen Woche etwas geschehe: Entscheidend sei, dass Lehman "die Stimmung am Markt dreht". Wie das gehen soll? Mit einem starken Partner.

Todesstoß von Moody's

Später wird der Leiter des Rechtsbereichs, Thomas A. Russo, den Ermittlern sagen, dass die Ankündigung von Moody's den letzten Wendepunkt hin zum Absturz markierte. Sie kam zu früh - "die Märkte hatten noch nicht die Ergebnismeldung verdaut".

Lehman beginnt, sich auf die Herabstufung vorzubereiten. Sie würde es der Bank unmöglich machen, sich am Kapitalmarkt noch längerfristige Kredite zu besorgen.

Am gleichen Tag informiert Barclays die britische Aufsichtsbehörde Financial Services Authority (FSA), dass sie ein Angebot für Lehman erwägt.

Doch schon jetzt scheint einigen klar zu sein, dass der Exitus unmittelbar bevorstehen könnte: Lehman-Chefjustiziar Steven Berkenfeld bittet telefonisch die Rechtsanwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges LLP, eine mögliche Konkursanmeldung vorzubereiten. Das ist gewagt, denn Berkenfeld hatte weder den Auftrag noch eine interne Vollmacht für dieses Telefonat. Sein Chef Russo erfährt erst später davon. Es ist die Kanzlei, die mit Harvey R. Miller später auch den Insolvenzverwalter der Bank stellen wird.

Unterdessen kursiert bei der Federal-Reserve-Vertretung in New York ein Papier, aus dem hervorgeht, dass Lehman eventuell gestützt werden könnte. Doch die Agenda spiegelt weder die Meinung des Direktoriums der New Yorker Notenbank wider, noch bekommt es offenbar der Leiter der Filiale, Geithner, zu sehen.

Die Lehman-Aktie verliert sieben Prozent auf 7,25 Dollar.