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Kriminelle Strukturen:Mehr als tausend Karat

Taylor gab zu Protokoll, er habe von alldem nichts gewusst. Doch die Beweislast scheint erdrückend. Zeugen schilderten vor Gericht, wie die Diamanten von Liberia aus nach Europa geschleust wurden. Hilfe leisteten Edelsteinhändler aus dem Libanon und Israel. Ein Urteil gegen Taylor wird nicht vor Mitte 2010 erwartet.

Der Fall Sierra Leone wurden weltbekannt durch den Hollywood-Film "Blood Diamond", der 2006 in die Kinos kam und die Geschichte eines weißen Diamantenschmugglers erzählt.

Der ehemalige Söldner freundet sich mit einem einheimischen Fischer an, der zur Arbeit in den Minenfeldern gezwungen wird und dabei einen seltenen rosafarbenen Hochkaräter findet - eine Geschichte mit einem wahren Kern.

Mugabe spielt wichtige Rolle

Im April 2002 kursierten Gerüchte, dass ein riesiger Diamant die Grenze von Sierra Leone passiert habe. Mit mehr als tausend Karat soll es sich dabei um den zweitgrößten, je entdeckten Diamanten gehandelt haben. Wenige Wochen später hieß es, der Stein sei in Belgien aufgetaucht. Offiziell wurde er jedoch nie registriert.

Als ergiebige Quelle für illegal geschürfte Diamanten gilt bis heute die Kongo-Region. Im Geschäft mit geschmuggelten Steinen spielt nach Erkenntnissen der UN, der Behörden in den USA und der Europäischen Union der Machthaber Zimbabwes, Robert Mugabe, eine wichtige Rolle.

Er und seine Anhänger betreiben offenbar seit Jahren eine schwunghaften Handel mit Konfliktdiamanten aus Zentralafrika - für den Potentaten eine bedeutende Einnahmequelle, seitdem sich internationale Kapitalgeber zurückgezogen haben.

Die Zeitung El Pais und der Journalist John Calin folgten der Spur des Geldes. Sie belegten mit Dokumenten und Zeugenaussagen, die auch den Kongress in Washington beschäftigten, wie das Geschäft ablief und wer beteiligt war. Ein US-Abgeordneter bezeichnete die Regierung Zimbabwes als "kriminelle Organisation", die nur den Interessen Mugabes diene.

Im Visier der UN

In Zeugenaussagen aus dem Umfeld Mugabes taucht immer wieder der Name eines Geschäftsmannes aus Oman auf: Thamer Al Shanfari, Miteigentümer der Gesellschaft Oryx Natural Resources, die Minen im Kongo betreibt, ihren Hauptsitz aber auf den Cayman-Inseln hat.

Das Unternehmen war bereits vor einigen Jahren wegen zweifelhafter Geschäfte ins Visier der UN geraten. Der Mann aus Oman gilt als Schlüsselfigur in Mugabes Diamanten-Monopoly. Er soll nicht nur in Europa das notwendige Bargeld beschafft haben - angeblich von Diamanten- und Waffenhändlern aus Israel und dem Libanon - , sondern auch für einen reibungslosen Transfer des Geldes nach Harare gesorgt haben.

Während ein Teil in den Kongo weitergeleitet wurde, landete der andere in den Taschen Mugabes und seiner Anhänger.

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