Süddeutsche Zeitung

Kampf um Spitzenjob bei Sparkassen:Gerlach gibt frustriert auf

Vorentscheidung für Fahrenschon: Rolf Gerlach wollte Deutschlands Sparkassen-Präsident werden. Nun klagt er, er habe keine Chance - und zieht seine Kandidatur zurück. Damit dürfte Bayerns Ex-Minister Fahrenschon das Amt sicher sein.

Der Mann, der Deutschlands Sparkassen-Präsident werden wollte, hat am Wochenende viel telefoniert. Sehr viel. Er sondierte das Feld der Helfer und Gegner. Am Ende der fernmündlichen Recherche fand Rolf Gerlach, 58, dann zu einer Erkenntnis: "Für mich bedeutet Wahl immer Auswahl, an deren Ende eine Entscheidung steht." Das steht in seinem Brief an die Mitglieder des Sparkassenverbandes, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Aufgrund einer Vorfestlegung einiger regionaler Sparkassenpräsidenten sei "eine sinnvolle Erörterung über Inhalte nicht mehr möglich", schrieb der regionale Sparkassenpräsident aus Westfalen-Lippe frustriert.

So fand der Weg Gerlachs an die Spitze der Sparkassen ein abruptes Ende. Wenn's um die Macht geht, siegt Georg Fahrenschon, 43, bis vor kurzem noch bayerischer Finanzminister. Genau wie im großen Politstrategie-Spiel hatte der CSU-Mann seine Truppen gesammelt, Land für Land. Und als Noch-Sparkassenpräsident Heinrich Haasis, 66, intern durchblicken ließ, dass sich bereits einige Regionalverbände auf den Bayern festgelegt hatten, war für Kandidat Gerlach klar: Die Sache ist gelaufen. Bei den Fahrenschon-Fans soll es sich um fünf Verbände aus dem Süden und Westen der Republik handeln. "Er hat seine Felle davonschwimmen sehen", sagt jemand aus dem Lager der Gerlach-Befürworter.

Der Aspirant gab auf, bevor richtig diskutiert wurde. An diesem Montag sollten sich die Bewerber auf einer Verbandskonferenz zeigen. Gleich zu Beginn erklärte Gerlach sein Nein und trat als oberster Verbandsvorsteher zurück. Man habe ihm keine Chance gegeben. Damit ist klar: Solo für Fahrenschon beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband.

Der künftige Präsident bringt als Diplom-Ökonom Fachkenntnisse mit. Er war Bundestagsabgeordneter (2002 bis 2007) und machte dann in der bayerischen Finanzverwaltung Karriere - zuerst als Staatssekretär, dann, nach der Landtagswahl 2008, als Minister. Seine resolute Art in der Krise der Bayerischen Landesbank brachte ihm Respekt ein: Der Verwaltungsratschef griff dort zu, wo sich CSU-Vertreter zuvor handzahm gezeigt hatten.

Jetzt gilt Fahrenschons politisches Gespür im Sparkassen-Lager als wichtige Qualifikation. Die Regeln für Banken und Sparkassen werden international oder auf EU-Ebene fixiert, da braucht es einen, der den politischen Betrieb kennt. Zu den größten Herausforderungen für die 427 öffentlich-rechtlichen Institute zählt genau diese Regulierung. Die Sparkassen suchen nach einer Neubelebung des Sparkassen-Gedankens. Deshalb setzen sich die Sparkassen dafür ein, dass es getrennte Regeln für Wall-Street-Banken und Institute mit klassischem Bankgeschäft gibt. Diese Sache soll Fahrenschon vertreten.

Zum Abschied ein paar nette Worte

Zudem muss der designierte Präsident Tempo bei der anstehenden Konsolidierung machen; bisher operiert jede regionale Sparkassen-Einheit mit einer eigenen Versicherung, eine Zusammenfassung des Versicherungsgeschäfts ist überfällig. Und die Fusion von Helaba in Frankfurt und der Kern-WestLB soll erst der Anfang einer großen gemeinsamen Landesbank für alle Sparkassen sein. Wichtig ist eine enge Kooperation Fahrenschons mit Hans-Jörg Vetter, dem Chef der LBBW in Stuttgart, der größten deutschen Landesbank, die auch in der Hand der Sparkassen ist.

Der noch amtierende Präsident Haasis hat für den kneifenden Bewerber Gerlach ein paar nette Worte übrig. Der Rückzug seines bisherigen Stellvertreters sei "honorig" und ein "Signal zur Geschlossenheit", findet er. Was man eben so sagt, in einer solchen Lage.

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SZ vom 08.11.2011/aum
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