Investition im All:Erdblick wird garantiert

Richtig einsam ist der Mond nicht mehr: Rund zwei Millionen Menschen haben bisher Grundstücke gekauft - eine Gesetzeslücke macht's möglich.

Frauke Biereder

Seit ein paar Jahren kann man der neue Nachbar des Manns im Mond werden - indem man ganz einfach ein Grundstück kauft. Ermöglicht hat das der Amerikaner Dennis Hope. Er hat eine Gesetzeslücke genutzt. Der Weltraumvertrag von 1967 verbietet den Regierungen, Territorialansprüche auf den Mond und andere Himmelskörper zu stellen. Von Privatpersonen und Industrieunternehmen ist nicht die Rede.

Investition im All: Schön groß sind die Mondgrundstücke. Doch die wenigsten werden ihren Grundbesitz genießen können.

Schön groß sind die Mondgrundstücke. Doch die wenigsten werden ihren Grundbesitz genießen können.

(Foto: Foto: Koval Verlag)

Im Jahr 1980 meldete Hope beim Grundbuchamt von San Francisco seine Besitzansprüche auf den Mond an und informierte darüber auch die Vereinten Nationen, die USA und die UdSSR. "Niemand hat in der ausgesetzten Frist von acht Jahren Einspruch erhoben", sagt Robert Valentin, einer von zwei Geschäftsführern des Münchner Koval-Verlages. "Seitdem vertreibt Dennis Hope die Grundstücke über seine dafür gegründete Lunar Embassy."

Besitzansprüche einfach angemeldet

Auch der Koval-Verlag mischt im außerirdischen Grundstücksgeschäft kräftig mit. In seinem mondshop.de bietet er für 17,80 Euro Mondland zum Verkauf an: Jedes Grundstück ein Acre (4 046,8564224 Quadratmeter) groß und garantiert mit Erdblick. "Wir sind nicht Besitzer des Mondes. Wir vertreiben und verkaufen die Mondgrundstücke lediglich im Auftrag der Lunar Embassy, die in Rio Vista in Kalifornien zu Hause ist." Geliefert bekommt der Kunde eine bei der Lunar Embassy auf seinen Namen registrierte Besitzurkunde mit dem Namen der Landschaft, Längen- und Breitengrade, eine Mondkarte, auf dem die ungefähre Lage des Grundstücks eingezeichnet ist - und die von Hope geschaffene Mondverfassung.

Denn so richtig einsam ist es da oben nicht mehr: 2 000 047 Menschen aus 180 Ländern der Erde haben nach Auskunft der Lunar Embassy bislang Mondgrundstücke gekauft. Unter ihnen Prominente wie Tom Hanks, Nicole Kidman, Tom Cruise, John Travolta - auch Ex-Kanzler Helmut Kohl und Jimmy Carter sollen dazu gehören, wie bei mondshop.de nachzulesen ist.

Nachbar von Nicole Kidman für 17,80 Euro

Ob Dennis Hope, weil er sich schlitzohrig die alten Claim-Absteck-Gesetze Kaliforniens zunutze gemacht hat, der Mond deshalb tatsächlich "gehört", ist unter Juristen umstritten. "Nein", sagt zum Beispiel Walter Thiebaut, Anwalt für Weltraumrecht bei der Europäischen Weltraumbehörde Esa - aber aufgrund der Rechtslage gebe es "keinen Weg, Mr. Hope zu verbieten, was er tut". So ist es der vom Koval-Verlag an die Käufer mitgelieferten Mondgrundstück-Aufklärungsbroschüre zu entnehmen.

Auch der Koval-Verlag will keine Gewähr dafür übernehmen, dass die Mondkäufer juristisch haltbare Ansprüche auf ihr Grundstück haben. "Wir sehen es eher als Geschenk ideeller Natur", sagt Valentin. Ein Gag für besondere Jubiläen und Gelegenheiten ist ein Privatgrundstück auf dem Mond allemal. Zumal der Verlag mit dem Reiseführer "Reisen zum Mond" mit kräftigem Augenzwinkern über alle Aspekte einer Mondreise aufklärt - von der Vorbereitung über die Anreise bis zum Leben auf dem Erdtrabanten. Dass daraus keine dröge Abhandlung geworden ist, dafür hat der Münchner Autor Werner "Tiki" Küstenmacher gesorgt. Dank Tikis Cartoons hat der Mondtourist auch was zum Schmunzeln.

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