Immobilienfonds:Münchner Märchen

Ein Immobilienfonds verärgert Anleger: Die Investoren warten seit Monaten auf die vertraglich garantierte Rückzahlung ihrer Gelder. Die Furcht wächst, dass sie einfach weg sind.

Markus Zydra

Viele Sparer sind unruhig, sie fürchten, dass ihr Geld weg ist. Geld, das sie in den geschlossenen Immobilienfonds München-Fonds II investiert haben. Das Produkt kam Anfang 2006 auf den Markt, die Fondszeichner, so heißt es im Prospekt, würden spätestens nach 42 Monaten ihr eingesetztes Kapital zurückerhalten. "Doch wir warten und warten, Gesellschafterversammlungen werden immer wieder abgesagt", berichtet eine Sparerin, die ungenannt bleiben will.

Ausblick auf Muenchens Innenstadt

Anleger des Immobilienfonds München-Fonds II sollen erhaltene Zinsen mit dem eingesetzten Kapital verrechnen.

(Foto: bildextern)

Verantwortlich für den Fonds ist Bernd Schumacher, Geschäftsführer von Infraplan. Das Unternehmen aus München hat kürzlich in einem der SZ vorliegenden Schreiben an die Anleger eingeräumt, dass die Lage ernst ist. "Das Kommanditkapital ist teilweise aufgebraucht", steht dort. "Und die als Vorabgewinne bezeichneten Zahlungen stellen keine wirklichen Gewinne dar, sondern sind als Teilrückzahlung des Kommanditkapitals zu behandeln." Anleger müssen also ihre erhaltenen Zinsen mit dem eingesetzten Kapital verrechnen.

Geld für alle - oder für niemanden

Knapp 15 Millionen Euro haben 570 Anleger in den München-Fonds II gesteckt. Im Schnitt sind das 26.000 Euro je Sparer, von denen viele die Beteiligung auf Pump finanziert haben. In dem Nachfolgeprodukt München III liegen 45 Millionen Euro. Das Kapital floss in Immobilien im Münchner Raum.

Doch Schumacher sagt: "Alles ist im grünen Bereich, wir werden die Anleger auszahlen, und zwar aus anderen Mitteln der Firmengruppe." Schumacher sagt weiter, er habe bereits Anteile des München-Fonds II im Wert von zwei Millionen Euro zurückgenommen - die Anleger seien nicht aus dem Fondsvermögen, sondern aus anderen Firmenmitteln ausbezahlt worden.

"Anleger wurden jetzt viele Monate immer wieder hingehalten. Wenn Infraplan von einzelnen Anlegern Rückkäufe gemacht hat, dann könnte das die Straftatbestände der Gläubigerbegünstigung und der Insolvenzverschleppung erfülle", sagt der Münchner Fachanwalt Peter Mattil. Entweder würden alle termingerecht nach 42 Monaten ausbezahlt, oder niemand, so Mattil.

Geschlossene Fonds sehen häufig eine deutlich längere Haltedauer als 42 Monate vor. Zudem handelt es sich hier um unternehmerische Beteiligungen mit Verlustrisiken mit die Investoren. Das Rückzahlungsversprechen des München-FondsII ist deshalb ungewöhnlich. Auch rechtlich gilt die Garantie als bedenklich, denn rückzahlbare Einlagen gelten als Bankgeschäfte. Dafür brauche es eine Bankerlaubnis, die Infraplan nicht besitze, sagt Mattil.

Infraplan-Chef Schumacher bestreitet jedoch, dass eine Garantie im juristischen Sinne vorliege, er räumt aber ein, dass die Fondskonstruktion nicht optimal sei, weil alle Anleger auf einen Schlag kaum auszubezahlen wären.

© SZ vom 29.07.2010/hgn
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