Harold James Wie das Bankenkartell gebrochen wird

SZ: Wie will man es schaffen, das Bankenkartell zu zerbrechen?

James: Das ist eine ungelöste Aufgabe. Das Gefahrenpotential ist sehr groß, dass in der nächsten Krise die Verluste wieder sozialisiert werden. Man sollte den Eigenhandel und Geschäfte außerhalb der Bilanz verbieten. Das kann aber nur international geschehen.

SZ: Das ist doch eigentlich ein populäres Thema. Warum geht es nicht voran?

James: Das Problem ist, dass die Banken wie jede Branche ihre Lobby haben, die ihre Interessen vertritt. Länder wie die USA und Großbritannien werden sich schützend vor ihre Finanzinstitute stellen, genauso wie viele Länder auch ihre Automobilindustrie verteidigen.

SZ: Glauben Sie, dass wir die Probleme dennoch meistern werden?

James: Wir sind dazu gezwungen. Die derzeitige Krise ist so existenzgefährdend für den europäischen Gedanken, dass es eine intensive Diskussion geben muss, wie er sich retten lässt.

SZ: Wenn wir in 50 Jahren ein Geschichtsbuch aufschlagen, was stünde über dem Kapitel der heutigen Zeit?

James: Neue Ungewissheiten, eine Verschiebung des globalen Gleichgewichts, das Kommen des asiatischen Jahrhunderts.

SZ: Interessieren sich Ihre Studenten für solche Fragen?

James: Auch sie haben das Gefühl, dass die Welt unsicherer geworden ist. Das spüren sie vor allem persönlich. Eine Zeitlang dachten sie, man könnte seine eigene Karriere detailliert planen. Aber das klappt in der Krise nicht mehr.

SZ: Klingt so, als ob Sie das gut finden.

James: Die ganze moderne Welt will immer sicher sein und versichert sein und gewiss sein. Denken Sie an das Leben in der vormodernen Welt! Da war alles ungewiss. Man wusste nicht, ob man morgen die Pest bekommt. Aber wir wollen alles planen, unsere Zukunft genau kalkulieren. Ob das am Ende eine gute Sache ist, daran zweifele ich. Auch wenn die Erfahrung der Unsicherheit oft mit hoher psychischer Belastung verbunden ist, kann der falsche Glaube an zu viel vermeintliche Sicherheit noch größere Probleme bringen.

SZ: Als optimistischer Wahl-Amerikaner, wo investieren Sie Geld?

James: Vor allem in die Bildung meiner Kinder. Das ist typisch amerikanisch. Die Finanzierungskosten sind gewaltig, besonders für die Universität. Meine Kinder sind gerade in Florenz, wo sie viel malen und zeichnen. Sie haben auch schon ein Jahr in Deutschland gelebt, als ich in München gearbeitet habe. Meine Mutter stammt aus Norddeutschland. Unsere Kinder haben einen englischen Vater, eine polnische Mutter, wir wohnen zur Zeit in Italien. Aber morgen fliegen wir wieder zurück nach Amerika.