Griechenland Schlechte Zeiten für Schnäppchenjäger

Trotz der Krise sind Ferienhäuser auf den griechischen Inseln nicht billig zu haben, berichtet der Immobilienmakler Georg Petras der Firma Engel & Völkers.

Interview von Marianne Körber

Für Georg Petras wird es spannend. Er leitet das Büro der Immobilienfirma Engel & Völkers auf der griechischen Insel Rhodos. Das Interesse an Ferienhäusern sei groß, sagt der Deutsch-Grieche, aber so mancher Käufer warte noch die politische Entwicklung ab. Ist die Gefahr eines Grexits, eines Ausstiegs aus der Euro-Zone, gebannt, werden die Kunden ganz schnell zugreifen, glaubt Petras.

SZ: Herr Petras, wie laufen derzeit die Geschäfte?

Georg Petras: In den vergangenen Wochen und Monaten haben außergewöhnlich viele Menschen Immobilien besichtigt. Sie suchen bereits Objekte aus und werden dann, wenn sich die Lage entspannt, auch ganz schnell kaufen. Für mich ist das die Ruhe vor dem Sturm.

Warten die Kunden auch darauf, dass die Preise weiter sinken?

Es stimmt, seit der Finanzkrise 2008 sind die Immobilienpreise in Griechenland stark gesunken, auf dem Erstwohnsitzmarkt zwischen 30 und 40 Prozent. Bei Ferienimmobilien ist das anders. 2011/2012 kamen viele Interessierte aus Deutschland, die auf Rhodos ein Schnäppchen machen wollten. Aber die hatten keine Chance. In mittel- und hochpreisigen Lagen sind die Preise zwischen 2010 und 2015 maximal um zehn bis 15 Prozent gesunken.

Schöne Aussichten: 2014 war ein Rekordjahr für Rhodos. 2,5 Millionen Touristen kamen auf die Insel, und so mancher will bleiben.

(Foto: Engel & Völkers)

Athen hat zum 1. Januar 2014 die Gesetze geändert, um den Markt für Investoren attraktiver zu machen. Wer als Nicht-EU-Bürger eine Immobilie für mindestens 250 000 Euro erwirbt, bekommt für fünf Jahre ein Aufenthaltsrecht. Außerdem wurde die Grunderwerbsteuer von zehn auf drei Prozent gesenkt. Kommen jetzt andere Kunden zu Ihnen, etwa Araber und Russen?

Im vergangenen Jahr hatten wir einige wenige Verkäufe, bei denen das eine Rolle spielte. Aber eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, ist sehr aufwendig, das geht hin bis zur ärztlichen Untersuchung im Krankenhaus. Bei Interessenten aus Russland ist es noch schwieriger. Ob ein Russe auf Rhodos kaufen darf, entscheidet das Militär.

Wieso das?

Rhodos ist EU-Außengrenze zur Türkei. Die Aufenthaltsgenehmigung muss durch einen Ausschuss genehmigt werden, das dauert vier bis sechs Monate. Der Russe will aber meistens sofort kaufen und sucht dann lieber woanders.

Von der politischen Lage mal abgesehen: Wie ist es denn um die Rechtssicherheit bestellt?

Auf Rhodos ist sie gegeben, es gibt wie in Deutschland ein Grundbuchamt und ein Katasterwesen. Auf dem griechischen Festland ist das nicht so, da kann ich nicht sehen, ob Vorbesitzer noch irgendwelche Ansprüche anmelden können. Griechenland will auch das Grundbuch- und Katasterwesen einführen, aber das wird noch dauern.

"Deutscher Kopf, griechisches Herz": Georg Petras, Immobilienmakler auf Rhodos, ist in beiden Ländern zu Hause.

(Foto: Engel & Völkers)

Warum ist die Regelung auf Rhodos anders?

Das liegt an der italienischen Besatzungszeit. Die Italiener haben damals das Grundbuch- und Katasterwesen eingeführt, die Griechen mussten es nur weiterführen. Das ist für unser Geschäft ein großer Vorteil - Sie können sich vorstellen, wie schwer es ist, einem Deutschen etwas anzubieten, das nur eine 99-prozentige statt einer 100-prozentigen Sicherheit hat . .

. Zufluchtsort, Leben im Traumhaus, Geldanlage: Welche Motive haben Ihre Kunden?

Sie wollen eine Mischung aus Lebensqualität und Rendite, allerdings haben die Käufer nicht mehr die hohen Gewinnerwartungen von früher, acht Prozent Rendite oder so. Reine Spekulanten haben wir hier nicht, man muss ja auch die Nebenkosten sehen beim Hauskauf. Wer Rendite haben will, kann vermieten; die Mietpreise sind ähnlich hoch wie die auf Mallorca, aber die Kaufpreise sind viel günstiger.

Wie hoch sind die denn?

Die meisten Anfragen liegen bei 400 000 bis 800 000 Euro, für eine halbe Million bekommen Sie 150 Quadratmeter in Toplage, eine Doppelhaushälfte mit 1000 Quadratmeter Grund.

Noch einmal zum Thema Sicherheit: Wenn sich die politische Lage ändert, könnte die Regierung in Athen in Versuchung kommen, die Steuern kräftig zu erhöhen.

Das ist durchaus möglich, aber relativ zu anderen Standorten gesehen nicht so schlimm. Die meisten Ferienimmobilien stehen an der Küste, also außerhalb des Bebauungsplans. Für das Finanzamt sind das landwirtschaftliche Flächen, die Steuern werden also immer auf einem entspannten Niveau bleiben.