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Goldman-Sachs gegen Boni-Kritik:Gottes Werk und Teufels Beitrag

Boni-Exzesse an der Wall Street - eine Folge gottesfürchtiger Arbeit? Goldman-Sachs-Chef Blankfein verteidigt die Milliardengewinne und hohen Sonderzahlungen der Banken.

Hohe Boni für Banker, Milliardengewinne - nach einer langen Durststrecke macht sich an der Wall Street derzeit wieder Optimismus breit. Es ist jedoch ein Optimismus, der bei vielen Beobachtern Argwohn weckt. Unterschätzen Banken wie Goldman Sachs oder JP Morgan die Auswirkungen der Krise? Erlebt die Finanzwelt ein Weiter-so?

Lloyd Blankfein, Foto: AP

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein verteidigt die hohen Boni der US-Investmentbanken.

(Foto: Foto: AP)

Die Investmentbank Goldman Sachs ist besser durch die Krise gekommen als die meisten Konkurrenten, im dritten Quartal des Jahres erwirtschafteten die Banker einen Gewinn von mehr als drei Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro). Am Jahresende dürfte Goldman seinen Mitarbeitern Boni im Gesamtwert von mehr als 20 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) ausschütten.

"Noch mehr Wohlstand"

Während viele Fachleute diese Entwicklung kritisieren, hält Goldman-Chef Lloyd Blankfein dagegen und verteidigt die hohen Profite und Bonuszahlungen als Zeichen für eine Erholung der Weltkonjunktur.

"Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wachstum und noch mehr Wohlstand schaffen", sagte Blankfein der Londoner Sunday Times.

Die Schlussfolgerung des Konzernchefs: Banken haben einen gesellschaftlichen Zweck und verrichten "Gottes Werk".

Kritiker sehen das anders. Sie werfen den Banken vor, ihre Gewinne durch hochriskante Geschäfte zu erwirtschaften. Hierzu hatte der Goldman-Chef im September bei einer Veranstaltung in Frankfurt gesagt: "Es ist unsere Schlüsselfunktion, Risiken zu übernehmen."

Einige selbstkritische Worte allerdings lässt sich auch Blankfein entlocken. Er könne verstehen, dass es auch Menschen gebe, die über die Handlungsweise der Banken verärgert seien, sagte er in der Sunday Times.

Im September, bei dem Bankenkongress in Frankfurt, hatte der Chef von Goldman Sachs sogar konkrete Reformvorschläge gemacht. Anstellungsverträge mit garantierter mehrjähriger Laufzeit sollten ganz verboten werden, sagte er damals. Zudem sollten Manager den Großteil ihrer Vergütung in Aktien erhalten, über die sie erst nach etlichen Jahren verfügen können.

© sueddeutsche.de/Reuters/tob/hgn

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