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Goldman Sachs entschuldigt sich:In den Staub geworfen

"Wir bitten um Entschuldigung." Goldman-Sachs-Chef Blankfein ringt sich zu dem Satz durch, auf den Amerika gewartet hat. Denn der Ruf der Bank steht auf dem Spiel.

Es fällt schwer, es zu glauben, aber er hat es wirklich getan. Lloyd Blankfein, der Chef von Goldman Sachs, der Mann, der erst vor ein paar Tagen die Geschäfte seiner Investmentbank als "Gottes Werk" pries, - er hat sich nun öffentlich in den Staub geworfen. "Wir haben uns an Dingen beteiligt, die falsch waren, und wir haben Grund, das zu bereuen", sagte Blankfein. Und dann fügte er einen Satz hinzu, auf den Amerika gewartet hat: "Wir bitten um Entschuldigung."

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein will nicht der Mann sein, der das Ansehen des Instituts verspielte.

(Foto: Foto: AFP)

Lloyd Blankfeins Auftritt bei einer Finanzkonferenz in New York ist Teil einer Charme-Offensive, mit der Goldman den Rest einer Reputation retten will. Die Investmentbank hat ein sehr gutes Jahr hinter sich - geschäftlich gesehen.

Sie hat Staatshilfen zurückgezahlt und rekordverdächtige Gewinne eingestrichen. Doch zugleich hat sie ihr Ansehen verspielt. Goldman, jahrzehntelang die Verkörperung von Erfolg, Fleiß und Kompetenz, steht heute für Gier, Dreistigkeit und Arroganz.

Millionäre in der Rezession

Während Unternehmen weltweit unter einer Rezession leiden, die die Akteure an der Wall Street verursacht haben, macht Goldman seine Angestellten zu Millionären.

Fast 17 Milliarden Dollar wurden in diesem Jahr für Löhne und Boni reserviert. Die Amerikaner sind empört. Ein Artikel im Magazin Rolling Stone, der Goldman als blutsaugenden Tintenfisch beschrieb, wurde in den vergangenen Monaten deshalb so oft zitiert, weil dort stand, was viele dachten.

Den Imageschaden zu reparieren, ist derzeit Blankfeins oberste Priorität. Er will es nicht bei einem Reuebekenntnis belassen. Nur ein paar Stunden nach seiner Rede verkündete die Bank die Gründung eines Fonds, der Kleinunternehmen helfen soll, sich von der Rezession zu erholen.

Der Verdienst einer guten Handelswoche

Tag und Nacht arbeitete ein Team von jungen Bankern in der vergangenen Woche an der Initiative, in ständiger Absprache mit dem Vorstand. 500 Millionen Dollar soll der Fonds umfassen, fünf Jahre lang soll er bestehen und 10.000 Firmen zur Seite springen.

Natürlich ist die Summe für Goldman verschwindend gering. 500 Millionen Dollar verdient die Bank in einer guten Handelswoche. Aber Blankfein hofft, dass Symbolik die Wende bringt - auch für ihn. Gelingt es ihm nicht, Goldmans Ansehen wiederherzustellen, wird er als der Chef in die Unternehmensgeschichte eingehen, der den Ruf der Bank zerstört hat.

Vielleicht hilft es der Kleinunternehmer-Initiative, dass Blankfein die Nöte der einfachen Leute kennt. Er ist in einer armen Gegend von Brooklyn aufgewachsen. Sein Vater war Postbote. Mit 16 erhielt Blankfein einen Studienplatz in Harvard. Er wurde Jurist, und es zog ihn an die Wall Street.

Doch anfangs wollte Goldman ihn nicht. Blankfein begann seine Karriere bei J. Aron, einem kleinen Brokerhaus. Später kaufte Goldman J.Aron, und Blankfein war am Ziel. 2006 strich er mit 70 Millionen Dollar den höchsten Bonus ein, den je ein Wall-Street-Chef kassiert hat, und kaufte sich ein 30 Millionen Dollar teures Appartement am Central Park.

Kein großer Kommunikator

Trotz seines Erfolgs ist Blankfein ein eher gewöhnlicher Goldman-Chef. Den 55-Jährigen umgibt nicht die ehrfurchtgebietende Aura, die sein Vorgänger, der spätere Finanzminister Henry Paulson ausstrahlte.

Er wirkt zurückhaltend, gehemmt, fast menschenscheu. Kürzlich erklärte er der New York Times, wie er seinen Managementstil unter dem Eindruck der Krise verändert habe. Er hinterlasse seinen Mitarbeitern jetzt jeden Tag eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, sagte er stolz, und antworte schon mal auf E-Mails. Zweifellos ist Blankfein ein großer Banker, ein großer Kommunikator ist er nicht.

© SZ vom 19.11.2009/pak

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