Gefärbte Ostereier aus dem Supermarkt Was drin ist, steht nicht drauf

Rohe Eier müssen mit einem Stempel gekennzeichnet werden, damit Kunden die Herkunft erkennen. Sind sie vorgekocht oder bunt gefärbt, gilt das nicht - Verbraucherschützer vermuten deshalb, dass Hersteller den Kunden zum Osterfest die ungeliebten Eier aus Käfighaltung unterjubeln.

Von Oliver Klasen

Wer jetzt zu Ostern Eier kauft, ist gut beraten, sich ein wenig mit Zahlen und Buchstabenkombination zu beschäftigen. 0-DE-038542 - solche oder ähnliche Zeichenfolgen finden Verbraucher auf der Schale von Hühnereiern. Die erste Ziffer steht für die Haltungsform: 0 heißt dabei Bio-, 1 Freiland-, 2 Boden- und 3 Käfighaltung. Die Buchstaben bezeichnen das Herkunftsland, in diesem Fall Deutschland. Die Ziffern schließlich stehen für den Legebetrieb und die genaue Stallnummer.

Bunte Ostereier: Wo kommen sie her?

(Foto: dpa)

Diese Kennzeichnungspflicht gibt es seit 2004. Die EU schreibt seitdem vor, dass rohe Eier mit einem Stempel auf der Schale gekennzeichnet werden müssen, um die Herkunft der Ware für den Verbraucher transparent zu machen. Die Betonung liegt allerdings auf: roh. Die gefärbten Eier, die vor allem vor Ostern in zahlreichen Supermärkten angeboten werden, sind bereits gekocht - und müssen nicht mit den aufschlussreichen Zeichenkombinationen versehen werden.

Kritiker dieser Regelung wie der Deutsche Tierschutzbund sagen, der Handel nutze diese Lücke im Gesetz, um Käfigeier - die sonst mit der Ziffer "3" gestempelt werden müssten - an die Verbraucher zu bringen.

Viele Kunden bevorzugen eigentlich Eier aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung. Die Legebetriebe setzen ihre Käfigeier vor allem in der Gastronomie oder in verarbeiteter Form an Industriebetriebe ab. So können Kekse, Kuchen und Nudeln Eier enthalten, die aus Käfighaltung stammen. Nachvollziehbar ist das für die Verbraucher nicht, weil auf der Packung der Fertigprodukte nicht angegegeben werden muss, welche Art von Eiern verwendet wurde.

Konventionelle Käfighaltung ist in der EU verboten

Nun gilt seit dem 1. Januar diesen Jahres in der gesamten EU eine neue Verordnung. Sie verbietet, Legehennen in Käfiganlagen zu halten. Deutschland schaffte die sogenannte konventionelle Legehennenhaltung im Jahr 2010 schon vorzeitig ab. Doch in zahlreichen anderen Mitgliedsstaaten wird die Regelung nur zögerlich umgesetzt. Etwa 46 Millionen Hennen sollen EU-weit noch in Käfigen leben. Ihre Eier dürfen jetzt nicht mehr verkauft werden, doch die Einhaltung der Verordnung ist schwer zu kontrollieren, auch weil es für verarbeitete Eier keine Kennzeichnungspflicht gibt.

Außerdem ist auch in Deutschland die sogenannte Kleingruppenhaltung nach derzeitiger Lage noch bis mindestens 2023 erlaubt. Tierschützer nennen den Begriff Kleingruppenhaltung "beschönigend", weil die Hühner dabei kaum mehr Platz haben als bei der herkömmlichen Käfighaltung. Sie appelieren daher an Verbraucher, nur bunte Eier zu verwenden, die ausdrücklich aus Bio-, Freiland oder Bodenhaltung stammen.

Doch wie sollen die Kunden im Supermarkt erkennen, ob es sich bei bunten Ostereiern nicht um Käfigeier handelt, wenn sich auf der Schale kein Ausdruck befindet? Caspar von der Krone, Geschäftsführer des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen KAT, verweist auf verschiedene Gütesiegel, die auf der Verpackung der bunten Eier aufgedruckt seien.

So vergibt die sogenannte "Qualitätsgemeinschaft Bunter Eier" ein Logo. Es steht für die Einhaltung bestimmter Standards im Herstellungsprozess, denen sich inzwischen über 90 Prozent aller Koch- und Färbebetriebe unterworfen hätten. Auf der Verpackung könnten die Kunden Angaben zu Hersteller, Verpacker oder Verkäufer, das Mindesthaltbarkeitsdatum sowie Informationen über Farbstoff, Gewicht, Größe und Grundpreis der Eier ablesen.

"Sicher ist nur, wer selber färbt"

Allerdings sagt das Logo der Qualitätsgemeinschaft Bunte Eier noch nichts über die Haltungsform aus. Strenger ist die Kennzeichnung mit dem KAT-Logo. Sie garantiert die Herkunft aus sogenannten alternativen Handlungsformen, also aus Boden-, Freiland- oder Biohaltung.

Das Problem sind allerdings bunte Ostereier, die lose in Steigen verkauft werden (siehe Foto). Bei ihnen hat der Verbraucher meist keinerlei Möglichkeit, die Herkunft nachzuvollziehen. "Wenn es technisch machbar wäre, würden wir schon heute auf jedes gefärbe Ei eine Herkunftsbezeichnung drucken", sagt KAT-Vereinschef von der Krone. Die intensive Färbung der Eier überdecke jeden Stempel. Man arbeite aber an einer Lösung, wie die Eier nachträglich und trotz Farbe gestempelt werden können.

Heidrun Schubert, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, rät Kunden dennoch zur Vorsicht beim Eierkauf: "Auf der sicheren Seite ist man nur, wenn man die Eier selbst färbt". Das sei im Übrigen auch gar nicht so aufwendig, wie viele Supermarktkäufer denken. Eine Alternative seien in speziellen Bio-Läden angebotete Eier in Pastellfarben, durch die auch der Herkunftsstempel sichtbar bleibe.

Gefärbt oder nicht gefärbt - die Verbraucherschützerin plädiert ohnehin dafür, weniger Eier zu essen. Die Deutschen hätten einen "irrsinnig hohen Verbrauch" an Hühnereiern.