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Fokus Heimat:Bayern, Baby!

Hollywood mag strahlen, Cannes mag glitzern, das Filmfest München kann auch anders - und lenkt den Fokus auf die Heimat: 100 Jahre Bavaria, eine Open-Air-Reihe mit "Minga"-Schwerpunkt und neue Werke aus der Stadt.

Das alte Schwabing: Eine neue Doku über die "Spider Murphy Gang" erzählt viel mehr als nur Musikgeschichte

Filmfest München 2019
(Foto: Filmfest)

40 Jahre heben sich in der ersten Sequenz von Spider Murphy Gang - Glory Days of Rock'n'Roll auf: Da kombiniert der Regisseur Jens Pfeifer zum Hit "Skandal im Sperrbezirk" Bilder eines aktuellen Auftritts mit solchen aus den frühen Tagen der Band. Doch schnell wird klar, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt. Denn der Film erzählt - das Geheimnis aller guten Dokumentarfilme - weit mehr als nur die Geschichte der erfolgreichsten Münchner Band. Es ist auch die Geschichte einer besonderen Freundschaft. Wenn Günther Siegl und Barny Murphy die Stätten ihrer ersten Erfolge besuchen und dabei durch einen Designermöbel-Laden (das ehemalige "Memoland") und eine Ruine (das "Podium") streifen, dann erfährt der Zuschauer außerdem von Untergang des alten Schwabing. Und wenn das DDR-Gastspiel mit Original-Bildmaterial zum Leben erwacht, von verschwundenen deutschen Republiken. Premiere am Sonntag, 30. Juni, 17 Uhr, im neuen Arri. oho

Macker in der Maxvorstadt: Der ewige Rocker Klaus Lemke hat wieder in seiner Nachbarschaft gedreht. Eben dort zeigt er seinen neuen Film

Filmfest München 2019
(Foto: Filmfest)

"New Gods" steht auf ihrer Baseballcap, um neue Götter geht es auch im jüngsten Streich des ewigen Filmrockers Klaus Lemke: Der mittlerweile 78 Jahre alte Regisseur drehte mal wieder in seinem alten Revier rund um Amalienstraße, Siegestor und Akademie der Bildenden Künste. Er lässt Macker und Mimosen auflaufen, verkündet den Unterschied zwischen Kuratoren und Kunsthändlern und macht sich seinen eigenen Reim auf den Kampf der Geschlechter: "Frauen wollen nicht angebetet werden, Frauen wollen anbeten", behauptet die junge Frau mit der New-Gods-Cap, gespielt wird sie von Lemkes aktueller Lieblingsdarstellerin Judith Paus. Seine Premiere hat Neue Götter in der Maxvorstadt ebendort: Am Mittwoch, 3. Juli, um 22 Uhr in der neuen Astor Film Lounge im Arri in der Türkenstraße. Lemke schaut auch vorbei. grü

Giesinger Schnapsidee: Die irre Kneipenkomödie "Schmucklos"

Filmfest München 2019
(Foto: Filmfest)

Eine Hymne auf Giesing ist dieser Film, eine kompromisslos überdrehte Buddy-Komödie über den Mietwahnsinn der Stadt, über die Freude am Exzess und die Lust am bayerisch-österreichischen Dialekt. Zwei gescheiterte Kreative, der eine Werbefilmer aus München, der andere Autor aus Wien, versuchen sich als Kneipenwirte. Aus dem geschlossenen Lokal der verstorbenen Großmutter, "Gertis Gasthaus Schmuck", wird das "Schmucklos". Das Konzept ist schlicht und gut: Schnaps und Würschtel. Ihr Erfolg geht der auf Profit schielenden Mietmafia bald gegen den Strich. Regisseur Thomas Schwendemann, der neben seinem Salzburger Kollegen Stefan Fent in der Hauptrolle zu sehen ist, hat für sein Kinospielfilmdebüt prominente Gäste wie Marianne Sägebrecht, Eisi Gulp, Uschi Glas und viele mehr versammelt. Sein unkonventionelles Independent-Märchen läuft als Weltpremiere in der Open-Air-Reihe "Minga, Baby!" (30.6., 22 Uhr, Gasteig). blö

Umsonst und draußen: Die Gratis-Open-Air-Reihe "Minga, Baby!"

Filmfest München 2019
(Foto: Filmfest)

Filme mit Münchenbezug lassen sich immer wieder in den Festivalprogrammen entdecken. In diesem Jahr ist zudem eine ganze Reihe geprägt davon: Die täglichen Open-Air-Vorführungen auf dem Gasteig-Forum stehen unter dem Motto "Minga, Baby!", was für Besucher ein Stück Münchner Filmgeschichte bei freiem Eintritt bedeutet. Da flimmern dann ein paar Folgen beliebter Serien wie Meister Eder und sein Pumuckl oder Die Hausmeisterin über die Leinwand, außerdem wegweisende Filme wie May Spils Zur Sache, Schätzchen! (1968) oder Helmut Dietls Rossini (1997). Auch Rainer Werner Fassbinder wird gezeigt ( Katzelmacher, 1969), Ula Stöckls feministischer Essay Neun Leben hat die Katze (1968) und Björn Richie Lobs dokumentarisches Denkmal Keep Surfing (2009). Eine Premiere gibt es auch: Die Giesinger Kneipenkomödie Schmucklos (siehe oben) kann man ebenfalls gratis unter freiem Himmel erleben. blö

Servus, Jugend: Die Miniserie "Fett & fett" erfühlt junge Lebenswelten

Filmfest München 2019
(Foto: Filmfest)

Das Gefühl, wenn die eigene Jugend sich langsam verabschiedet, wenn ernste Aufgaben sich ankündigen, wobei: welche gleich noch mal? Hier setzt die Miniserie Fett & fett an, streift in Kurzepisoden den Alltag von jungen Großstädtern Ende 20, zwischen Getriebensein und Treibenlassen. Im Mittelpunkt steht der Münchner Jaksch (Jakob Schreier). Er liebt gutes Essen und Trinken, Geld und Frauen. Bei seinen Trips durch die Stadt begegnet er Einwanderern, Trendsettern und Kindern, deren Geschichten aufgerollt werden. Ein Panorama moderner Lebenswirklichkeiten entsteht. Drehbuchautor Schreier und Regisseurin Chiara Grabmayr sehen ihr Projekt als Parodie und Porträt ihrer Generation zugleich. Entstanden als Webserie unter Studierenden der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF), soll die aktuelle Staffel im ZDF ausgestrahlt werden. Beim Filmfest kann man die ersten vier Folgen sehen, am 29.6. um 20 Uhr in der HFF. blö

Gutes aus Geiselgasteig: Die Bavaria Film wird 100, und das wird gefeiert

Filmfest München 2019
(Foto: Filmfest)

Das Brandenburger Tor? Wurde in Bayern erbaut. Genauso wie das U-Boot U 96, das Raumschiff Orion oder ein Brückenhaus auf der Seine. In den vergangenen 100 Jahren sind in den Bavaria Studios in Geiselgasteig so viele Sets auf- und wieder abgebaut worden, dass man selbst dort längst den Überblick verloren hat. Zum 100-Jährigen präsentiert das Filmfest drei restaurierte Produktionen der Bavaria Film aus unterschiedlichen Epochen: Den 1920 entstandenen Stummfilm Der Ochsenkrieg, für den Hans-Jürgen Buchner ( Haindling) eine neue Filmmusik komponiert hat (Premiere am 3.7., 18 Uhr, Gloria Palast), den 1939 entstandenen Hans-Albers-Film Wasser für Canitoga (4.7., 17 Uhr, Filmmuseum), sowie Dominik Grafs Polizeithriller Die Sieger (5.7., 16 Uhr, Gasteig, Carl-Orff-Saal). 25 Jahre nach seinem Kinostart hat Graf den Film noch einmal überarbeitet und präsentiert auf dem Filmfest den neun Minuten längeren "Director's Cut". grü