Finanztest: Dispozinsen Leben mit dem leeren Konto

Mitten im Monat geht das Geld aus. Ein Dispokredit kann eine Notlösung bieten. Viele Banken berechnen aber enorme Zinsen. "Finanztest" zeigt, wo es günstig ist.

Nach der Kritik von Finanztest vor einem halben Jahr haben einige Banken die Dispo­zinsen gesenkt. Doch längst nicht alle. Selbst Banken, die ihre Konditionen verbesserten, senkten den Zins meist nur um weniger als einen Prozent­punkt. Fazit: Das Über­ziehen des Girokontos bleibt teuer. Finanz­test zeigt die Konditionen von über 100 Banken.

Bei vielen Banken sind die Zinsen für einen Dispokredit immer noch sehr hoch.

(Foto: dapd)

Ein Viertel der Banken senkte des Zins

Es gibt offenbar Bankvorstände mit schlechtem Gewissen - oder sagen wir, mit etwas Sinn fürs Image: Von den 104 Banken in unserem aktuellen Test haben 26 seit dem Sommer ihren Dispozins gesenkt. Kunden, die bei ihnen ihr Girokonto überziehen, zahlen dafür jetzt weniger Zinsen.

Einige Banken haben ihren Zins gesenkt, obwohl die Marktzinsen nicht gefallen sind. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt seit Mai 2009 unverändert bei historisch niedrigen ein Prozent. Die Zinssätze für Kredite, die Banken sich untereinander geben (Euribor), sind sogar leicht gestiegen.

Finanztest wertet daher die Zinssenkungen auch als Reaktion auf unsere wiederholte Schelte. Zuletzt haben wir im Sommer 2010 vielen Instituten vorgeworfen, bei den Dispozinsen über die Maßen zuzulangen.

Nur geringe Zinssenkungen

Grund zur Freude haben die Kunden dennoch nicht. Die meisten Banken senkten den Dispo um weniger als einen Prozentpunkt, und sie sind immer noch zu teuer: Die Volksbank im Märkischen Kreis ging nur um 0,15 Prozentpunkte runter, von 12,75 Prozent auf 12,60 Prozent. Zur Veranschaulichung: Überzieht ein Kunde dieser Bank sein Girokonto 100 Tage lang um 250 Euro, zahlt er nun 8,75 Euro statt 8,85 Euro Zinsen.

Die Santander Consumer Bank senkte den Dispozins zwar um vier Prozentpunkte für Kunden, die ihr Konto mit mehr als 1000 Euro überziehen. Mit jetzt 12,98 Prozent ist der Dispo aber immer noch hoch.

Volksbank Mittelhessen positive Ausnahme

Eine einzige Bank hat nicht nur ihren Dispo deutlich günstiger gemacht, sondern damit auch noch den Sprung vom hinteren Tabellenplatz in das obere Drittel geschafft. Die Volksbank Mittelhessen senkte den Dispo von 13 Prozent auf 9,5 Prozent.

Akzeptable Dispozinsen liegen derzeit unter zehn Prozent. Das schaffen nur knapp die Hälfte der von uns getesteten Banken, darunter weit vorn die PSD-Banken und Direktbanken wie die Deutsche Skatbank, die DAB Bank, die SKG und die DKB.

Überziehen bleibt teuer

Über alle Banken gesehen, bleibt das Überziehen des Girokontos weiterhin sehr teuer. Die Kunden bezahlen im Durchschnitt etwa elf Prozent Zinsen, wenn sie mehr als ihr Guthaben abheben. Der Durchschnittspreis für den Dispokredit ist damit so hoch wie vor einem Jahr.

Es bleibt also dabei, dass die Banken in einer Zeit, in der sie selbst kaum Zinsen zahlen müssen, mit den Dispozinsen Millionen Euro an ihren Kunden verdienen. Jeder sechste Kunde hat sein Konto überzogen.

Von Abzockerbanken spricht Finanztest, wenn der Dispo mindestens 13 Prozent beträgt. So viel berechnen 27 Banken in der Stichprobe. Am kräftigsten kassiert mit 15 Prozent die Verbands-Sparkasse Wesel bei den Kontomodellen Giro SB und Giro Flexibel ab.