Süddeutsche Zeitung

Finanzen kompakt:Denkt das Undenkbare!

Was passiert mit Banken bei einer verheerenden Grippe-Pandemie? Oder wenn Handelskriege die Nahrungsmittelversorgung unterbrechen? Großbritannien stresst Banken auf ganz neue Art. Dies und mehr im Finanzen kompakt.

Die Finanzkrise hat deutlich gemacht, dass Banken Risiken dramatisch unterschätzen. Darum gehen britische Behörden nun einen ungewöhnlichen Weg. Sie wollen die Kreditinstitute dazu zwingen, sich über weniger wahrscheinliche, gleichwohl deaströse Ereignisse Gedanken zu machen, berichtet das Wall Street Journal (WSJ).

Fern von den herkömmlichen Katastrophen-Szenarien wie Blasen an den Finanzmärkten sollen Banken im Rahmen neuartiger Stresstests gezwungen werden, potentiell gefährliche Schocks für die Branche wie etwa eine Grippe-Pandemie oder eine Verknappung von Nahrungsmitteln in Großbritannien zu identifizieren. Anschließend soll überprüft werden, wie das Geschäft geordnet werden muss, um notfalls gegen solche Vorkommnisse gewappnet zu sein.

Den Bankern gefällt das gar nicht. Das WSJ zitiert den Chef einer britischen Großbank mit den Worten, dass "es da um das Zusammenspiel absurder Szenarios" ginge, bei denen die Banker tatenlos zusähen, wie sich die Dinge entwickelten und selbst kaum eingriffen, um die Situation zu stabilisieren. Vor allem aber befürchteten die Banken eines: Dass sie nun nochmehr Kapital für ihre Geschäfte bevorraten sollen.

Axel Weber: Überraschung in Frankreich

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde hat erstaunt auf Berichte reagiert, wonach Bundesbankchef Axel Weber auf eine Kandidatur für den Posten des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) verzichten wolle.

"Welche Überraschung, wirklich. Ich bin verblüfft", sagte Lagarde auf Fragen von Journalisten. Weber galt lange als Favorit für die Nachfolge des Franzosen Jean-Claude Trichet an der EZB-Spitze.

Moody's sorgt sich über irische Banken

Die Ratingagentur Moody's hat die Anleihen sechs irischer Banken herabgestuft. Man habe Zweifel, dass die Banken am Ende des Monats neue Finanzspritzen von der Regierung bekommen würden, teilte Moody's mit.

Die jetzige Regierung hat die Entscheidung darüber auf die Zeit nach der Wahl am 25. Februar aufgeschoben. Die Oppositionsparteien, die wahrscheinlich die nächste Regierung bilden werden, lehnen weitere Bankenhilfen ab.

Betroffen von der jüngsten Abstufung sind die Bank of Ireland, die Allied Irish Banks, die EBS Building Society, Irish Life & Permanent, Anglo Irish Bank sowie die Irish Nationwide Building Society. Moody's behält sich vor, deren Ratings künftig weiter herab zu stufen.

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