Fertighäuser Lange Planung, kurze Bauzeit

In der Fertighaus-Welt im bayerischen Günzburg stehen 19 Musterhäuser auf 22 000 Quadratmeter Fläche.

(Foto: Emiliyan Frenchev/dpa)

In Musterparks zeigen die Hersteller, was sie können. Es ist ein Ort für Lebensträume, aber auch der Ernüchterung und der Budgetgrenzen. Wie gehen Interessenten am besten damit um? Experten geben Tipps.

Von Simone A. Mayer/dpa

Gesucht wird hier nicht weniger als ein Lebenstraum: In der Fertighaus-Welt Günzburg in Süddeutschland stehen 19 schicke neue Häuser. Saubere Fußwege verbinden sie, in ihrer Mitte plätschert das Wasser eines Teichs. Es gibt ebenerdige Bungalows, moderne Landhäuser, elegante Stadtvillen. Sie sind komplett ausgebaut und vollständig eingerichtet mit Küchenmöbeln und Sofa, Bildern und Gardinen. Inmitten solcher Musterhäuser beginnt für viele der Traum von den eigenen vier Wänden, in denen man viele Jahre verbringen will. Im besten Fall das ganze restliche Leben.

Viele Anbieter haben eigene Parks mit Musterhäusern. Dazu gibt es 17 Standorte in Deutschland mit mehreren Baufirmen, fünf dieser Parks betreibt der Bundesverband Deutscher Fertigbau selbst. Hier wirkt es, als betrete man eine Neubausiedlung. Kann man hier mit dem Finger auf ein Gebäude zeigen und sagen: "Das nehme ich"? So einfach ist es nicht.

Die Frage, die Vertreter der Firmen sehr oft hören, lautet: "Was kostet das Haus, so wie es hier steht?" Andreas Hammer, Fachberater des Ausstellers Talbau-Haus, antwortet dann gerne: "Ich habe noch nicht erlebt, dass ein Haus auch tatsächlich so gebaut wurde. Oder irgendein Haus zweimal." Etwa 70 Prozent der Fertighäuser werden frei geplant, erklärt Christoph Windscheif, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF). Was wie eine Katalogbestellung wirkt, entsteht individuell am Computer. Auch wenn Anlieferung und Aufbau der Gebäudehülle in wenigen Tagen erfolgen, der Planungsprozess davor ist aufwendig. Gut ein Jahr müssen Interessenten dafür einrechnen. Aber wo fängt man dabei an?

Viele beginnen eben mit dem Besuch eines Musterparks. Wie im Möbelhaus wird hier demonstriert, wie alles aussehen kann. Tritt man durch die Haustüren, kommt ein Vertreter mit strahlendem Gesicht und einem lauten "Willkommen" um die Ecke. "Schauen Sie sich um! Wenn Sie Fragen haben, ich bin hier im Büro."

Im Durchschnitt bleiben die Besucher drei Stunden und schauen sich 14 Häuser an

Jede Firma hat ein anderes Konzept: Die Musterhäuser sind entweder besonders gut ausgestattete Gebäude, die zeigen sollen, was alles möglich ist. Oder sie sind eher ein guter Durchschnitt dessen, was die Kunden der Firma sich letztlich zusammenstellen lassen. Die Schauen sollen Inspiration sein, sagt Windscheif. Und zu Grundüberlegungen anregen: Welches Haus passt zu mir? Was spricht mich an? In der Regel finden Bauherren zwei, drei Favoriten-Häuser, mit deren Herstellern sie sich näher beschäftigen. Windscheif rät, sich Zeit zu nehmen für diese erste Suche, und gegebenenfalls wiederzukommen. In manchen Ausstellungen ist der Eintritt das zweite Mal kostenlos. Der Experte rät auch, sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Im Durchschnitt bleiben die Besucher in der Schau in Günzburg drei Stunden in der Ausstellung und betreten in dieser Zeit 14 Häuser. Mehr ist kaum zu schaffen. Das Umschauen kostet Zeit, und die vielfältigen Eindrücke ermüden.

Nie wird das Traumhaus beim ersten Gespräch in der Ausstellung verkauft. "Wir machen immer einen Termin zum weiteren Gespräch aus. Davor ist es nur Small Talk", sagt Hugo Stützle vom Anbieter Okal. Das Gespräch, bei dem der Bedarf der Bauherren dann umrissen wird, kann und sollte nach Ansicht der Firmen bestenfalls sogar schon auf dem gekauften Bauplatz stattfinden. Peter Burk, Fachbuchautor zum Thema für die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, empfiehlt sogar, den Besuch der Schau nach hinten zu schieben: "Ich gehe in der Regel ja auch in den Supermarkt, wenn ich zumindest schon grob weiß, was ich einkaufen will."

Und dafür muss unter anderem der Bauplatz vorhanden sein. Er gibt vor, was man bauen darf. "In Deutschland gibt es in den meisten Kommunen Bebauungspläne", erklärt Burk. Sie regeln zum Teil sogar die Farbe der Dachziegel. Und wenn das nicht der Fall ist, sieht Paragraf 34 des Baugesetzes vor, dass das neue Gebäude sich an seiner Nachbarschaft orientieren muss. Zäume man das Pferd von hinten auf und wähle das Haus vor dem Bauplatz aus, drohen höhere Kosten, erklärt der Verband Privater Bauherren. Denn dann muss das Haus unter Umständen für das gewählte Grundstück angepasst werden.

Beim zweiten, ernsteren Termin mit der Baufirma wird die sogenannte Bedarfsanalyse vorgenommen: Was will und was braucht die Familie? Was erwartet sie von der Zukunft, wie will sie im Haus leben, und was kann sie sich leisten? "Oft kommt dabei etwas ganz anderes heraus, als die Menschen anfangs in der Ausstellung wollten", berichtet Bauberater Hammer. Denn den meisten Menschen fällt es schwer, sich über ihr persönliches Traumhaus klar zu werden. Im Kopf schwirren oft unrealistische Vorstellungen, die Auswahl in den Schauen ist groß, und die Musterhäuser zeigen vieles, was man sich gar nicht leisten kann. Es drohen Überforderung, Frust und Angst vor der finanziellen Belastung. Vielleicht auch der Streit mit dem Partner, der anderes will.

"Ein Hauskauf ist eine knallharte Verhandlung." Auch mit dem Partner

Diplom-Psychologin Christine Backhaus rät den Paaren, einen Katalog mit Kriterien aufzustellen, und zwar zunächst jeder für sich. Jeder soll seine Bedürfnisse formulieren und auch beachten, was er im bisherigen Zusammenleben ändern will. "Und dann muss man gemeinsam klären: Wo sind Kompromisse möglich, und wo darf für einen Partner kein Kompromiss gemacht werden?"

Dazu kommt die nüchterne Betrachtung des Budgets: Was kann man sich auch leisten, wenn es finanziell schlechter um den Haushalt bestellt ist? Wie muss ich mich einschränken, um mir das Haus leisten zu können? Will ich für 150 Quadratmeter Wohnfläche mit etwas Luxus auf Urlaube, neue Autos, teure Kleidung verzichten? Backhaus stellt klar: "Ein Hauskauf ist eine knallharte Verhandlung." Auch mit dem Partner. Wenn einer nicht auf seine Bedürfnisse Wert legt, gerate vielleicht die Beziehung in Schieflage. Die Psychologin berichtet, dass sich in ihrer Praxis viele Paare wiederfinden, die gerade ein Hausprojekt umgesetzt haben.

Basierend auf der Bedarfsanalyse machen die Firmen dann Angebote. Nun geht es auch hier um Verhandlungen: Wie sieht das Paket der Firma aus, was genau liefert und verbaut sie im Haus, welche Randaspekte übernimmt sie, etwa die Entsorgung des Aushubs? Wie sieht der Zahlungsplan aus? Die Paare sollten bei den Verhandlungen bei ihrer Checkliste bleiben und dem Partner im Gespräch mit der Firma nicht in den Rücken fallen, betont Backhaus. Sie schlägt vor, sich mit einem freundlichen "Wir denken darüber noch mal nach" Zeit zu verschaffen und sich im Planungsprozess immer wieder einmal Momente der Ruhe zu gönnen. Denn die Zeit für das gemeinsame Überlegen ist da: "Ein Fertighaus entsteht nicht von heute auf morgen."