Falscher Eintrag Die Wege der Schufa sind fast unergründlich

Eine Frau sucht in Berlin eine Wohnung. Sie ist eine Mieterin, wie sie sich jeder Vermieter wünschen kann, mit gutem Einkommen bei einem seriösen Unternehmen. Doch sie bekommt die Wohnung nicht - weil die Kreditauskunft Schufa einen Fehler macht.

Von Harald Freiberger, Frankfurt, und Daniela Kuhr, Berlin, Frankfurt

Die Wege des Herrn sind unergründlich, die Wege der Schufa sind es manchmal auch. Diese Erfahrung machte Charlotte Friecke (Name geändert), 43, als sie vor einem Jahr in Berlin eine Wohnung suchte. Eigentlich ist sie eine Mieterin, wie sie sich jeder Vermieter nur wünschen kann. Sie hat einen guten Job mit einem guten Einkommen in einem seriösen Unternehmen. "Schon die erste Besichtigung lief ganz gut, ich dachte, dass ich beste Chancen habe", erzählt sie.

Doch wenige Tage später kam überraschend eine Absage. Ihr Verdacht war, dass es an der Schufa liegen könnte. "Ich hatte gedacht, dass ich die 18,50 Euro für eine Schufa-Auskunft sparen könnte und ermächtigte den Vermieter, diese selbst einzuholen", sagt sie. Nun wollte sie es genau wissen. Sie holte die Auskunft ein, kurz darauf kam der Brief von der Schufa. "Als ich den Inhalt las, fiel mir fast die Kaffeetasse aus der Hand", sagt Friecke.

Die Kreditauskunft der Schufa führt die Bonität einer Person für verschiedene Branchen auf. Für Telekommunikationsunternehmen stand bei Friecke ein "deutlich erhöhtes bis hohes Risiko", die "Erfüllungswahrscheinlichkeit" war auf 81 Prozent taxiert. Heißt im Umkehrschluss, dass die Schufa glaubt, Charlotte Friecke werde einen Kredit mit 19-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht zurückzahlen.

Für Handelsunternehmen schätzte die Schufa dieses Risiko auf 14 Prozent. Dass es für Banken nur acht Prozent waren und das Risiko immerhin als "zufriedenstellend bis leicht erhöht" beschrieben wurde, war für Charlotte Friecke nur ein schwacher Trost. "Ich konnte es einfach nicht glauben, in meinem ganzen Leben habe ich noch keine einzige Mahnung erhalten", sagt sie.

Schließlich gab die Schufa den Fehler kleinlaut zu

Sie wandte sich an die Schufa, um zu erfahren, was da los sei. Nach einigen Tagen kam schließlich ein Anruf, in dem die Schufa kleinlaut zugab, dass es sich um einen Fehler handle. Der kam so zustande: Als der Vermieter vor einem Jahr die Auskunft einholte, stellte die Schufa fest, dass sie unter "Charlotte Friecke" in Berlin keinen Eintrag hatte. Also legte sie einen neuen Datensatz an. Die Bewertung der Kreditwürdigkeit fiel dabei entsprechend schlecht aus, weil eine 43-Jährige, die noch keinerlei Bankbeziehung hat, höchst suspekt ist.

Was die Schufa jedoch übersah: Friecke war vor fünf Jahren von München nach Berlin gezogen, ihre Bank hatte das der Kreditauskunftei nur nicht gemeldet. Es gab sehr wohl eine Akte von ihr, die auch eine gute Bonitätsbewertung (Kredit-Scoring) auswies. "Warum fiel der Schufa nicht auf, dass es jemanden mit demselben Namen und dem selben Geburtsdatum in München gab? Ist ihr System nicht intelligent genug?", fragt Friecke nun.

Unfaire Schufa-Bewertungen sind keine Seltenheit. Vor ein paar Jahren war es zum Beispiel üblich, dass Auskunfteien es negativ werteten, wenn sich ein Kunde bei mehreren Banken nach einem Kredit erkundigte. "Jede Bank, bei der ein Kunde nachfragte, schickte ein eigenes Auskunftsersuchen an die Schufa - obwohl der Kunde gar nicht jedesmal um einen Kredit bat, sondern sich nur über die Konditionen erkundigen wollte", erklärt Michael Kaiser, Referatsleiter beim Hessischen Datenschutzbeauftragten.

Weil bei der Schufa auf diese Weise aber der Eindruck entstehen konnte, der Kunde werde immer wieder abgewiesen, bekam er einen negativen Score. Das sei mittlerweile geändert worden, sagt Kaiser. "Inzwischen müssen Banken bei einer Schufa-Anfrage ausdrücklich angeben, ob es sich um eine Kreditanfrage oder nur um eine Konditionenanfrage handelt. "Reine Konditionenabfragen dürfen den Score-Wert nicht beeinflussen", sagt Kaiser.