bedeckt München 23°

Ermittlungen gegen S&P und Moody's:Italienische Justiz knöpft sich Ratingagenturen vor

An den Börsen sind italienische Anleihen enorm unter Druck - weil immer mehr Anleger das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Landes verlieren. Jetzt knöpft sich die italienische Justiz die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's vor. Es geht dabei auch um die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens.

Mitten in der Schuldenkrise ermittelt die italienische Justiz gegen die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's im Zusammenhang mit ungewöhnlichen Kursbewegungen an der Mailänder Börse. Es gehe um die Frage, ob sich die beiden Agenturen in ihrer täglichen Arbeit an die Regeln des Geschäfts gehalten hätten, teilte die Staatsanwaltschaft im süditalienischen Trani mit.

Stocks, Six-Month Bills Sink as U.S. Moves Closer to Default

Im Fokus der Fahnder: Die Geschäftsräume der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's in Mailand sollen von Ermittlern der italienischen Behörden durchsucht worden sein.

(Foto: Bloomberg)

Am Mittwoch hätten Ermittler Geschäftsräume der Agenturen in Mailand durchsucht und Material beschlagnahmt. S&P und Moody's betonten, sich stets korrekt verhalten zu haben, und erklärten sich zur Zusammenarbeit mit den Staatsanwälten bereit.

Den Ermittlern liegen Strafanzeigen zweier Verbraucherverbände vor. In einer der Anzeigen wird die Veröffentlichung eines Moody's-Bericht im Mai 2010 bemängelt, in dem vor Ansteckungsgefahren für die italienischen Banken durch die Griechenland-Krise gewarnt wird.

Die zweite Anzeige richtet sich gegen S&P. Die Agentur hatte im Mai dieses Jahres mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens gedroht. Untersucht wird laut Staatsanwaltschaft auch, ob hinter den Kursstürzen am 8. und 11. Juli kriminelle Machenschaften stecken. Damals waren viele Anleger aus Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise aus den Aktien geflüchtet.

Erst vor wenigen Wochen bat die italienische Börsenaufsicht Consob die beiden Ratingagenturen zum Rapport. Sie mussten sich für eine Stellungnahme zu italienischen Banken rechtfertigen, in der sie mit einer Herabstufung der Ratings drohten. Auch bei dieser Aktion gab es Zweifel am Vorgehen der italienischen Behörden: Es hieß, der Finanzaufsicht sei es insbesondere um die schnelle Kritik von S&P am jüngsten Sparpaket der Regierung Berlusconi gegangen.

Doch auch in anderen Ländern sieht die Politik das Verhalten der Ratingagenturen immer kritischer. Mitte Juli brachte EU-Justizkommissarin Viviane Reding eine Zerschlagung der herrschenden Ratingagenturen ins Spiel. "Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputtmachen lassen", sagte Reding der Welt.

Es seien mehr Transparenz und Wettbewerb bei der Bewertung von Unternehmen und Staaten nötig. Ein Kartell dürfe nicht über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften und ihrer Bürger entscheiden. Der Markt wird von den drei großen Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch beherrscht.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/hai/sebi

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite