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Einigung in New York:7,2 Milliarden Dollar für Madoff-Opfer

"Größte Rückerstattung der US-Geschichte": Bernie Madoff erschwindelte Milliarden. Jetzt hat sich der Treuhänder des Vermögens mit einer Investoren-Familie geeinigt.

Geldsegen für die Opfer des Finanzbetrügers Bernard Madoff. Der Treuhänder über die Firma und das Vermögen Madoffs, Irving Picard, einigte sich mit den Erben eines Großinvestors auf die Rückgabe von 7,2 Milliarden US-Dollar. Damit stehen den Opfern insgesamt zehn Milliarden Dollar für Entschädigungen zur Verfügung. Mit der Auszahlung des Geldes soll im ersten Quartal 2011 begonnen werden, wie Picard am Freitag in New York mitteilte.

Preet Bharara Bernie Madoff

Staatsanwalt Preet Bharara (li.) und Madoff-Treuhänder Irving Picard auf einer Pressekonferenz.

(Foto: REUTERS)

Madoff, Eigentümer einer angesehenen Finanzfirma in Manhattan, betrog gutgläubige Investoren um eine hohe zweistellige Milliardensumme. Das Geld wurde nie investiert. Madoff verwendete die Einlagen neuer Investoren, um die Scheingewinne der alten zu finanzieren. Das Schneeballsystem gilt als größter Finanzschwindel in der Geschichte der Wall Street. Der Betrug flog im Dezember 2008 als Folge der Finanzkrise auf.

Madoff wurde im vergangenen Jahr von einem New Yorker Gericht zu 150 Jahren Haft verurteilt. Er sitzt in einem Gefängnis in North Carolina. Konkursverwalter Picard fordert nun systematisch von all jenen Investoren Geld zurück, die mit ihren Anlagen bei Madoff Gewinne gemacht hatten, unabhängig davon, ob sie von dem Betrug wussten oder nicht.

Mit der jüngsten Einigung konnte Picard diesen Grundsatz durchsetzen. Es ist die größte Rückerstattung in der Geschichte der Vereinigten Staaten, wie US-Staatsanwalt Preet Bharara erklärte. Dabei verzichtete Barbara Picower, die Witwe des Investors, Philantropen und Madoff-Vertrauten Jeffry Picower, in einem Zivilverfahren auf 7,2 Milliarden Dollar. "Jeder Penny, den wir in 35 Jahren bei Madoff verdient haben, wird zurückerstattet", hieß es in einer Erklärung der Witwe. Sie sei fest davon überzeugt, dass ihr verstorbener Mann nichts mit dem Betrug zu tun gehabt habe, halte es aber trotzdem für richtig, das Geld zurückzugeben.

Von der Summe gehen fünf Milliarden Dollar an den Opferfonds, den Picard verwaltet, 2,2 Milliarden an einen Fonds bei der Staatsanwaltschaft. Die Einigung muss noch vom zuständigen Konkursgericht gebilligt werden. Zuvor hatte Picard bereits 2,3 Milliarden Dollar aus der Versteigerung von Madoffs Privatvermögen und Deals mit zwei Investoren, der Bank Union Bancaire Privée und der Familie des Textilunternehmers Carl Shapiro, eingetrieben. Wie Picard mitteilte, hat er nun mehr als ein Drittel des Geldes gesichert, das die Madoff-Investoren ursprünglich an den Betrüger gezahlt hatten. Nicht enthalten in der Rechnung sind entgangene Zinsen.

Die Aufarbeitung ist noch nicht zu Ende

Vor einer Woche hatte der älteste Sohn des Betrügers, Mark Madoff, Selbstmord begangen. Er hatte zwar in der Firma seines Vaters gearbeitet, wusste jedoch nach eigenem Bekunden nichts von dem Betrug. Die Behörden hatten ihn auch zu keinem Zeitpunkt eines Vergehens beschuldigt. Mark Madoff hatte seinen Vater bei der Polizei angezeigt.

Mit der Einigung ist die juristische Aufarbeitung des Falles Madoff aber noch lange nicht abgeschlossen. Picard verklagte mehrere Großbanken auf Schadensersatz. Sie hätten Geld von Kunden an den Betrüger überwiesen, obwohl sie von Unregelmäßigkeiten hätten wissen müssen, erklärte er. Betroffen sind die Citigroup, JP Morgan, die britische HSBC und die schweizerische UBS.

Von der österreichischen Bank Medici und deren Gründerin Ruth Cohen fordert Picard 19,6 Milliarden Dollar. Die Bank Medici sei Teil des Betrugssystems von Madoff gewesen, heißt es in der Klageschrift. Der Fall ist insofern brisant, als an der Bank Medici auch die angesehene Bank Austria beteiligt ist. Sie gehört, zusammen mit der deutschen HypoVereinsbank, heute zum Bankkonzern Unicredit. Sowohl die Bank Medici als auch Bank Austria haben die Vorwürfe zurückgewiesen.