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Die großen Spekulanten (38):Die erste Milliarde ist die härteste

Mit texanischem Öl wurde T. Boone Pickens reich - doch die Finanzkrise kostete ihn viele Millionen Dollar. Nun fängt er mit 80 Jahren noch einmal ganz neu an.

Zum Feind haben möchte man ihn nicht. Wirklich nicht. Sein Blick fordernd und wach, darüber buschige weiße Augenbrauen, die wie ein spitzes Dreieck in die Höhe ragen. Ohne Probleme könnte er den Bösewicht in einer amerikanischen Seifenoper spielen. In "Dallas" zum Beispiel, das würde passen, lebt er doch in der gleichnamigen texanischen Stadt und spricht mit zäh-nasalem Südstaaten-Akzent.

Erfolgreich aber steinhart: T. Boone Pickens wurde kürzlich zum meist gehassten Mann Amerikas gekürt.

(Foto: Foto: Reuters)

Dazu ein Name, wie ihn sich ein Drehbuchschreiber nicht besser hätte ausdenken können: "Ich bin T. Boone Pickens, und ich war mein ganzes Leben lang ein Öl-Mann", sagt er selbstbewusst in die Kamera, weichgezeichnet, im Hintergrund eine säuselnde Country-Gitarre.

Wohlhabend durch Öl

Das Öl hat ihn wohlhabend gemacht, hat den jetzt 80-Jährigen auf den 131. Platz der reichsten Amerikaner gehievt. Das berechnete das Wirtschaftsmagazin Forbes im September. 3,1 Milliarden Dollar besitzt er demnach. Das reicht immer noch für Platz 369 auf der weltweiten Liste der Superreichen. Aber viel wichtiger ist in Amerika wohl das "self made", das hinter seinem Namen in der Forbes-Liste vermerkt ist. Nein, er hat nichts geerbt, nichts geschenkt bekommen. Er hat gearbeitet. Geht nicht, gibt es nicht bei T. Boone Pickens. Und an diesem Image feilt er, keine Frage.

So berichtet er gerne von den Umständen seiner Geburt in dem kleinen Städtchen Holdenville im Bundesstaat Oklahoma. Zahlreiche Probleme habe es gegeben, weshalb der Arzt den Vater vor die Wahl gestellt habe: Er könne entweder Mutter oder Kind retten. Der Vater habe sich aber geweigert, eine solche Entscheidung zu fällen, habe stattdessen den Arzt dazu überredet, den ersten Kaiserschnitt in der Geschichte des örtlichen Krankenhauses durchzuführen - es war das Jahr 1928, und so ein Eingriff war alles andere als Routine. So überlebten Mutter und Sohn. Sein Leben hat er also dem Tod abgetrotzt. "Ich habe immer gesagt, ich bin der glücklichste Kerl auf der Welt", sagt Pickens, "ganz sicher war ich das auch in dieser speziellen Nacht." Geht nicht, gibt es eben nicht.

Vom Zeitungsjungen zum Millionär

Das durfte dieser Tage auch der Fernsehsender NBC erfahren. Geht nicht, sagten die Verantwortlichen zu dem Milliardär, als der seinen "Ich bin T. Boone Pickens"-Werbespot bei ihnen schalten wollte. "Geht doch", dachte sich Pickens und sagte das dann auch laut beim NBC-Konkurrenten Fox News und in einem öffentlichen Brief: Es sei interessant, dass sich der Sender nur wahlweise an den ersten Verfassungszusatz halte und den Zuschauern Informationen vorenthalte. Wie gesagt - T. Boone Pickens ist ein unangenehmer Feind. Noch am gleichen Tag war der Spot auf NBC zu sehen. So läuft es in der Welt von T. Boone Pickens.

Sein erstes Geld verdiente er sich als Zeitungsjunge, es gab ein Cent pro ausgetragener Zeitung. Er bekam die kleinste Straße seines Heimatstädtchens Holdenville zugeteilt, 28 Zeitungen, macht 28 Cent am Tag. Das reichte ihm nicht, schon bald verhandelte er nach und rang seinem Chef die angrenzenden Straßen ab. So belieferte er 156 Haushalte - und kassierte 1,56 Dollar. Da war er gerade knapp zwölf Jahre alt. Auch das ist eine Geschichte, die er gerne erzählt.

Mit Anfang 20 schloss Pickens sein Geologie-Studium ab. Einen Job zu finden, war in den fünfziger Jahre nicht einfach. Er bekam trotzdem einen, 500 Dollar verdiente er im Monat, glücklich war er nicht. Also machte er sich selbständig, suchte auf eigene Faust nach Erdölvorkommen. 1956 gründete er in Texas die Firma Mesa. Nur 2500 Dollar besaß er damals, dafür schon Frau und drei Kinder, die alle satt werden wollten. 30 Jahre später war Mesa das größte Öl-Unternehmen der USA.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wieso T. Boone Pickens vom Öl zu Wind und Wasser wechselt.