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Co-Living:Bett im Büro

Es darf gemütlich sein: Büro mit Wohnraum in Berlin.

(Foto: Andreas Lukoschek/Rent24)

Arbeiten, wohnen, feiern: Unternehmensgründer haben gern alles unter einem Dach. Ein Besuch in Berlin.

In Berlin gibt es mehr als 100 Co-Working-Standorte. Einer davon befindet sich an der Potsdamer Straße; in die oberen Etagen der ehemaligen Verwaltung der Berliner Verkehrsbetriebe zogen vor einigen Jahren Start-ups und Selbstständige ein, die sich bei rent24 einen Schreibtisch oder ein Büro auf Zeit mieteten. Das 2015 von Robert Bukvic gegründete Unternehmen setzt auf die Vermietung von Co-Working-Büros. In Berlin hat es mittlerweile sieben Standorte, weltweit sind es mehr als 57. Das Großraumbüro an der Potsdamer Straße hat lange Schreibtische, Sofas und eine Bar, es gibt auch Einzelbüros, Besprechungsräume, einen kleinen Kinosaal und ein Spielzimmer für die Kinder der Mieter. Im Mai 2018 erweiterte der Vermieter das Angebot: Interessenten können außer einem Schreibtisch auch ein Bett mieten. Auf zwei Etagen verteilt gibt es 51 Zimmer, die mit einem, zwei, drei oder vier Betten ausgestattet sind, insgesamt 150 Schlafplätze.

"Anfragen von Projektteams kamen schon früh, denn es ist schwierig, in Berlin eine Wohnung auf Zeit zu finden. Auch das An- und Abmelden oder GEZ-Gebühren sind alles Dinge, die viel Zeit kosten", sagt Bukvic, der bei rent24 auch die Geschäfte führt. Weil Kooperationen mit Hotels scheiterten, entwickelte der 38-Jährige selbst ein Konzept für Arbeiten und Leben unter einem Dach.

Den langweiligen Fluren des ehemaligen Verwaltungsgebäudes verpassten die Macher einen tiefschwarzen Anstrich, dazwischen immer wieder große, bunte Graffiti und Wandbilder. Dünne Kupferrohre sind zu Regalen gebogen, auf denen ein Sammelsurium an Büchern steht. Jedes Zimmer ist nach einer Stadt oder einem Land benannt und individuell gestaltet. Manche Räume haben ein eigenes Bad, für die anderen finden sich Duschen und Toiletten auf dem Flur.

Egal, in welche Richtung die Mieter zu ihren Zimmern gehen, der Rundweg führt immer am großen Aufenthaltsraum und der Küche vorbei, die mit Geschirr, Gläsern, Kochutensilien und Spülmaschine ausgestattet ist. Für Sauberkeit sorgt das Putzpersonal. Den Start-ups möglichst viel abnehmen ist die Idee hinter dem Co-Living-Konzept. "Wir wollen eine flexible und bezahlbare Lösung für Arbeiten und Wohnen bieten. Das Angebot kommt gut an", sagt Bukvic. Die Zimmer sind ausgelastet, weitere in Berlin und anderen Städten kommen bald dazu.

Jacqueline Garrett aus Australien kam drei Monate nach Berlin, um an einem Programm für Gründer teilzunehmen. Vorher Wohnungen zu besichtigen und mit Vermietern zu sprechen wäre für sie schwierig gewesen. Über ihr Netzwerk erfuhr sie von rent24 und buchte dort online ein Zimmer. Unter Gleichgesinnten wohnen, Kontakte knüpfen und Freunde auf Zeit finden, all das sei möglich gewesen und habe ihr das Leben in der fremden Stadt erleichtert. "Wir wollen unseren Kunden ein Gemeinschaftserlebnis vermitteln und eine Community aufbauen", so Bukvic.

Community-Manager kümmern sich um die Mieter und vermitteln Kontakte

Dazu zählt auch eine Design-Sprache, die sich in leicht abgewandelter Form in allen Co-Working und Co-Living Räumen weltweit findet. Schwarz gestrichene Wände, poppig bunte Sessel und großformatige Graffiti zählen dazu. Warum schwarz? "Die Räume in der Potsdamer Straße waren alle weiß, das war uns zu steril. Wir haben uns für ein Design aus schwarzen und bunten Elementen entschieden. An jedem Standort variiert die Gestaltung und ist an lokale Besonderheiten angepasst", sagt Bukvic.

Teil des Konzepts sind auch die Community-Manager, die sich um die Mieter kümmern und Kontakte vermitteln. An der Potsdamer Straße treffen sich zum Beispiel jeden Mittwochabend viele Mieter zum gemeinsamen Essen. In dem großen Aufenthaltsraum neben der Küche ist der Tisch schon gedeckt. Wer möchte, kann Albina Progozhuk beim Kochen helfen. Die 24-jährige Hotelfachfrau ist Projektleiterin Co-Living. Ihre Wohnung in Berlin hat sie aufgegeben, die Kisten bei den Eltern untergestellt. Sie führt selbst das Leben eines digitalen Nomaden, wohnt in einem der Co-Living-Zimmer und zieht immer wieder mal mit ihrem Koffer in einen anderen Raum um.

Wer Kochen für Zeitverschwendung hält oder lieber im Café frühstückt, muss nur den Fahrstuhl nehmen und findet im Erdgeschoss an der Potsdamer Straße drei ganz unterschiedlich gestaltete Cafés. Ein in weiß und rosé gehaltener Raum lockt mit einem Patisserie-Angebot, ein im firmentypischen Schwarz gestaltetes Tagescafé hilft mit Sandwiches, Säften und Kaffee bei kleinem Hunger weiter, um die Ecke öffnet um 7.30 Uhr das Café Erntezeit. Für einen Aufpreis können die Mieter die erste Mahlzeit des Tages im Café auch dazu buchen. Auch das Feiern kommt nicht zu kurz, es gibt einen hauseigenen Club, ein paar Häuser weiter liegt das Fitness-Studio. Fehlt nur noch ein Waschsalon, aber vermutlich denkt Robert Bukvic auch schon darüber nach.