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Baustoff:Gut Holz

Forstamt-Jena-Holzland

Dieses Jahr ausgezeichnet: der Neubau „Forstamt Jena-Holzland“ in Stadtroda.

(Foto: Thomas-Eicken-Eckenfotografie)

In Deutschland wird inzwischen fast jeder fünfte Neubau mit dem nachwachsenden Rohstoff gebaut. Das liegt im Trend. Die gestiegene Nachfrage hat aber noch einen anderen Grund - der Bund fördert solche Projekte seit Jahren.

Neue Häuser entstehen in Deutschland zunehmend in Holzbauweise. Damit sind die Gebäude gemeint, deren Tragsystem überwiegend aus dem nachwachsenden Rohstoff besteht. Wurden 2013 etwa 15 Prozent der Gebäude aus Holz errichtet, waren es im vergangenen Jahr schon knapp 18 Prozent - bei Ein- und Zweifamilienhäusern sogar 20 Prozent, etwa drei Prozent bei Mehrfamilienhäusern. Regional gibt es dabei große Unterschiede; Spitzenreiter im Holzbau sind Baden-Württemberg (knapp 30 Prozent), Hessen (23) und Bayern (22), am Ende der Skala liegen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (je 11 Prozent) und die Stadtstaaten Berlin (10), Hamburg (7) und Bremen (5). Im Vergleich zum Nachbarland Österreich hinkt Deutschland aber hinterher; dort liegt der Anteil der Holzgebäude an den Neubauten bei 30 Prozent, berichtet die Deutsche Bundesstiftung Umweltschutz (DBU).

Holz gilt als klimaverträglich, kurze Bauzeiten sowie ein geringes Gewicht bei hoher Tragfähigkeit werden als Vorteil angesehen. Deshalb eignet sich Holz nach Ansicht von Experten auch gut zur Dachaufstockung. Besondere Aufmerksamkeit erregen inzwischen Holzhochhäuser, etwa das in Holzskelettbauweise errichtete 25 Meter hohe Mehrfamilienhaus e3 in Berlin oder das 84 Meter hohe HoHo in Wien, bei dem massive Brettsperrholzelemente und vorgefertigte Betonplatten zu einem Verbundwerkstoff kombiniert wurden. Damit sollen im Vergleich zu üblichen Holzdecken höhere Tragfähigkeiten, ein günstigeres Schwingungsverhalten und ein besserer Brandschutz erreicht werden. Neue Materialien stehen im Fokus; an der Hochschule Augsburg wird derzeit untersucht, ob bei solchen Holzhybridkonstruktionen Calciumsulfat Zement und Stahl ersetzen kann.

Die DBU will Holzkonstruktionen vorantreiben und fördert daher mit rund einer halben Million Euro die Planungen für die "Wildspitze" in der Hamburger Hafencity. Dort soll mit 19 Etagen und 180 Wohnungen Deutschlands höchstes Holzhaus entstehen. "Bei Holzhochhäusern muss mit der Feuerwehr ein spezielles Brandschutzkonzept ausgehandelt werden. Auch Prüfstatiker sind mit solchen Projekten unter Umständen überfordert. Investoren gehen also bestimmte Risiken ein", sagt Sabine Djahanschah, DBU-Fachreferentin für Architektur und Bauwesen und fügt hinzu: "Je mehr positive Beispiele es gibt, umso schneller ist die Realisierung möglich. Mit unserer Förderung wollen wir genau dazu beitragen." Sie hofft darauf, dass durch das Bundesbauministerium eine neue Musterbauordnung erarbeitet wird, die den Bau von Holzgebäuden erleichtert. "So eine Musterbauordnung ist für die Bundesländer nicht verbindlich. Sie kann aber positive Anstöße geben", sagt Djahanschah. In Nordrhein-Westfalen hat sich bereits etwas getan; eine neue Landesbauordnung erlaubt seit vergangenem Jahr den Bau von Holzgebäuden mit bis zu acht Geschossen und einer Höhe von bis zu 22 Metern.

Mit der "Charta für Holz 2.0" will das Bundeslandwirtschaftsministerium unter anderem das Bauen mit Holz im Nichtwohnbau fördern. Als positives Beispiel dient das 2011 eröffnete Finanzamt Garmisch-Partenkirchen, bei dem 549 Tonnen Holz verbaut wurden. Nach Angaben der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern 2016 wurden der Atmosphäre damit langfristig 920 Tonnen Kohlenstoffdioxid entzogen und weitere 970 Tonnen Kohlenstoffdioxid durch die Substitution mineralischer Baustoffe vermieden. Nach der Nutzung kann das Holz im Gebäude recycelt oder energetisch-thermisch verwendet werden.

In den vergangenen Jahren entstanden immer mehr Schulen, Kindergärten, Sporthallen, Feuerwehrgebäude oder Gemeindezentren, aber auch Bürogebäude als Holzmassivbau, Holzrahmenbau oder Holzhybridbau. 2018 lag der Anteil der überwiegend mit dem Baustoff Holz genehmigten Neubauten im Nichtwohnbau bei knapp 18 Prozent. Für das Zimmerergewerbe spielt der Bestandsbau allerdings eine viel größere Rolle als der Neubau - auch bei der energetischen Modernisierung oder bei der Sanierung wird zunehmend Holz als Material eingesetzt. Dabei geht es neben der Aufstockung von Gebäuden auch um die Sanierung durch vorgehängte Holzfassaden.

Was mittlerweile alles im Holzbau möglich ist, zeigen auch die Gewinner des vom Bund Deutscher Zimmermeister ausgelobten Deutschen Holzbaupreises 2019. In der Kategorie Neubau wurde "Woodie" ausgezeichnet, ein Hamburger Studentenwohnheim, das aus 371 aus Brettschichtholz vorgefertigten Wohnmodulen besteht, die auf einem Betonfundament stehen. Auch die tragenden Decken und Wände sind hier aus Holz. Das sechs Stockwerke hohe Gebäude wurde innerhalb von vier Monaten montiert. Auch der Neubau des Thüringer Forstamtes in Stadtroda wurde unter anderem wegen der Materialauswahl prämiert. Für die Holz-Beton-Verbunddecken wurde Buchen-Furnierschichtholz ausgewählt, das im Vergleich zu Nadelhölzern eine höhere Biege- und Druckfestigkeit aufweist. Besonders positiv wurden die außen liegenden Holzlamellen bewertet, die der Verschattung dienen.

Ein öffentliches Gebäude anderer Art hat die Stadt Würzburg errichten lassen. Auf einem ehemaligen Kasernengelände entstand ein Labor für junge Firmengründer, ein zweieinhalbgeschossiger Holzquader mit einer markanten Fassadenhülle aus Brettschichtholz und einer bedruckten Polycarbonatpaneele. Um den extra verliehenen Hochschulpreis Holzbau hatten sich 62 Projekte aus 26 Universitäten und Hochschulen beworben. Mit ersten Preisen wurden Entwürfe von Studierenden der Universität Stuttgart und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz ausgezeichnet.

Die mit dem Deutschen Holzbaupreis ausgezeichneten Gebäude und Konzepte werden in einer Wanderausstellung präsentiert. Sie ist vom 27. bis 29. September in Rostock auf der Landesmesse RoBau im Themenpark Holz zu sehen. Vom 14. bis 18. Oktober zeigt die Hochschule Trier die Ausstellung in ihrem Architektur-Holz-Kompetenzzentrum, Schneidershof 1. Weitere Informationen zum Preis unter www.deutscher-holzbaupreis.de.