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Auto-Policen:Versicherer langen kräftig zu

Autoversicherungen werden demnächst deutlich teurer. Vergleichen lohnt sich: Die Preise schwanken stark.

Autofahrer müssen in der Autoversicherung mit Preiserhöhungen von bis zu 15 Prozent rechnen, wenn sie im Laufe des Jahres eine neue Versicherungspolice abschließen. Betroffen sind Autobesitzer, die einen Neu- oder Gebrauchtwagen kaufen. 2009, im Jahr der Abwrackprämie, waren dies dem Kraftfahrtbundesamt zufolge mit 9,8 Millionen fast ein Viertel aller Autofahrer.

Teilweise sind die Tarife für neue Kfz-Policen schon angehoben worden, zum Teil erfolgt dies zum 1. April. Das bestätigen die Axa-Versicherung, HUK-Coburg, die DEVK und die LVM. Damit soll der jahrelange Prämienverfall zu Ende sein. "Es gibt eine Trendwende bei der Prämienentwicklung", meint Frank W. Keuper, stellvertretender Vorsitzender des Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft.

Die meisten Assekuranzen machen aber keine konkreten Angaben zu den Preisanpassungen. Demgegenüber teilt der Zurich-Konzern mit, dass seine Tarife im Schnitt um 3,3 Prozent erhöht werden und die Tarife der ADAC-Autoversicherung, an der die Zurich beteiligt ist, um bis zu 3,8 Prozent steigen. Die für die Deutsche Allgemeine angekündigte Absenkung um fünf Prozent wird aber durch vorherige Erhöhungen aufgefressen.

Unter dem Strich erhöht der Direktversicherer seine Prämien um mehr als drei Prozent, wie aus einer Analyse der Unternehmensberatung Nafi aus Höxter hervorgeht. Besonders stark schwanken die Anhebungen der AXA. Sie reichen von 3,0 Prozent (Tarif Kraftfahrt) bis fast 15 Prozent (Tarif Kraftfahrt alternativ). Deutschlands größter Autoversicherer, die HUK-Coburg, hebt ihre Prämien um sieben bis acht Prozent an.

Große Schwankungen am Markt

Demgegenüber gibt es Anbieter wie die Nürnberger, die einige Tarife deutlich senken und andere gleichzeitig erhöhen. Viele Gesellschaften, wie beispielsweise die Allianz Versicherung, Generali oder die R+V lassen ihre Tarife für das Neugeschäft weiterhin unverändert.

Trotzdem sollten Autofahrer bei diesen Anbietern die Preise vergleichen. "Noch immer gibt es sehr große Unterschiede am Markt", betont Nafi-Geschäftsführer Wolfgang Höltring. Selbst Versicherer, die gerade ihre Preise erhöht haben, können im Vergleich zu anderen Anbietern noch deutlich günstiger sein.

Höltring: "Das gilt beispielsweise für die HUK-Coburg oder HDI-Gerling." Damit Autobesitzer beim Vergleich der rund 280 Tarife nicht den Überblick verlieren, sollten sie einen Internet-Vergleichsrechner nutzen. Fast jeder Kfz-Versicherer hat zwei oder drei Angebote am Markt. Üblich sind Basis-, Standard und Komfort-Tarif. Komfortable Tarifrechner erlauben es, per Filter individuelle Leistungen abzufragen.

Nachlass bei Werkstattbindung

Auf Leistung müssen Autofahrer auf jeden Fall achten. Unverzichtbar ist eine weitgehende Mitversicherung grober Fahrfehler. Andernfalls müssen Autofahrer bei selbstverschuldeten Unfällen mit hohen Abzügen rechnen. "Wer etwa ein Rotlicht wegen Sonneneinstrahlung übersieht, erhält möglicherweise nur noch die Hälfte seines Fahrzeugschadens ersetzt", warnt Hubert van Bühren, vom Deutschen Anwaltverein (DAV) aus Köln.

Allein bei Alkohol oder sonstigen Drogen sowie bei fahrlässigem Diebstahls bleibt es in jedem Tarif bei der gesetzlichen Quotenregelung nach Verschulden. Große Spannweiten in der Leistung gibt es bei der Dauer des Neuwertersatzes, der von drei bis 24 Monaten reichen kann. Top-Policen schützen nicht nur vor Haarwild, sondern vor jeder Art von Tierkollision und zahlen selbst die Folgen von Marderschäden.

Besonders im Trend ist die Werkstattbindung. Der Kunde verpflichtet sich, nach einem Kaskoschaden nur die vom Versicherer ausgewählte Werkstatt zu nutzen. Dafür erhält er einen Beitragsnachlass. Tarife mit Werkstattzwang lohnen vor allem, wenn der Autofahrer nur einen kleinen Schadenfreiheitsrabatt hat, also erst wenig unfallfreie Jahre, und deshalb noch eine hohe Prämie zahlt.