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Alte Wohngebäude-Policen:Warum Ergo die Preise der Altverträge nicht einfach anheben kann

Die Ergo sieht in ihrem Vorgehen dennoch kein Problem. Die Kunden würden rechtzeitig vorher informiert, so dass sie Gelegenheit hätten, auch selbst zu kündigen, wenn sie keinen neuen Vertrag wollten, so Sprecherin Wagner.

In der Branche kommt das nicht gut an. Viele Wettbewerber betrachten die Aktion mit Kopfschütteln. "Was sich die Ergo leistet, könnten wir uns niemals erlauben", sagt beispielsweise Sylvia Knittel, Sprecherin der Sparkassen Versicherung. Die Gesellschaft habe zwar zum Jahreswechsel die Preise von 700.000 Policen um 13,5 Prozent angehoben, man würde aber niemals im großen Stil kündigen, so Knittel. "Im Gegensatz zur Ergo haben wir nie mit Dumpingpreisen kalkuliert", sagt Knittel.

Das Problem: Ergo kann die Preise der Altverträge nicht einfach anheben. Denn die dazu notwendigen Beitragsanpassungsklauseln fehlen in diesen Policen. In den neuen Verträgen, die Ergo zum Tausch anbietet, sind sie dagegen enthalten.

Die Aktion belastet die Reputation des Versicherers weiter. Der Ruf hatte durch Schlagzeilen über die Sex-Reise von Vertretern nach Budapest, falsche Kostenausweise bei Riester-Renten und überhöhte Provisionen in der betrieblichen Altersversorgung ohnehin schon stark gelitten.

Die Gesellschaft sieht das alles anders. Aus Sicht des Versicherers tut Ergo den Kunden mit dem Angebot sogar einen Gefallen, denn die alten Policen enthielten zum Beispiel keinen Schutz gegen Naturgefahren wie Überschwemmungen. Zu der verständlichen und umfassenden Kundenberatung, für die Ergo sich einsetze, gehöre auch, Kunden auf einen unzureichenden Deckungsumfang hinzuweisen, so die Sprecherin.