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130.000 neue Mietwohnungen pro Jahr nötig:Verbände beklagen Wohnungsmangel in Deutschland

Düstere Aussichten für Mieter: In Deutschland gibt es schon jetzt zu wenig Wohnraum, bis 2017 könnten bis zu 400.000 Mietwohnungen fehlen, fürchtet die deutsche Bauwirtschaft. Schuld ist der Bund: Er hat mit dem Subventionsabbau für sozialen Wohnraum die Krise selbst verursacht.

Die deutsche Bau- und Wohnungswirtschaft schlägt Alarm. In Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten werde der Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen immer größer, beklagten Verbände des Baugewerbes und der Immobilienunternehmen sowie der Mieterbund und die Gewerkschaft IG BAU am Donnerstag in Berlin. Schon jetzt fehlten bundesweit angeblich mehr als 100.000 Mietwohnungen, bei gleichbleibender Zahl von Neubauten könnte der Bedarf in fünf Jahren auf etwa 400.000 Wohnungen steigen.

Die Bau- und Immobilienbranche stützt sich bei ihrem Warnruf auf die Befunde zweier Studien, die sie beim Pestel Institut in Hannover und der Bochumer Immobilien-Hochschule EBZ Business School in Auftrag geben hatten. In der Pestel-Studie heißt es: "Insgesamt ist beim Mietwohnungsbau nahezu eine Verdoppelung der Bauleistung auf rund 130.000 Wohnungen pro Jahr erforderlich." Knapp ein Drittel der Neubauten müssten in den zehn größten Städten Deutschlands entstehen. Aber: "Auch Schrumpfungsregionen brauchen Neubauten, um die Qualität des Wohnens zu erhalten."

Zwar gebe es derzeit angesichts der Finanzkrise eine Flucht in Sachwerte, sagte der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), Hans-Georg Leuck. "Betongold ist wieder gefragt. Aber es wird noch immer zu wenig gebaut." Im vergangenen Jahr seien 178.000 neue Wohnungen fertiggestellt worden, davon etwa 70.000 Mietwohnungen. Benötigt werden laut Studien aber 300.000 neue Wohneinheiten jährlich, davon 140.000 für Mieter.

Für den Wohnungsmangel hat die Bauwirtschaft einen Schuldigen ausgemacht: Den Bund. Seit 1996 sei die Wohnungsbauförderung schrittweise zurückgegangen. In diesem Jahr gebe der Bund nur noch 1,1 Milliarden Euro für den Wohnungsbau aus - 0,4 Prozent des gesamten Haushalts. Um die Wohnungsnot zu lindern, forderten Verbandsvertreter die steuerliche Abschreibung von Mietwohnungen von derzeit zwei Prozent jährlich auf vier Prozent anzuheben. Dadurch könne sich die soziale Wohnraumförderung für Investoren wieder lohnen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass allenfalls Wohnungen im oberen Preissegment gebaut würden. "In den letzten Jahren hat Reich für Reich gebaut", sagte der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten.

© Süddeutsche.de/gie/dapd/dpa/luk/holz
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