Zu viele gelöschte Nachrichten:Kanadische Beamte sollen auf Blackberry Messenger verzichten

Hört auf, Kurznachrichten zu löschen! Kanadas oberste Informationswächterin will, dass Beamte ihren Blackberry Messenger abschalten. Der sei nicht geeignet, Daten so zu speichern, wie es das Informationsfreiheits-Gesetz vorschreibt. Dabei ist die Regierung Großkunde der ehemaligen Vorzeigefirma des Landes.

Mitarbeiter in kanadischen Behörden sollen darauf verzichten, den Kurznachrichtendienst vom Smartphone-Hersteller Blackberry zu benutzen. Diese Empfehlung kommt von Suzanne Legault, der Informations-Beauftragten (Information Commissioner) des Landes. In einem ausführlichen Bericht schreibt Legault, dass die Art, wie der Messenger genutzt werde, illegal sei. Viele der Nachrichten, die sich die Behörden und ihre Mitarbeiter hin- und herschicken, müssten in aller Öffentlichkeit kommuniziert werden, so Legault.

In kanadischen Behörden sind insgesamt 98.000 Blackberrys im Umlauf.

Der Job des Informations-Beauftragten existiert seit 1983 und ist an das "Access to Information Act" gebunden, das kanadische Informationsfreiheits-Gesetz. Dieses Gesetz sieht vor, dass sämtliche (any documentary material, regardless of medium or form) Dokumente gespeichert werden.

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik von Legault an. Neun von elf Behörden würden die Kommunikation, die im Blackberry Messenger stattfindet, nicht extern speichern. Das geschehe nur auf dem jeweiligen Gerät. Nachrichten würden regelmäßig nach 30 Tagen gelöscht, wodurch ein Nachverfolgen nicht mehr möglich sei.

Legault kommt zu einem klaren Ergebnis: "Das Instant Messaging stellt für das (Einhalten des) Informationsfreiheits-Gesetzes ein unakzeptables Risiko dar." Es sei ihrer Meinung nach abzuschaffen.

Der kanadische Politiker Tony Clement antwortete in einer Stellungnahme mit den Worten: "Das ist Nonsense." Clement zufolge sei die geltende Regelung bereits ausreichend. Die Mitarbeiter müssen bereits behördliche Kommunikation speichern. Viele der Mitarbeiter seien aber auch Elternteile und würden mit ihren Kindern kommunizieren. Es sei nicht notwendig, diese Kommunikation zentral zu speichern, sagte Clement.

Der Vorschlag hat keine bindende Wirkung. Er wurde aber gemacht, weil die alltägliche Erfahrung sei, dass ein Großteil der angeforderten Informationen nicht geliefert werden könne - da sie nicht existieren.

© Süddeutsche.de/hatr
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