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Videoplattform:Familien-Vlogger beäugen Änderungen skeptisch

Die Erwachsenenklausel trägt der Tatsache Rechnung, dass "Familien-Vlogging" sich als erfolgreiches Genre etabliert hat. Eltern stellen dabei in der Regel inszenierte Videos aus dem Familienleben online und schaffen es in einigen Fällen, gemeinsam mit dem Nachwuchs zu Influencern zu werden und Partnerverträge mit Youtube abzuschließen.

Diese Content-Produzenten sehen Kommentare und Empfelungen in der Kategorie "Nächstes Video" als Möglichkeit zur Reichweiten- und damit Werbeeinnahmensteigerung - entsprechend kritisch beäugt diese Gruppe mögliche Einschränkungen der Funktionen.

Genau wegen dieser Produzenten folge man nicht dem Wunsch, das Empfehlungssystem für Kindervideos komplett auszuschalten, so Youtube zur New York Times. Die Technologie zur Identifizierung würde allerdings existieren.

Ein anderer Faktor ist das fehlende Bewusstsein bei Nutzern: Eltern, die Videos ihrer Kinder für Verwandte oder Bekannte oder ohne feste Zielgruppe hochladen, aber das Video nicht als privat markieren, also nur per Direktlink aufrufbar machen.

Hemmungslos optimiert

Kritiker heben jedoch hervor, dass Youtube seinen Algorithmus lange völlig hemmungslos auf drei Ziele ausgerichtet hat: höchstmögliche Video-Aufrufzahlen, maximale Verweildauer und möglichst viele Interaktionen wie Likes und Kommentare. Die Nebenwirkungen sind bekannt.

In einem Bloomberg-Artikel vom April meldeten sich dazu mehrere Ex-Mitarbeiter zu Wort. Demnach sei der Strudel, der Nutzer geräuschlos in dunkle Gefilde führt, intern früh und mehrmals angesprochen worden. Youtube-Chefin Susan Wojcicki und das Management hätten das Thema aber abmoderiert, um das Wachstum nicht zu gefährden. Die Firma bestreitet dies.

Während Facebook inzwischen deutlich aktiver die Probleme angehe, verhalte sich Google eher reaktiv, merkte jüngst Chris Stokel-Walker an, der ein Buch über die Plattform geschrieben hat. "Sie nehmen jeden Skandal, wie er kommt, und versuchen die Sachen zu reparieren, wenn sie passieren."

© SZ.de/mri/swi
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