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Videospielindustrie im Wandel:Internetriesen drängen auf den Markt

Oder das Berliner Start-up Wooga. Dort arbeiten derzeit 100 von 200 Mitarbeitern an der Entwicklung mobiler Spiele. Groß geworden ist das Unternehmen durch Online-Games in sozialen Netzwerken - insbesondere bei Facebook. Herkömmliche Spiele für den Handel hat das Wooga nie angeboten.

Visitors play ''World of Warcraft'' at an exhibition stand during the Gamescom 2011 fair in Cologne

Noch immer stehen auf Messen wie der Gamescom die großen Titel im Mittelpunkt. Aber Casual Gaming wird auch finanziell wichtiger.

(Foto: REUTERS)

Ungemach droht den Spieleherstellern, aber nicht nur von jungen Unternehmen. Auch etablierte Internetkonzerne wie Amazon drängen auf den Markt. Am Mittwoch präsentierte der Online-Versandhändler sein erstes eigenes Facebook-Spiel. Weitere sollen folgen. Auch Facebook selbst hat das Geschäftsfeld für sich entdeckt. In Großbritannien können die Nutzer neuerdings auf Facebook Bingo spielen und dabei echtes Geld einsetzen.

Was früher als CD oder DVD über den Ladentisch ging, das wird heute übers Netz heruntergeladen oder gestreamt. In Deutschland geht der Bundesverband Interaktive Unterhaltungsindustrie (BIU) allein in diesem Jahr von einem Wachstum um die 45 Prozent bei Downloads und Streaming aus. Steam, das populärste, digitale Spielegeschäft hat inzwischen mehr als 35 Millionen Kunden. Einsichten, wie sie in der Musik- und Filmindustrie noch immer rar sind, setzen sich unter den Computerspieleherstellern schneller durch: Kunden, die Unterhaltungsgüter digital konsumieren, wollen umworben und nicht mit überteuerten Angeboten abgeschreckt werden. Dann zahlen sie auch weiterhin, zumindest die Stammkunden.

Umsatz der Branche ist rückläufig

Die wahre Herausforderung der Branche aber sind Kunden, für die Videospiele kein liebevoll gepflegtes Hobby, sondern ein belangloser Zeitvertreib sind. Casual Gamer verlagern ihr Spielerlebnis zunehmend auf Smartphones, Tablet-Computer und in soziale Netzwerke. Plattformen, auf denen die Kunden zwar bereit sind zu zahlen - aber eben eher 1,99 Euro statt 49,99 Euro. Das drückt den gesamten Umsatz der Branche. Für 2012 rechnet der BIU mit einem Rückgang im unteren einstelligen Prozentbereich. Activision Blizzard, EA, Nintendo, Sony, Sega - kaum jemand, der nicht mit Einbußen im Spielegeschäft kämpft.

Um der neuen Konkurrenz zuzusetzen, geht EA jetzt in die Offensiv: Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen angekündigt, es jetzt auch vor Gericht krachen zu lassen. Der Online-Spiele-Anbieter Zynga habe bei einem EA-Spiel abgekupfert, lautet der Vorwurf. Zynga konterte rasch: "Auffällige Ähnlichkeiten" habe man auch entdeckt. Vielmehr sei es aber so, dass EA bei Zynga kopiert habe - und nicht umgekehrt. Es könnte ein langer Kampf werden. Und es könnte noch viel Krach geben.