Umstrittener CSU-Innenpolitiker Anonymous kapert Uhls Website

Am Vortag hatte der CSU-Bundestagsabgeordnete noch geklagt: "Die Computer der Kriminellen werden immer ausgetüftelter, immer raffinierter!" Prompt hat das Hacker-Kollektiv Anonymous kurzzeitig die Kontrolle über die Homepage von Hans-Peter Uhl übernommen.

Mit seinem Auftritt im Bundestag am Mittwoch hat sich der Hans-Peter Uhl keine Freunde gemacht. In der Aktuellen Stunde zum Staatstrojaner machte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion mit denkwürdigen Aussagen auf sich aufmerksam.

Homepage des CSU-Politikers Hans-Peter Uhl: "Die Computer der Kriminellen werden immer ausgetüftelter, immer raffinierter!"

(Foto: dapd)

Harte Kritik am Chaos Computer Club, gepaart mit Sätzen wie "Die Computer der Kriminellen werden immer ausgetüftelter, immer raffinierter!" riefen bei vielen Netzaktivisten und Twitter-Nutzern Kopfschütteln hervor.

Die Aussage "Es wäre schlimm, wenn unser Land am Schluss regiert werden würde von Piraten und Chaoten aus dem Computerclub. Es wird regiert von Sicherheitsbeamten, die dem Recht und dem Gesetz verpflichtet wird" wurde von wohlwollenden Zeitgenossen als Freud'scher Versprecher interpretiert, andere sahen darin ein klares Bekenntnis zum Überwachungsstaat - und ein deutliches Signal für Uhls Inkompetenz.

Offenbar hat auch das lose Hacker-Kollektiv Anonymous die Äußerungen registriert: Wer am Donnerstag die offizielle Homepage des CSU-Politikers besuchen wollte, fand zwischenzeitlich eine Botschaft mit dem Logo der Gruppe. Die lautete, wohlbekannt: "Die Computer der Kriminellen werden immer ausgetüftelter". Neben dem Anonymous-Motto "We Are Legion" und den Daten der Seite war auch noch ein YouTube-Video mit der Uhl-Rede zu finden.

"Im Internet geboren"

In der Diskussion um den Einsatz möglicherweise grundgesetzwidriger Software zur Überwachung von Skype und E-Mail-Verkehr hatte Uhl den Einsatz des sogenannten Staatstrojaners verteidigt. Bereits zuvor hatte er die Abschaffung der Anonymität im Netz gefordert und darauf hingewiesen, die Idee zur Ermordung 77 Menschen im Juli durch den Norweger Anders Breivik sei "im Internet geboren" worden.

Derzeit ist Uhls Seite noch nicht wieder zurück, aus dem Büro des CSU-Politiker hieß es allerdings auf Anfrage, man erwarte, dass die Homepage im Laufe des Nachmittags wiederhergestellt werde. Eine Stellungnahme wolle Uhl nicht abgeben, da er die Angelegenheit "gelassen" sehe.