Umstrittene Konto-Blockierung Warum Start-ups über Paypal jammern

Winchell hätte sich den Ärger sicher gern erspart. In anderen Fällen geht es aber sogar um die unternehmerische Existenz. Das Problem: Sobald ein Konto auffällig wird (zum Beispiel durch ungewöhnlich hohe Überweisungen), friert Paypal es für bis zu 180 Tage ein, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Was ein wichtiger Prozess beim Schutz vor Betrügern sein soll, scheint sich immer wieder unnötig in die Länge zu ziehen. Die Kunden beschweren sich, dass Paypal auch nach der Zusendung aller nötigen Unterlagen, die die Legalität der Vorgänge beweisen, nicht reagiere.

So beklagten sich die Macher des sozialen Netzwerks Diaspora im September in ihrem Blog: "Wir hatten 45.000 Dollar in nur wenigen Tagen gesammelt, und dann fror Paypal unser Konto ein. Obwohl wir uns mehrfach gerechtfertigt und ihnen auch unsere Gründungsurkunde zugeschickt haben, geben sie uns immer noch keine Erklärung für irgendeinen ihrer Schritte."

Auch der Fall von Diaspora trat eine Protestwelle unter Internet-Nutzern los - mit einem ähnlichen Ergebnis wie bei April Winchell: Paypal gab das Konto wieder frei und entschuldigte sich.

Doch die Liste unzufriedener Kunden wächst: Im Herbst dieses Jahres berichtete der Independent über den Fall der Britin Shelly Michaels; sie betreibt einen Ebay-Shop und ihr Konto wurde nach außergewöhnlich hohen Transaktionen gesperrt. Michaels sah sich der 180-Tage-Frist gegenüber, ging vor Gericht - und gewann. Sie sagt: "Meine Sorge ist, dass Paypals Vorgehen, willkürlich Kundenkonten einzufrieren, Unternehmen oder unschuldige Privatpersonen in den Ruin treiben könnte."

Deutsche Konten können sogar länger gesperrt werden

Auch in den deutschen Paypal-Nutzungsbedingungen wird eine Reihe "Verbotener Aktivitäten" genannt, unter anderem das "Empfangen oder Senden von Zahlungen, bei denen die berechtigte Annahme besteht, dass das Geld aus betrügerischen oder sonstigen verbotenen Aktivitäten stammt." Die 180-Tage-Regel wird hier allerdings anders ausgelegt: Paypal kann deutsche Konten sogar "für mehr als 180 Tage" sperren.

Paypal ist eine Tochtergesellschaft von Ebay und hat nach eigenen Angaben weltweit 210 Millionen registrierte Kunden, davon 15 Millionen in Deutschland. Das Unternehmen sagte sueddeutsche.de, dass es zur Wahrung des Bankengeheimnisses verpflichtet sei und deshalb die einzelnen Fälle nicht kommentieren können.

In der Vergangenheit kritisierten Unternehmer die Firma, weil sie das US-Embargo gegen Kuba auch bei deutschen Händlern gelten ließ. Im Dezember 2010 gab es massiven Gegenwind, als die Firma Spenden an Wikileaks stoppte - die Proteste wurden so stark, dass Paypal die Konten später wieder freigab. Auch der Mutterkonzern Ebay machte negative Schlagzeilen: Das Auktionshaus zwingt seine Nutzer, Paypal als Bezahlverfahren anzubieten.