Technische Tricks Wie die Hersteller tricksen

Es gibt mehrere technische Komponenten an modernen Druckern, die Kunden, die nicht die Original-Patronen nutzen, ärgern, aus Sicht der Druckerhersteller aber sinnvoll sind. Seit einigen Jahren bauen viele Hersteller beispielsweise Chips auf ihre Patronen. Die dienen dazu, die Seiten zu zählen und den Tintenfüllstand zu kontrollieren. Damit könnten die Kunden vorzeitig auf leere Patronen hingewiesen und Defekte vermieden werden, sagen die Sprecher der Hersteller.

Faktisch heißt das aber: Manche Patronen funktionieren nachgefüllt nicht, weil der Chip sie als leer meldet. Patronen von Alternativanbietern werden nur erkannt, wenn man ein paar Tricks kennt: Das Menü des Druckers umstellen, irgendwelche Sensoren mit Klebeband abdecken, den versteckten Resetknopf drücken. Auf Youtube gibt es Hunderte Videos, die das Prozedere bei verschiedenen Druckern erklären.

Was viele Kunden besonders erzürnt: Offenbar messen die Sensoren vieler Hersteller nicht, wie viel Tinte schon verbraucht wurde, sondern wie viele Seiten - also auch leere Seiten - schon gedruckt wurden. Folge: Der Drucker fordert "Patrone auswechseln", obwohl diese noch voll ist. Die Sendung "Kassensturz" im Schweizer Fernsehen ließ im Januar angeblich leere Patronen testen. Vier Milliliter Tinte konnte ein Fachmann noch absaugen, ein Drittel der ursprünglichen Füllmenge. Eine kürzlich im Auftrag der Grünen erstellte Studie berichtet von einem ähnlichen Fall: 50.000 Seiten hätten nach Zurückstellen des Zählers einer Tonerkartusche noch bedruckt werden können. Schon möglich, heißt es von den Druckerherstellern. Aber es kommt nicht nur auf die Tintenmenge an, sondern auch auf den Zustand anderer Verschleißteile.

Ist das nicht Abzocke?

Doch die Studie im Auftrag der Grünen geht noch weiter. "In Druckern werden auf verschiedene Weisen Zähler eingebaut, um so frühzeitig Neukäufe auszulösen", behauptet Autor Stefan Schridde. Geplante Obsoleszenz, nennen die Fachleute das: Hersteller bauen absichtlich Verschleißteile in ihre Geräte ein, die nach einer gewissen Zeit kaputt gehen - am besten kurz nach dem Ablauf der Garantiezeit. Von einem solchem Fall berichtete auch ein Kunde dem Schweizer Fernsehen. Sein Drucker zeigte kurz nach Ablauf der Garantiezeit die Fehlermeldung: Wartung erforderlich, die Lebensdauer einiger Teile ist abgelaufen. Als er sich aber an die Hotline wandte, sagte der Hersteller, für sein Modell gebe es keine Wartung mehr. Der Drucker blieb funktionsuntüchtig.

Die Warnungen dienten "nicht dazu, die Lebenszeit eines Druckers zu verkürzen sondern, ganz im Gegenteil, einen unnötigen Defekt zu verhindern und somit die Lebenszeit zu verlängern", reagiert Brother auf die Vorwürfe. Es könne beispielsweise zur Abnutzung verschiedener Zahnräder kommen, die weitere Defekte auslösen. Und Canon erklärt: Ein Tintenstrahldrucker müsse - gerade wenn er selten benutzt wird - regelmäßig die Druckköpfe durchspülen, damit diese nicht eintrocknen. Das geschieht mit Tinte, die unten im Drucker von einem Schwamm oder in einem Tank aufgenommen wird. Dieses Resttintenreservoir sei irgendwann voll und müsse ausgewechselt werden, daher die Fehlermeldung. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Tank überlaufe und die Wohnung des Kunden beschädige.

Aber stimmt das? Der britische Blogger und Techniktüftler Mike Gurman schraubte seinen Drucker nach einer ähnlichen Fehlermeldung auseinander. Sein Fazit: Der Auffangschwamm war nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. Zudem war rund ein Viertel bis die Hälfte der jemals eingesetzten teuren Tinte in dem Reservoir gelandet. Muss das sein? Ist das nicht Abzocke?

"Weisen Sie den Konzernen mal nach, dass diese Angaben nicht stimmen. Unmöglich!"

"Das kann passieren, wenn ein Drucker sehr selten benutzt wird", sagt ein unabhängiger Techniker, der lieber anonym bleiben möchte. "Dann braucht der Drucker überdurchschnittlich viel Tinte zum Reinigen der Druckköpfe." Dass die Konzerne den Einsatz anderer Tinten mit technischen Finessen erschweren, hält er für plausibel. Die Hersteller reagieren unterschiedlich: Brother räumt das unumwunden ein. Canon bestreitet es, HP äußert sich nicht. Aber auch die Erklärungen der Hersteller, warum es die Zähl-Chips, Warnmeldungen und komplizierten Patronen gibt, seien plausibel, sagt der Techniker. "Weisen Sie den Konzernen mal nach, dass diese Angaben nicht stimmen. Unmöglich!"

Die eingebaute Obsoleszenz, die halte er allerdings für Quatsch, sagt der Techniker. Und Brother-Sprecher Theo Reinerth sagt: "Mit der Tinte kann man nur Geld verdienen, so lange das Gerät funktioniert. Wenn das Gerät zu früh kaputt ginge, würde der Kunde die Marke wechseln und das Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren."

Lieber betonen die Hersteller, dass Zuverlässigkeit und Langlebigkeit die wesentlichen Voraussetzungen für die Kundenzufriedenheit seien. Und diese Tricks? Da haben sie ganz andere Strategien für die derzeitige Krise: HP steigt aus dem Geschäft mit den Billigdruckern aus. Kodak und Lexmark wollen künftig gar keine Tintenstrahler mehr bauen. Epson sieht ohnehin keine Krise und geht davon aus, dass der Markt wächst, weil sich Tintenstrahler auch im Büroalltag durchsetzen.

Und Hasan Özer? "Ich gehe zurück in die Türkei", sagt er. "Drucker sind ein Geschäft von gestern."