Tauschbörsen im Internet Biete Hammer, suche Fahrrad!

Einmal gekauft, zweimal benutzt, immer im Weg: Viele Dinge stehen ungenutzt im eigenen Haushalt herum, während ein anderer sie dringend bräuchte. Über Internetbörsen können Alltagsgegenstände schnell ver- und geliehen werden. Sogar Autos und Wohnungen.

Von Varinia Bernau

Philipp Rogge brauchte ein Fahrrad. Und in dem Münchner Hinterhof standen Tausende. Das Problem war nur: Er war neu in der Stadt und kannte niemanden in dem Mietshaus. Und hätte er wirklich alle Wohnungen abklappern sollen, um zu fragen, wer ihm ein Rad leihen würde?

Bei frents.com können Nutzer Alltagsgegenstände aus- und verleihen.

(Foto: Screenshot frents.com)

Rogge, der damals noch Wirtschaft studierte, aber bereits nach Ideen für ein eigenes Unternehmen suchte, dachte sich: Über eine Plattform im Internet wäre es ein leichtes, jetzt an ein Fahrrad zu kommen. Inzwischen wohnt der 31-Jährige in Berlin und betreibt mit zwölf anderen von einem Büro in Prenzlauer Berg aus genau diese Plattform.

Frents heißt sie, eine Kombination aus friends und rent - Freunde und Miete. 13 000 Leute haben sich dort angemeldet, um die unterschiedlichsten Dinge des Alltags miteinander zu teilen. Auch Rogge borgt sich dort ab und an etwas, meist ein Werkzeug, weil er auch in dieser Stadt noch nicht lange ist.

Philipp Rogge ist das, was Soziologen als digital native bezeichnen würden: Er ist mit dem Internet aufgewachsen, Teil jener Generation, für die Technik kein Teufelswerk ist, sondern ein Helfer in allen Lebenslagen ist. Die sich nicht an Orte binden will, wo es Laptop und Internetanschluss doch ermöglichen, alles dort zu erledigen, wo es gerade passt.

Und die sich, so scheint es, auch nicht mehr an Bücher, Konsole und Sportausrüstung binden will. Warum also besitzen, wenn sie es auch ausleihen können?

Sogar die Wohnung lässt sich teilen

Der Firmengründer ist nicht allein. 50 000 Dinge stehen auf seinem Portal herum: Bücher reihen sich in ein virtuelles Regal, Kleidung hängt auf digitalen Bügeln. Und im Netz entstehen ständig neue Plattformen, die der von Rogge ähneln: Auf Tamyca.de etwa kann jeder sein Auto vermieten, wenn er es gerade nicht braucht. Den Preis bestimmt er selbst, das Portal berechnet zusätzlich pro Tag und Fahrer 7,50 Euro Gebühr - inklusive Versicherung.

Und selbst die Wohnung lässt sich inzwischen übers Netz teilen. "Wir befreien die Menschen von der Last des Besitzes", verspricht Brian Chesky, der mit Airbnb.com eine der größten Tauschbörsen für Wohnraum gegründet hat. Der Name steht für Airbed & Breakfast - Luftmatratze und Frühstück. Im vergangenen Jahr hat Chesky, 29, sein Apartment aufgegeben und sich sechs Monate lang via Airbnb dort eingemietet, wo gerade Platz war.

Konsum im Kollektiv, das klingt nach Sozialismus - und ist doch das genaue Gegenteil: Jeder kann über die Tauschbörsen zum Unternehmer werden. Leute um die 30 sind es, die sich auf seiner Plattform tummeln, sagt Rogge. "Die wollen günstig an etwas kommen. Und sie wollen mit den Sachen, die bei ihnen ohnehin nur rumstehen, noch ein bisschen Geld verdienen."