Steve Jobs' Biographie erscheint in den USA Genie mit dunklen Seiten

In den USA steht jetzt die einzige autorisierte Biographie über Steve Jobs in den Buchläden. Viele Kritiker hatten unkritische Lobhudelei befürchtet - doch das Buch geht nicht immer freundlich mit dem Mann um, der die digitale Welt revolutionierte.

Von Thorsten Riedl

Als Steve Jobs am 5. Oktober starb, trauerte die Welt in Superlativen. Er sei "einer der Gründer unserer Industrie und ein wahrer Visionär gewesen", klagte Steve Ballmer, Chef von Microsoft. US-Präsident Barack Obama erklärte, der Mitgründer von Apple habe die Art und Weise verändert, "wie jeder von uns die Welt sieht". Und selbst die Chefs der Rivalen beklagten den Tod eines "großartigen Menschen", wie es Larry Page von Google formulierte.

Steve-Jobs-Biographie in einem amerikanischen Buchladen: Das Werk ist bereits aufgrund der Vorbestellungen an die Spitze der Bestsellerliste gerückt.

(Foto: Bloomberg)

Nun, keine drei Wochen später, erscheint die Biographie von Jobs. Seit Montag ist die englische Fassung erhältlich, am Donnerstag kommt auf 704 Seiten bei Bertelsmann die deutsche.

Es ist das einzige Werk, das Steve Jobs autorisiert hat. Und trotz der Glorifizierung zu Lebzeiten und zum Tode: Dem Biographen Walter Isaacson ist ein differenziertes Bild jenes Mannes gelungen, der früh im Rampenlicht stand. "Ich habe viele Dinge gemacht, auf die ich nicht stolz bin", sagte Jobs in einem seiner 40 Gespräche mit Isaacson. "Aber ich habe keine Leichen im Keller." Und das sind die erstaunlichsten Attribute des Apple-Chefs.

Dickköpfig: Er schrie

Jobs wusste, was er wollte - und duldete keinen Widerspruch. Schon früh setzte er sich gegen seine Adoptiveltern durch. Clara und Paul Jobs hatten wenig Geld, wollten den Sohn aber auf ein College schicken. Steve wählte eines der teuersten. "Falls er nicht zum Reed College durfte, würde er nirgendwo hingehen", so schreibt Isaacson.

Steve setzte sich durch - und bereute seine Hartherzigkeit. "Ich habe ihre Gefühle verletzt." Doch im Verlauf des Buchs wird immer wieder klar, dass der Despot keine anderen Stimmen duldet, beispielsweise als Kompagnon Steve Wozniak 1977 den Vollzeit-Job bei Hewlett-Packard nicht für die neu gegründete Firma Apple aufgeben will. Jobs habe "Woz" umschmeichelt, geschrien, gedroht - sogar geweint. Solange, bis er seinen Willen bekam.

Ungepflegt: Er roch

Nach dem Börsengang von Apple war Jobs im Alter von nur 25 Jahren Millionär. Das hielt ihn nicht davon ab, barfuß, mit langen Haaren und ungewaschen in die Firma zu kommen. Das begann früh in einer Zeit mit "Vegetarismus und Zen Buddhismus, Meditation und Spiritualität, LSD und Rock", so beschreibt es Isaacson.

Jobs aß nur Früchte und wenig Gemüse. Das verhindere "schädlichen Schleim", meinte er. Und mache Waschen überflüssig. Sein Umfeld sah das anders. Als er einen Job bei der Computerspielefirma Atari antrat, überzeugten ihn Kollegen, die Nachtschicht zu übernehmen. Wegen des Geruchs. Arthur Rock, der erste Wagniskapitalgeber von Apple, erinnert sich, Jobs habe so ausgesehen, "als käme er gerade von seinem Guru in Indien - und so roch er auch".

Größenwahnsinnig: Er war Solist

Die normalen Regeln akzeptierte Jobs nicht. Als ihn ein Reporter bei Vorstellung des ersten Macintosh 1984 fragte, ob er zuvor Kunden befragt habe, lautete seine Antwort: "Hat Graham Bell Marktforschung betrieben, bevor er das Telefon erfunden hat?"

Nicht viel anders verlief es 20 Jahre später, als er das iPhone entwickeln ließ. Der Versuch, ein musikfähiges Telefon in Kooperation mit einem Handyhersteller zu bauen, war fehlgeschlagen. "Ich bin es leid, mich mit solchen albernen Unternehmen rumzuschlagen wie Motorola", sagte Jobs 2005: "Lasst es uns selbst machen."

Wieder verließ er ausgetretene Pfade - und zeigte zwei Jahre später "ein revolutionäres Produkt". Und wirklich hat das Apple-Handy die Branche verändert. Es ist der größte Umsatzträger des Unternehmens.

Hartherzig: Er leugnete die Tochter

Einen der Fehler, die Jobs bereut, ist der Umgang mit seiner nichtehelichen Tochter: Lisa Nicole Brennan. Mit der Mutter einigt er sich auf den Namen - und sei dann zurück zur Arbeit. "Er wollte nichts mit ihr oder mir zu tun haben", sagt Chris-Ann Brennan.

Jobs ließ einen der damals neuen DNS-Tests machen, der die Chance seiner Vaterschaft auf 94,41 Prozent berechnete. Was ihn nicht davon abhielt, zu behaupten, es gebe "eine große Wahrscheinlichkeit", dass er es nicht sei.

Seine andere Seite zeigt Isaacson auch, schildert die Liebe von Jobs zu seinen Kindern, vor allem zuletzt, als er von seiner unheilbaren Krebserkrankung erfuhr. Oder die Beziehung zu Joan Baez. "Er war beides: Romantisch - und ängstlich, es zu sein", erinnert sich die Sängerin.

Ambitioniert: Er dachte an Bestand

Keine Frage: Der Despot, der Rebell, der Gewissenlose und Gefühlsbeladene hat die IT-Industrie verändert wie kein anderer. Isaacson lässt dieses Leben Revue passieren, in vielen Details, manchmal zu vielen. Er zeigt Jobs in Nuancen, die bislang verborgen blieben. "Meine Leidenschaft war es, ein Unternehmen von Bestand aufzubauen", sagt der iGod in einem der letzten Gespräche mit dem Biographen. "Alles andere war nebensächlich."

Genau das spiegelt sein Leben wider.