bedeckt München 22°

Smartphone analysiert Tippgeräusche:iPhone für Hobbyschnüffler

Bewegungssensoren machen es möglich: Mit Hilfe des iPhone 4 können Hobby-Spione theoretisch erkennen, was ein Nutzer in seine Computer-Tastatur tippt. Allerdings gibt es eine einfache Möglichkeit, sich vor dem Lauschangriff zu schützen.

Moritz Pompl

Moderne Smartphones können Texte entschlüsseln, die an einem nahegelegenen Computer getippt werden. Das berichten Patrick Traynor und Henry Carter vom Georgia Institute of Technology.

Sie platzierten ein iPhone 4 neben einer gängigen Computertastatur und erfassten mit Hilfe der im Handy eingebauten Beschleunigungssensoren die Vibrationen der Tastatur beim Schreiben.

Das Handy registrierte dabei nicht einzelne Buchstaben, wohl aber Kombinationen von Anschlägen, für die jeweils die Position der Erschütterung auf der Tastatur (links - rechts) und die Entfernung zueinander erfasst wurde.

Diese Abfolgen wurden mit einem elektronischen Wörterbuch abgeglichen, das rund 58.000 Wörter enthielt. Bis zu 80 Prozent eines getippten Textes konnten die Computerwissenschaftler auf diese Weise korrekt entziffern. Am zuverlässigsten waren die Ergebnisse, wenn das Handy nicht weiter als 7,5 Zentimeter von der Tastatur entfernt lag und die Wörter mindestens aus drei Buchstaben bestanden.

Trojaner-Apps möglich

Die Beschleunigungssensoren eines Smartphones sollen primär erkennen, wie der Nutzer sein Telefon hält. Weil sie aber sehr sensibel sind, gibt es sogar Handy-Spiele, die über Bewegungen des Nutzers gesteuert werden.

Anders als bei Handykamera, Mikrofon oder GPS-Ortung fragen entsprechende Apps den Benutzer nicht, ob die Sensoren verwendet werden dürfen. So könnte sich eine Trojaner-App einschleichen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand auf diese Weise abgehört wird, ist derzeit gering", sagt Patrick Traynor, aber wenn es jemand ernsthaft versuche, sei es möglich.

Die Gefahr sei jedoch einfach zu vermeiden - indem man sein Handy ausreichend weit weg von der Tastatur ablegt.

© SZ vom 20.10.2011/joku

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite