"Shadow of the Colossus" im Test Schatten wie Speere

Die 16 Kolosse in "Shadow of the Colossus" sind riesig - teilweise mehr als hundert Meter groß.

(Foto: Sony Interactive Entertainment / PR)

Für das Remake von "Shadow of the Colossus" haben die Entwickler nur die Grafik von Grund auf erneuert. Das minimalistische Spielprinzip bleibt erhalten. Das ist großartig.

Spieletest von Caspar von Au

Mit einem Sprung krallt sich der Junge in das Bein des Riesen. Stück für Stück klettert er den Rücken empor, bis er auf den Schultern freihändig stehen kann. Er hebt das Schwert und rammt es dem Riesen in den Kopf.

16 Riesen - eigentlich Kolosse - gibt es in dem Action-Adventure "Shadow of the Colossus". Der Spieler steuert Wander, einen Jungen, der ein verstorbenes Mädchen von den Toten erwecken will. Dazu ist er auf seinem Pferd Agro zu einem Schrein in einem fernen Land gereist, die Leiche im Gepäck. Eine Stimme in dem Schrein verspricht Wander, das tote Mädchen wiederzubeleben, wenn er die 16 Kolosse vernichtet, die das Land bevölkern.

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Shadow of the Colossus ist das gleichnamige Remake eines viel gelobten Spiels des japanischen Entwicklers Fumito Ueda von 2006, der zuletzt das ebenfalls gefeierte "The Last Guardian" (2016) produziert hat. Ueda ist bekannt für seinen minimalistischen Stil, seine Spiele erzählen von mysteriösen Wesen, ohne dass eindeutig ist: Wer ist gut, wer böse? Das US-amerikanische Entwicklerstudio Bluepoint Games hat Shadow of the Colossus von Grund auf neu programmiert. Trotzdem hat sich bis auf die Grafik inhaltlich beinahe nichts verändert. Und das ist gut so.

Rodeo auf einem Koloss

Schon das Original wurde 2006 von vielen Kritikern als besonders und innovativ gelobt. Neben den 16 Kämpfen in vorgegebener Reihenfolge gibt es für den Spieler nichts zu tun. Keine Nebenaufgaben, keine schwachen Gegner, um im Level aufzusteigen oder Schatztruhen zu plündern. Wander besitzt zu Spielbeginn Schwert, Pfeil und Bogen und sein Pferd, damit muss er auskommen. An einigen wenigen Stellen findet der Spieler Eidechsen und Früchte, mit denen er Lebenspunkte und Ausdauer von Wander etwas verbessern kann.

Doch gerade durch diesen linearen Minimalismus wirkt die Handlung umso intensiver. Das Spielprinzip stellt einen angenehmen Kontrast zu modernen Open-World-Spielen dar, die auf die Sammelwut und virtuelle Selbstoptimierung der Spieler setzen.

Die Kämpfe mit den Kolossen sind mehr Rätsel als typische Videospielkämpfe. Die Kolosse sind riesig, einer sieht aus wie ein Pferd, ein anderer fliegt über einen See. Wander muss zuerst herausfinden, wie er an ihre verwundbaren Punkte herankommt, zum Beispiel am Kopf. Oben angelangt beginnt eine Art Rodeo-Ritt; Wander muss den Koloss mit gezielten Schwerthieben zu Fall bringen, ohne dabei den Halt zu verlieren. Denn die Kolosse drehen und winden sich, um ihren Widersacher abzuwerfen. Wander kann sich für einige Zeit in ihrem Fell festklammern, bis er die Kraft verliert, hinunterfällt und das Spielchen von vorne beginnt.

Wander steuert unweigerlich auf eine Tragödie zu

Zwischen den Kämpfen erwarten den Spieler vor allem lange Videosequenzen und Ritte durch die Steppen, Wälder und Wüsten. Über Schluchten spannen sich schmale Brücken, in der Tiefe peitscht Gischt an spitze Felsen. Andere Lebewesen gibt es nicht - bis auf einige Schmetterlinge, Glühwürmchen und Eidechsen. Die Welt der 16 Kolosse ist leer und wunderschön - mit der Playstation 4 Pro und einem geeigneten Fernseher sogar in 4K und HDR. In vielen Games hat sich ein Screenshot-Modus eingebürgert, mit dem Spieler (inklusive Zoom, Schärfenverlagerung und Filtern) die perfekte Aufnahme machen können sollen. In Shadow of the Colossus fügt sich diese Funktion besonders gut ein: Während der langen Ritte, bietet sich oftmals ein schöner Ausblick - also Agro zügeln, Filter einstellen, abdrücken.

Auf den langen Ritten von Koloss zu Koloss lohnt es sich, immer mal wieder anzuhalten und den schönen Ausblick zu genießen. Mit Hilfe der eingebauten Screenshot-Funktion lässt sich der Moment sogar festhalten.

(Foto: Sony Interactive Entertainment / Screenshot Caspar von Au)

Die Entwickler bleiben stets bei Uedas Vorlage, jedes Detail der Kolosse, jede Kameraeinstellung in den Videosequenzen stimmt mit dem Original überein. Die größte Abweichung, die sie sich erlaubt haben, betrifft die Steuerung. Die Tastenbelegung ist anders als in der ursprünglichen Version. Allerdings ist die Steuerung noch genauso ungelenk wie bei einem Playstation-2-Spiel. Das merkt man zum Beispiel, wenn Wander in den Sattel steigen soll und das nicht geht, weil er hauchdünn im falschen Winkel zu seinem Pferd steht.

Shadow of the Colossus ist eine tolle Hommage an Fumito Ueda, die dem Spieler genug Raum lässt, um über die Handlung zu reflektieren. Immer wenn Wander einen Koloss zur Strecke bringt, durchbohren Schatten wie Speere seinen Körper. Auch wer das Original von 2005 nicht gespielt hat, merkt bald: Er steuert in seinem Kampf gegen den Tod unweigerlich auf eine Tragödie zu.

"Shadow of the Colossus" ist am 7. Februar 2018 für Playstation 4 erschienen.

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