"rm -rf":Firmen-Löschung per Code-Zeile offenbar ein Hoax

Netzwerkkabel

Alle Daten seines Netzwerkes hat ein unvorsichtiger Geschäftsmann offenbar gelöscht - unwiederbringlich.

(Foto: dpa)
  • Weil er eine falschen Linux-Befehl eingegeben hat, soll ein Web-Hosting-Betreiber Daten von 1500 Kunden gelöscht haben.
  • Nun meldet sich der vermeintliche Unglücksrabe zu Wort und sagt: Alles nur ein Scherz.

Der Betreiber eines Web-Hosting-Dienstes soll mit einer einzigen falschen Eingabe an seinem Computer seine gesamte Firma gelöscht haben. Aus Versehen und unwiederbringlich. Das jedenfalls berichten die britischen Zeitungen Independent und Telegraph. Die italienische Zeitung La Repubblica hat nun jedoch die Geschichte offenbar als Hoax enttarnt.*

Doch von vorne: Die Geschichte machte Schlagzeilen, nachdem Firmeninhaber Marco Marsala nach einem vermeintlich gravierenden Fehler Hilfe in einem Forum namens Server Fault gesucht hatte. Die User der Plattform konnten dem Unglücklichen allerdings auch nicht mehr helfen: "Es tut mir leid, dass ich dir sagen muss", schrieb ein Forumsbesucher, "dass deine Firma nun im Wesentlichen tot ist."

Die Code-Zeile, die Marsala angeblich zum Verhängnis wurde, war der kurze Befehl "rm -rf", den er angeblich auf allen Servern ausgeführt hatte. Dieser Linux-Befehl löscht einfach alles in einem Verzeichnis: "rm" bedeutet entfernen ("remove"), "rf" leert alle Unterordner, entfernt deren Inhalt und blockt die üblichen Warnhinweise ab, bevor etwas endgültig gelöscht wird.** Wegen seiner Zerstörungskraft hat sich der "rm -rf"-Code zu einem Witz in Computer-Fachkreisen entwickelt.

In dem Forumsbeitrag hatte Marsala geklagt, auch die von ihm angelegten Sicherheitskopien seien ausradiert worden. Die Daten von 1500 Kunden seiner Firma seien dem zum Opfer gefallen.

Allerdings hat der Forenbetreiber inzwischen ein fettes "Hoax" über den Eintrag gesetzt. Die La Repubblica hat mit Marsala gesprochen und zitiert ihn mit den Worten, er habe sich nur einen Scherz erlaubt. Die Geschichte sei Guerilla-Marketing für ein Buch über Unix-Befehle, das er zu schreiben gedenke.

Nicht der erste, der den Selbstzerstörungsknopf gedrückt hat

Marsala hatte auch angegeben, keine zugänglichen Back-ups zu besitzen - was für einen Web-Hoster sehr ungewöhnlich wäre. Ein User hatte trocken geantwortet: "Nun ja, du hättest dir Gedanken machen müssen, wie du die Daten deiner Kunden schützen kannst, bevor du sie vernichtest."

Ein anderer soll ihm geraten haben: "Dein Geschäft geht gerade zugrunde. Du brauchst keinen technischen Rat. Du solltest deinen Anwalt anrufen."

Vor etwa zwei Jahren hatte schon einmal jemand aus Versehen den "Selbstzerstörungsknopf" gedrückt. Seine Geschichte trägt den unschuldigen Titel "Monday morning mistake" steht allerdings weiterhin ohne den Zusatz "Hoax" im Forum.

*Anmerkung der Redaktion: Wir haben den ursprünglichen Artikel ergänzt, nachdem sich der Unternehmer Marsala in La Repubblica zu Wort gemeldet haben soll.

**Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Passage rund um den Befehl "-rf" überarbeitet, nachdem uns Leser auf ungenaue Formulierungen hingewiesen hatten.

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