Qosmos Frankreich ermittelt gegen IT-Firma wegen Folter in Syrien

Szene aus dem Krieg in Syrien, 2012

(Foto: REUTERS)

Half die Software, Oppositionelle aufzuspüren? In Frankreich laufen nun Ermittlungen gegen das Unternehmen Qosmos. Es verkauft die gefürchtete Deep-Packet-Inspection-Technik.

Wer ist gegen Baschar al-Assad? Der syrische Geheimdienst durchforstet das Internet nach Oppositionellen. Dabei könnte ihm Software der Firma Qosmos aus Frankreich geholfen haben. Diesen Vorwurf erheben zumindest Menschenrechtsorganisationen, die das IT-Unternehmen verklagt haben. Nun hat die französische Justiz offizielle Ermittlungen wegen Mitschuld an Folter in Syrien eingeleitet, teilen die Aktivistengruppen FIDH und LDH mit.

Qosmos ist spezialisiert auf Deep Packet Inspection. Mit der Technik können Datenströme intensiv überwacht werden - als würde die gesamte Kommunikation in Echtzeit durch ein Röntgengerät geschickt.

Schon 2012 hatte die Firma dementiert, direkt an die syrische Regierung geliefert zu haben. Qosmos erklärte, an die deutsche Firma Utimaco geliefert zu haben. Diese habe wiederum mit dem italienischen Anbieter Area kooperiert. Von dort sei die Software nach Syrien gelangt. Nach Angaben von Qosmos hat sich das Unternehmen bereits 2011 aus dem Projekt zurückgezogen. Zu diesem Zeitpunkt habe sich die Software noch im Aufbau befunden und sei noch nicht voll einsetzbar gewesen. In einer aktuellen Antwort an französische Medien bleibt Qosmos bei der Position, nicht an Syrien geliefert zu haben.

Der Export von Überwachungstechnologie wird in Europa kaum reguliert. Auch hierzulande stehen Unternehmen immer wieder in der Kritik, weil sie an Diktatoren liefern sollen. Mitarbeiter der deutschen Firmen Trovicor, Utimaco, Elaman und Gamma reisen regelmäßig in autoritäre Staaten, zeigen Informationen von Wikileaks. Gamma steht im Fokus, weil die Firma ein Trojanerprogramm an Bahrain verkauft haben soll, das damit Regierungskritiker angegriffen hat (mehr dazu hier in diesem Firmenporträt von Gamma).

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