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Nokia-Handys für Schwellenländer:Große Bedeutung für Nokia

Die Schwellenländer sind für Nokia von immenser Bedeutung, denn dort hat das Unternehmen einen guten Stand und kann noch wachsen", sagt Cozza. Dafür, dass das Management also tatsächlich die nächste Milliarde Menschen ans Netz bringen kann, wie es gern vollmundig verspricht, schaffen Gruber und seine Kollegen in Ulm die Grundlagen.

Zum Beispiel der junge, schmale Mann in dem Tonstudio, der per Knopfdruck eine Straßenkreuzung in Delhi simulieren kann. Die grünen Balken auf dem Bildschirm schlagen weit aus, lautes Gebrabbel und Gehupe dringt aus dem Lautsprecher, vor dem eine Puppe steht, ein Handy ans Ohr geklemmt. Auch Bollywood-Hits hat der Tontechniker parat. Und immer wieder kippt er das Handy etwas an, misst erneut, denn es gibt eben nicht nur eine Art, einen Telefonhörer ans Ohr zu halten. So will er testen, ob das Gespräch gut ankommt.

"Schweiß ist nicht gleich Schweiß"

Unzählige Erfahrungen, wie Gruber sie während seiner Reisen macht, aber auch wie sie ihm seine dortigen Kollegen berichten, versucht er einzubinden in seine Entwicklungen. Vor der hohen Luftfeuchtigkeit in Delhi soll eine spezielle Nanobeschichtung die Akkus schützen. Es gibt in den Laboren auch eine rotierende Maschine mit fünf abgeschnittenen Jeansbeinen, in denen Handys eingenäht sind.

Schließlich sollen die in manchen Regionen besonders beliebten weißen Geräte so beschichtet sein, dass sich keine blauen Flecken darauf bilden. Ein paar Schritte weiter tippt ein mit künstlichem Schweiß bespritzter Baumwollstreifen im Sekundentakt auf das Logo des Handys. Auch das soll möglichst lange erhalten bleiben. Und Gruber weiß: "Schweiß ist nicht gleich Schweiß. In Gegenden, wo viel scharf gewürzt wird, muss das Gerät da etwas besser beschichtet sein."

Etwa 600 Menschen arbeiten in dem Ulmer Entwicklungszentrum, aus 40 verschiedenen Nationen stammen sie. Das sind 40 verschiedene Meinungen zu dem, wie ein Handy sein muss. Mindestens. Die Menschen hier wissen, dass in Indien die Mobilfunknetze schwach sind - und sie haben deshalb ein Handy gebaut, in das sich eine zweite Sim-Karte stecken und so zu einem anderen Anbieter wechseln lässt, wenn mal kein Empfang ist.

Und sie haben einen Browser entwickelt, der Internetseiten aufs Wesentliche zusammenzurrt - und sie auf den Mobiltelefonen so anzeigt, dass im Vergleich nur ein Zehntel der Daten übertragen wird. Es sind Erfindungen, die zwar für Entwicklungsländer gemacht sind, aber durchaus auch für die westliche Welt von Nutzen sein könnten. Das Handy, das im Ulmer Tonstudio für den Straßenlärm in Delhi getrimmt wurde, wird inzwischen auch in Europa verkauft - an Hörgeschädigte.

© SZ vom 28.02.2012/mri
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