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Neuer Personalausweis ab November:Identität für 28 Euro

Die Deutschen bekommen den elektronischen Personalausweis. Doch der Preis des Dokuments steht in keinem Verhältnis zu den wenigen Vorteilen für Verbraucher.

Daniela Kuhr

Wer Bundesinnenminister Thomas de Maizière zuhört, gewinnt den Eindruck, dass am Montag ein neues Zeitalter anbricht - ein sicheres, freies Zeitalter, in dem die ganzen Vorteile des Internets endlich gefahrlos nutzbar sind.

Pk de Maiziere neuer Personalausweis

"Klein, aber oho": Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) präsentiert den neuen Personalausweis und dessen Vorgänger.

(Foto: dpa)

Was den Minister so zuversichtlich stimmt, ist der neue Personalausweis: deutlich kleiner als der alte, gerade mal scheckkartengroß, aber dreieinhalbmal so teuer, nämlich 28,80 statt 8 Euro. Dafür könne der neue Ausweis aber auch viel mehr, sagt de Maizière und verspricht: Der neue Personalausweis sei "klein, aber oho".

Diese Formulierung ist vage und gerade deshalb vielsagend. Denn sie zeigt: Wer die Vorteile des neuen Personalausweises konkret benennen soll, tut sich schwer. Zwar kann er in der Tat viel mehr als nur Ausweis sein.

Zum Beispiel kann künftig jeder, der die Zusatzfunktionen nutzen will, mit Hilfe des neuen Personalausweises seine Identität im Internet und an Automaten eindeutig und sicher belegen. Er kann beim Online-Einkauf seinem Vertragspartner die Gewissheit verschaffen, dass er auch wirklich derjenige ist, für den er sich ausgibt. Nur: Wer hat denn ein Bedürfnis danach?

War das bisher ein verbreitetes Problem, dass Nutzer im Internet ihre Identität nicht beweisen konnten? Dafür gab es Passwörter und Zugangscodes. Online-Banking sei künftig hundert Mal sicherer als bisher, sagt de Maizière. Aber hatten die Banken nicht bislang auch schon versichert, dass dank PINs und TANs alles absolut sicher sei? War das alles gelogen?

Nein, wer die Vorteile des neuen Ausweises für den Verbraucher sucht, muss lange suchen. Hört man de Maizière zu, ist nur einer unbestreitbar: Für 28,80 Euro kann der Bürger künftig sicher sein, dass er auch wirklich er ist.

© SZ vom 30.10.2010/joku

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