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Neue Funktion "Graph Search":Facebook hat ein Imageproblem

Facebook ermöglicht es dem Nutzer künftig viel stärker, aus dem Dunstkreis des eigenen sozialen Umfelds zu treten. Verbarrikadieren sich Internetnutzer nicht hinter den Datenschutzeinstellungen, die der Konzern anbietet, nimmt die Wahrscheinlichkeit, von Unbekannten aufgefunden zu werden, künftig deutlich zu. Mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten, die gleiche Interessen teilen, aber nicht zum sozialen Umfeld gehören, wurde deutlich erleichtert. Es ist ein weiterer Schritt in einer Strategie, die das Unternehmen mit den Seiten und der Abonnier-Funktion schon seit längerem verfolgt und die interessenbasierten Netzwerken wie etwa Twitter zusetzen soll.

Ob sich die Facebook-Nutzer auf diese Konzeptänderung einlassen, bleibt abzuwarten. Gerade in einem datenschutzsensiblen Land wie Deutschland dürfte die neue Sichtbarkeit noch zu einigen Debatten führen. Und überhaupt scheint Facebook zunehmend ein Imageproblem zu haben: Im jüngst vorgestellten amerikanischen Konsumentenzufriedenheitsindex landet Facebook auf dem letzten Platz aller Social-Media-Plattformen. Das Fiasko, das Facebook schon in der Vergangenheit beim Datenschutz angerichtet hat, hinterlässt seine Spuren. Auch trugen die neuen Geschäftsmodelle bislang selten zur Nutzerzufriedenheit bei.

Facebook Unveils Tool to Search Social Network Rather Than Web

In der Vergangenheit hatte Facebook auf kleinere Neuerungen gesetzt, die Pressekonferenz jetzt hatte die wichtigste Produktneuerung seit mehr als einem Jahr zum Thema. Dementsprechend groß war das Interesse der Journalisten.

(Foto: Bloomberg)

Noch wirkt sich diese Stimmung nicht merklich auf die Nutzungszahlen aus. Eine jüngst unter 13- bis 25-jährigen Amerikanern durchgeführte Umfrage brachte aber ans Licht, dass Facebook in dieser Altersgruppe inzwischen nicht mehr als meistgenutztes soziales Netzwerk wahrgenommen wird. An der Spitze steht nun Tumblr.

Möglicherweise könnte das auch Facebooks Börsen-Comeback gefährden. Zwischenzeitlich lag der Wert der Aktie in den vergangen Tagen wieder bei deutlich über 30 Dollar. Die Hoffnung der Anleger und Investoren war, dass Facebook den Wachstumsmarkt namens Mobile Web nicht länger nachrangig behandelt wird. Diese Hoffnung hat sich mit der Vorstellung der neuen Suche bestätigt. Der Kurs der Aktie gab dennoch um mehr als zwei Prozentpunkte nach. Der Aktienwert des größten Suchanbieters Google hingegen stieg. Und das obwohl Facebook bei der neuen Suchfunktion mit Microsofts Suchmaschine Bing kooperiert. Sie soll helfen, all die Inhalte zu finden, die Facebook noch nicht kennt. Die Anleger scheint das nicht zu beeindrucken.

© Süddeutsche.de/fzg
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