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Neue Eingabegeräte:200 Sensoren in einem durchschnittlichen Toyota

Und das ist natürlich alles erst der Anfang! Denn sehr bald wird es überall noch viel, viel mehr Sensoren geben. Sie werden überall sein, schreiben Robert Scoble und Shel Israel in ihrem aktuellen Buch "Age of Context: Mobile, Sensors, Data and the Future of Privacy".

Bereits jetzt seien in einem durchschnittlichen Toyota um die 200 verbauten Sensoren. In Zukunft seien sie ganz selbstverständlich auch in den Pflanzen der Nachbarn, in Toastern, auf Aufklebern, Drohnen und letztlich auch in uns selbst. In den USA hat die Arzneimittelzulassungsbehörde FDA die Erlaubnis für die Anwendung eines Mikrochips mit Sensoren gegeben, der mit Pille in den Magen des Patienten wandert und von dort Signale nach außen sendet.

Das Beste oder das Gruseligste daran: Alle diese Daten wandern in den allermeisten Fällen ins Internet und können dort kombiniert werden. "Sensor Fusion" nennt Melanie Martella, Redakteurin des Sensor Magazins, das. Während man hier gut und gerne in Zeiten von NSA und Co KG. Verfolgungswahn und Untergangsszenarien bemühen kann, kann man in all dem mit freundlichem Technikoptimismus auch neue Chancen und Möglichkeiten des Gamedesigns erkennen.

Neue Mensch-Maschinen-Schnittstellen

Für Google Glass gibt es bereits jetzt eine lauffähige Version des zuerst 1981 von Sega produzierten Arcade- und Videospiels *Frogger. In der Google-Glass-Version werden Gesichts- und Körperbewegungen genutzt, um das Spiel zu steuern. Also: Man hüpft wie ein Frosch herum. Tunlichst vermeiden sollte man dies allerdings bei mehrspurigen befahrenen Straßen und von Krokodilen bevölkerten Flüssen. Das Sensoren-*Frogger für die Brille ist sicherlich nicht das Ende der entwicklungstechnischen Fahnenstange. Gewöhnen werden wir uns an neue Mensch-Maschine-Schnittstellen.

Blicke werden dann zumindest im Game via Infrarot-Augenscanner endlich töten können. Wenn dann noch die Drohne mit der bestellten Pizza um die Ecke biegt, weil man sie per Gedankensteuerung bestellt hat, werden wir uns wohlig zurücklehnen, bis die aktuelle Cholesterinauswertung ungefragt auf dem Display erscheint und ein von der Krankenkasse fest verordnetes Fitnessprogramm startet, das man natürlich nicht ausschalten kann. Der Blick wird dann durch den Raum streifen und beim Barometer hängen bleiben. Ein Relikt aus längst vergangenen Tagen, als man noch im Freien joggen ging. Das klassische Quecksilberbarometer von Evangelista Torricelli aus dem 17. Jahrhundert gilt übrigens als einer der allerersten von Menschen erfundenen Sensoren.

Marcus Bösch arbeitet als freier Journalist, Dozent und Game Designer in Berlin und Köln. Nach zehn Jahren öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat er zusammen mit Linda Kruse das Game Studio "the Good Evil" gegründet. Rechtzeitig. Schließlich sind Spiele das Leitmedium des 21. Jahrhunderts.