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Mutmaßlicher Wikileaks-Informant: Manning muss vors Kriegsgericht

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Der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning muss sich vor einem US-Kriegsgericht verantworten. Dem erst 24 Jahre alten Obergefreiten wird der größte Geheimnisverrat in der US-Geschichte vorgeworfen.

Zu den 22 Anklagepunkten gegen den 24-Jährigen gehört auch Unterstützung des Feindes. Sollte er in diesem Anklagepunkt schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Bradley Manning wird beschuldigt, mehr als 700.000 geheime US-Dokumente und der Geheimhaltung unterliegende Videoaufnahmen von Kampfeinsätzen an die Internet-Plattform Wikileaks weitergegeben zu haben.

Die Entscheidung, ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen, traf der Kommandeur des Militärbezirks Washington, Generalmajor Michael Linnington. Als nächster Schritt wird ein Richter ernannt, der dann den Prozessbeginn festlegt.

24-Jähriger als instabil beschrieben

Seine Verteidiger haben Manning als einen emotional instabilen jungen Mann beschrieben, der nie im Irak hätte stationiert und dort auch keinen Zugang zu geheimen Informationen hätte erhalten dürfen. Bei einer vorläufigen Anhörung im Dezember erklärte die Militärstaatsanwaltschaft, sie habe Beweise dafür, dass Manning eine halbe Million Berichte aus dem Irak und Afghanistan, tausende diplomatische Kabel und ein Video von einem tödlichen Hubschrauberangriff elektronisch an Wikileaks übertragen habe.

Die Verteidigung führte dagegen an, auch andere hätten Zugang zu Mannings Computern gehabt. Seine Schwierigkeiten mit Sicherheitsvorschriften und sein zunehmend aggressives Verhalten hätten außerdem dazu führen müssen, dass er keinen Zugang zu geheimen Informationen haben durfte. Außerdem habe die Veröffentlichung der nationalen Sicherheit keinen oder nur einen geringen Schaden zugefügt.

Mannings Anhänger, die sich in der Bradley Manning Support Group zusammengeschlossen haben, beschrieben das Kriegsgericht gegen ihn als grundlegend ungerecht. Die Regierung schulde allen Amerikanern eine ehrliche Erklärung für diese außergewöhnliche Vergeltungsmaßnahme gegen Manning, sagte einer der Organisatoren, Jeff Paterson.

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