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Tiefseekabel:Die größte Gefahr sind Fischer mit Schleppnetzen

Doch Poole bereitet nicht das englische Stromnetz Sorgen, sondern die Gefahr, die den Kabeln nahe der Küste auf dem Meeresgrund droht: "Fischer mit Schleppnetzen sind die größte Bedrohung für die Kabel", sagt der Manager, der die Station mit sechs Angestellten betreibt. Der Verlauf ist zwar auf Seekarten eingezeichnet, trotzdem sei es bereits zu Beschädigungen gekommen, sagt er.

Die eigentlichen Seekabel sind nicht breiter als ein Klebestift. In Küstennähe erhalten sie allerdings einen dicken Mantel aus Stahl, um sie vor Ankern und Netzen zu schützen. Ist ein Kabel defekt, fahren Spezialschiffe auf den Atlantik, welche die Leitungen vom Meeresgrund hochheben und reparieren. Das ist teuer und aufwendig - genau wie die Verlegung.

Das Geschäft mit den Kabeln ist lukrativ

Viele Kabel wurden in den Neunzigerjahren auf dem Meeresgrund versenkt, in der Euphorie des Dotcom-Booms. Als die Internetblase platzte, gab es zu viel Kapazität für zu wenig Daten. Tata Communications kaufte das Atlantikkabel und andere Verbindungen im Jahr 2005 vom kriselnden US-Anbieter Tyco. "Damals haben die Seekabel im Atlantik Verluste gemacht, wegen der Überkapazitäten", sagt Claude Sassoulas, der Europa-Chef von Tata Communications. "Das ist heute ganz anders, die Nachfrage ist groß."

Kein Wunder, schließlich wächst das Datenvolumen rasant. Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit online; sie schauen Fernsehen über das Internet oder führen Videotelefonate. Unternehmen greifen via Internet auf Software zu statt die Programme auf den Rechnern in den Büros zu speichern. Vernetzte Maschinen senden sich gegenseitig Daten.

Google, Facebook und Microsoft verlegen eigene Leitungen

Trotzdem arbeitet TGN Atlantic, das Kabel nach Amerika, noch längst nicht am Limit. Denn Fortschritte bei der Übertragungstechnik haben dazu geführt, dass die Betreiber über die gleichen alten Kabel ein Vielfaches der früheren Datenvolumen schicken können. Europa-Statthalter Sassoulas sagt, Tata werde daher vorerst keine weiteren Seekabel verlegen: "Wir haben ausreichend Kapazität."

Dafür investieren andere. Im Sommer wurde ein neues Kabel zwischen den USA und Japan in Dienst gestellt. Die Bauzeit betrug zwei Jahre. Hinter dem 300 Millionen Dollar teuren Projekt steht unter anderem Google. Rivale Facebook und das Software-Unternehmen Microsoft lassen gemeinsam ein Kabel zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten verlegen. Die Verbindung soll in einem Jahr in Betrieb gehen. Die Webkonzerne wissen: Für gute Geschäfte im Internet brauchen sie gute Verbindungen auf dem Meeresgrund.

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