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Internet-Plattform Vine:"Schon wieder ein Künstler, der nur Werbung macht"

Für Unternehmen wie Coca Cola, Samsung, die Football-Liga NFL und den Handelskonzern Target ergeben sich daraus neue Möglichkeiten. Sie nutzen Vine und versuchen, in eigenen Videos ihre Marke zu verbreiten - mal mehr, mal weniger erfolgreich. Kaufen sie sich die Stars des Netzwerks ein, verbreiten sich die Botschaften entsprechend schneller. Denn Vine unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von Art-Werbung, die es derzeit auf dem Markt gibt: Die Künstler denken sich die Spots in Eigenregie aus. Das lassen sich die Unternehmen etwas kosten.

Wie viel Geld es gibt, hängt von Kampagne und Bekanntheit der Person ab, sagt Robby Ayala. Er ist auch einer der 100 Vine-Berühmtheiten und arbeitet mittlerweile selbst für die Analyse-Firma Niche. Nach seinem Erfolg auf Vine hat er sein Jurastudium abgebrochen. "Ich selbst würde nie einen der besser bezahlten Deals abschließen", sagt er. "Je mehr Geld die Firmen zahlen, desto mehr wollen sie über die Inhalte bestimmen." Ayala könnte derzeit mit seinen zweieinhalb Millionen Abonnenten nach eigener Aussage bis zu 10 000 US-Dollar für ein Werbevideo verdienen - er tut es aber nicht.

Die Filme werden mit dem Smartphone gedreht, also schnell und billig

Vine wird damit zunehmend zu einem ernsthaften Konkurrenten für den größten Anbieter von Videos im Netz: Youtube. Die prominenten Künstler auf Youtube verdienen ebenfalls sechsstellig, seit Jahren schon. Doch seit geraumer Zeit häufen sich die Klagen: Einerseits fallen die Preise für Werbeeinblendungen, zum anderen wird es teurer, Inhalte zu produzieren. Denn die Videos auf Youtube sind oft mit einer Top-Kamera gedreht. Gute Licht- und Tonqualität kostet ebenfalls, dazu kommt oft noch ein aufwendiger Schnitt. Die Produktion eines Videos kann gut und gerne eine Woche dauern. Vine hat diese Probleme nicht. Die Videos werden mit dem Smartphone gedreht, also viel schneller und billiger. Werbeeinblendungen, die vor dem eigentlichen Inhalt kommen, gibt es bei sechs Sekunden auch nicht.

Ayala glaubt, dass Vine noch einen weiteren Vorteil habe. Dadurch, dass es den Nutzern oft freigestellt werde, wie sie Produkte präsentieren, komme am Ende keine aalglatte Botschaft heraus, sondern eine skurrile Werbung, die zu den sonstigen Inhalten der Person passt. "Die Leute wissen, dass das Werbung ist. Aber sie finden es eben auch witzig." Eines der Werbevideos von Ayala gefiel 142 000 Leuten, 80 000 haben es geteilt.

In den Kommentaren der Videos tauchen regelmäßig auch Beschwerden auf. "Schon wieder ein Künstler, der nur Werbung macht", so lautet der Unterton. Furlan sagt, gemessen an den Angeboten sei es ohne Probleme möglich, in kurzer Zeit eine Million Dollar zu verdienen. Aber den Erfolg, den sie sich in kurzer Zeit aufgebaut hat, würde sie in diesem Fall verspielen, das sagt sie auch. Denn die Nutzer von Vine wollen schließlich ihre lustigen Videos sehen und keine Dauerwerbesendung. Also beschränkt sie sich. In den vergangenen zwei Monaten hat sie nur zwei Werbevideos gedreht.

© SZ vom 11.07.2014/mike
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