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Instagram:Bares für Unwahres

Kim Kardashian Sponsored Post Instagram

Ein Post von Kim Kardashian auf Instagram

(Foto: Instagram.com)
  • Eine Milliarde Nutzer teilen und liken mittlerweile Bilder auf dem Social-Media-Dienst Instagram.
  • Dort wird das Äußerliche zur Ware - von jedermann bewertbar und kritisierbar.
  • Instagram-Stars wie Kim Kardashian können zwischen 400 000 und 500 000 Dollar für einen Post verdienen.

Instagram konnte jetzt einen Rekord vermelden, der die Welt verändert, oder zumindest deren Wahrnehmung: eine Milliarde Nutzer teilen und liken nun Bilder auf dem Social-Media-Dienst. Das ist etwa ein Achtel der Menschheit.

Als Facebook im Jahr 2012 für eine Milliarde Dollar die kleine Firma Instagram kaufte, hatte Mark Zuckerberg den richtigen Riecher, wie man sechs Jahr später festhalten kann. Die ikonische Wende vollzog sich in kürzester Zeit. Bis Mitte 2017 wurden laut dem "Statistic Brain Institute" 34 700 000 000 Bilder auf Instagram hochgeladen (In Worten: vierundreißig Milliarden) - pro Tag etwa 52 Millionen. Und Tag für Tag werden 1,65 Milliarden Likes verteilt, was der Kommunikation in dem Netzwerk eine gewisse Schärfe verleiht.

Instagram dürfte zum größten Teil verantwortlich sein für das Phänomen der Jugendlichen, die in der maximalnarzistischen Haltung des sich selbst Fotografierenden verharren, als würde niemand sie beobachten - um das Selbstportrait anschließend der Beurteilung aller auszusetzen. Das Phänomen der Selfies und Instagram befeuern sich gegenseitig.

Die New Yorker Künstlerin Leanne Shapton definiert diese Selbstinszenierung als neue Sprachform, bei der auf vielen Ebenen gesendet, aber auch geflunkert wird: ich mit einem geschäumten Latte macchiato, ich am schönen Strand, ich auf einer tollen Party "dabei bin ich depressiv und will mich umbringen", wie Shapton sagt. Auf diese Weise wird das Äußerliche zur Ware - von jedermann bewertbar und kritisierbar. Das Gefühl, aufgrund des Aussehens abgelehnt zu werden, ist kein neues Phänomen unter Jugendlichen, aber es hat dadurch epidemische Ausmaße angenommen.

Pro Post 434 Dollar vom Hersteller

So gab die weltweit größte Vereinigung von Schönheits-Chirurgen, die "American Academy of Facial, Plastic und Reconstructive Surgery" (AAFPRS) bekannt, dass die Selfie-Manie einen großen, von Jahr zu Jahr steigenden Einfluss auf ihr Geschäft habe. "Selfie-Bewusstsein ist mehr als eine Mode-Erscheinung" hieß es in dem Statement der AAFPRS, "es verändert die Art, wie wir uns und andere wahrnehmen." Besonders viele Patienten lassen sich die Nasen schmaler schneiden, um der Verzerrung bei einer Nahaufnahme entgegen zu wirken. Über die Hälfte der Kunden von plastischen Chirurgen in den USA sind mittlerweile unter 30 Jahren alt. Diese Patienten kämpfen nicht gegen das Alter an, sie versprechen sich von einer Optimierungs-OP bessere Jobs, bessere Partner - oder zumindest eine bessere Bewertung.

Denn wer beliebt ist und sich mit dem richtigen Turnschuh ablichten lässt, kann im echten Leben eine Existenz darauf aufbauen. Mode-Influencer mit über 60 000 Followern geben an, pro Post 434 Dollar von den entsprechenden Herstellern zu bekommen - im Durchschnitt. Instagram-Stars wie Kim Kardashian können von 400 000 bis 500 000 Dollar für einen Post verdienen. Wenn der Filmstar Dwayne "The Rock" Johnson (108 Millionen Follower) seinen Turnschuh bildlich vermarktet, ist das Modell am nächsten Tag ausverkauft. Instagram hat also nicht nur eine neue Kommunikationsform erschaffen, sondern auch einen neuen Wirtschaftszweig.

© SZ vom 23.06.2018/mri

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