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Geplanter Börsengang von Facebook:Seifenblase aus Palo Alto

Facebook soll 100 Milliarden Dollar wert sein - eine Summe aus Fantasialand. Mark Zuckerbergs Netzwerk mag der Hype der Stunde sein, doch erfahrungsgemäß ändern sich die Moden im Internet: Die aktuelle Jubelstory sollte nicht über die Risiken des Unternehmens hinwegtäuschen.

Hans-Jürgen Jakobs

Theoretisch sind Märkte eine wunderbare Sache. Sie spiegeln im Idealfall den Preis für Knappheit oder Überfluss wider. Finanzmärkte aber tendieren schon seit einiger Zeit dazu, Dinge zu überzeichnen, und zwar in alle Richtungen.

Grotesk nach oben geht es in diesen Tagen beim US-Internetkonzern Facebook, der Seifenblase aus Palo Alto. Das Unternehmen, das 2012 an die Börse drängt, soll angeblich 100 Milliarden Dollar wert sein.

Das ist eine Summe aus Fantasialand, die den Jahresumsatz um das 25-Fache übersteigt. Zum Vergleich: Der international gut eingeführte deutsche Softwarekonzern SAP ist 30 Milliarden Dollar weniger wert.

In Erwartung auf noch mehr Hype an der Börse hat Facebook bereits 500 Investoren angezogen. Ihr Geschäft ist die Spekulation mit einer Firma, die in der jüngeren Generation weltweit zur Plattform für Kommunikation geworden ist.

Die Moden im Netz ändern sich

Viele der 800 Millionen Nutzer geben regelmäßig unbekümmert intime, persönliche Informationen preis - das ist die Chance des Managements, wertvolle Kundenprofile bei Werbekunden gegen hohe Preise zu vermarkten.

Erfahrungsgemäß aber ändern sich die Moden im Netz, und der laxe Umgang mit Daten könnte Facebook noch so manches Problem bereiten. Solche Risiken gehen in die absurd hohe Firmenbewertung nicht ein. Finanzmärkte sind halbblind. Das zeigt sich in diesen Tagen auch in der Bewertung von Anleihen.

Hier wird zum Beispiel Frankreich mit einem recht hohen Zins von 3,6 Prozent abgestraft, während die USA mit zwei Prozent wegkommen, obwohl die Schuldenwerte dort im Vergleich viel mieser sind. Vielleicht braucht die angeschlagene Supermacht derzeit einfach eine Jubelstory wie die von Facebook.

© SZ vom 30.11.2011/mri

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