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Diskussion auf der Gamescom:Deutschland - das Games-Entwicklungsland

Gamescom

Die Politik ist auch da, auf der Gamescom. Hier spielen sie noch, später wurde auch über Deutschlands noch zu zaghafte Games-Förderung diskutiert.

(Foto: dpa)
  • Politiker aller anwesenden Parteien sind sich auf der Gamescom einig: Deutschland hat das Thema Computerspiele bisher weitgehend verschlafen.
  • Doch bald soll alles besser werden, mit Fördergeldern, die fließen und gesellschaftlich anerkanntem E-Sport.

Am einfachsten wäre wohl etwas, das nur in Computerspielen möglich ist: Einen alten Speicherstand laden und so zu dem Zeitpunkt zurückzuspringen, an dem eine falsche Entscheidung getroffen wurde - und es dann im erneuten Anlauf besser machen. Aber die Realität ist komplexer und zäher. Deshalb diskutieren auf dem begleitenden Kongress der Spielemesse Gamescom in Köln führende Politiker von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei, was die Politik in den vergangenen Jahren falsch entschieden hat, wenn es um Computerspiele ging.

Bei vielen Punkten sind sich an diesem Mittwoch schnell alle einig, für Gamer sind vor allem zwei relevant: Erstens wurde verschlafen, Spieleentwickler durch attraktive Standortbedingungen nach Deutschland zu locken. Zweitens müssen (Sport-)Vereinen, die Aktivitäten im E-Sport anbieten wollen, klare Regeln und Unterstützung an die Hand gegeben werden. Drittens fehlt es in vielen Regionen noch immer an einer ausreichenden digitalen Infrastruktur. Doch wer die Schuld an den Fehlern trägt und wie sie am besten behoben werden können, da gehen die Meinungen auseinander.

Ziemiak: "Politiker können nicht entscheiden, was gute Computerspiele sind"

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Games-Förderung ist das Thema Nummer eins auf den Bühnen der Gamescom, und auch in dieser Runde. Paul Ziemiak (CDU) findet, das sei eine "knallharte Frage" für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er will sich in der Union dafür einsetzen, dass das Förderprogramm im parlamentarischen Verfahren noch in den Bundeshaushalt für 2020 aufgenommen wird. "Wir müssen zusehen", sagt er, "dass das auch die kommenden Jahre so bleibt." Auch Lars Klingbeil (SPD) verspricht: "Wir werden als Fraktion geschlossen dahinterstehen." Er fordert außerdem, dass das zuständige Verkehrsministerium unter Minister Andreas Scheuer möglichst schnell die notwendigen Förderrichtlinien abstimmt, damit die für dieses Jahr versprochenen 50 Millionen Euro fließen.

Während der Eröffnung am Dienstag hatte der Verkehrsminister gesagt, die Games-Förderung stehe auf jeder seiner Prioritätenlisten ganz oben. Tatsächlich aber fehlen die Mittel für Spieleentwickler bislang im Entwurf für den Haushalt fürs kommende Jahr.

Linken-Geschäftsführer Jörg Schindler sagt allerdings: "Wir wollen nicht die Monopolisierung der Games-Branche weiter fördern." Es sollten vielmehr Entwicklungen finanzielle Unterstützung bekommen, die "demokratisch und gesellschaftlich" sinnvoll seien. Ziemiak widerspricht: "Politiker können nicht entscheiden, was gute und was schlechte Spiele sind." Wer förderfähig ist und wer nicht, müsse anhand von Kriterien bestimmt werden. Entscheidend seien zum Beispiel Jugendschutz und die Arbeitsverhältnisse in den betreffenden Entwicklerstudios.

Klingbeil fordert zum E-Sport öffentliche Bekenntnisse von Spitzenpolitikern

E-Sport soll als Sportart anerkannt werden und so in Zukunft als gemeinnützig gelten. Auch das ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgehalten. Dass sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in diesem Punkt querstellt, bezeichnet Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer der Grünen, als "schweren Fehler". Gerade im Breitensport sei Gemeinnützigkeit wichtig, um die Vereine bei Training, Gesundheitsfragen und Suchtprävention zu unterstützen.

Der DOSB war Ende letzten Jahres zu dem Schluss gekommen, dass die allermeisten Computerspiele (mit Ausnahme von Sportsimulationen wie "Fifa") zwar zur "modernen Jugend-und Alltagskultur" gehörten, aber keine sportliche Aktivität darstellten. Auch Klingbeil glaubt, dass die traditionellen Sportstrukturen ihre Entscheidung gegen den E-Sport noch bereuen dürften. Der SPD-Generalsekretär, der oft zu zeigen versucht, dass er auch jüngere Menschen versteht, fordert klare Signale aus der eigenen Regierung. Spitzenpolitiker müssten dem E-Sport öffentlich ihre Unterstützung aussprechen.

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