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Game-Treffen in Los Angeles:Das sind die Trends der Spielemesse E3

E3 Expo (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles

Vier gegen einen? Klingt fair, wenn der eine so aussieht wie diese überlebensgroße Monster-Figur aus dem Multiplayer-Shooter "Evolve".

(Foto: dpa)

Indie Games beleben Konsolen wie Xbox One, Playstation 4 und Wii U, doch der Schlüssel zum Erfolg liegt in kleinen Extras und Multispieler-Erlebnissen: Die wichtigsten Trends der diesjährigen Spielemesse E3 - und ein Aufreger.

Die Fanboys und -girls sind erschöpft, die PR-Mitarbeiter haben Mühe, ihr künstliches Lächeln aufrechtzuerhalten: Am Donnerstag geht mit der Spielemesse E3 in Los Angeles der anstrengendste Game-Event des Jahres zu Ende. Was können Spieler und Branche mitnehmen? Die wichtigsten Trends.

Die Software-Jahre liegen vor uns: 2012 erschien die Wii U, vergangenes Jahr kamen Playstation 4 und Xbox One auf den Markt. Nun wollen sich die Konkurrenten durch Software und Dienste voneinander unterscheiden, auch wenn alternative Steuerungskonzepte von der Geste bis zur Virtual-Reality-Brille Potenzial für Neuerungen bieten. Weil allerdings kaum ein Studio Exklusiv-Titel anbieten möchte, findet die Unterscheidung über Extras wie spezielle Level, Beta-Tests oder Versionen zum kostenlosen Ausprobieren statt. Für Kunden ist das eine komfortable Situation - sie müssen sich nicht sorgen, ob ihr gewähltes System in wenigen Jahren vom Konkurrenten abgehängt worden ist.

Indie Games erobern die Welt: Vergangenes Jahr war es Sony, dieses Jahr bekannte sich Microsoft ausdrücklich zu Indie-Spielen. Kunststück: Action-Blockbuster mögen die Hardcore-Gamer begeistern, doch um auch andere Zielgruppen zu erreichen, braucht es ungewöhnliche Ideen. Ein besonders vielversprechender Kandidat: Das schon länger heiß erwartete Weltenwanderer-Spiel "No Man's Sky", das 2015 für Playstation und PC erscheinen soll. Auch das düster-verspielte Abenteuer-Spiel "Ori and the Blind Forest" erscheint vielversprechend, während das PS4-Beziehungsspiel "Entwined" trotz guter Steuerung etwas ziellos wirkte.

Ohne Multiplayer-Modus geht nichts: Ob der Attentäter-Klassiker "Assassin's Creed 5: Unity", der Science-Fiction-Shooter "Evolve" oder Nintendos Tintenspritz-Abenteuer "Splatton", Multiplayer-Szenarien sind nicht mehr nur Teil vieler Neuerscheinungen, sondern inzwischen ein zentrales Verkaufsargument. Ein positiver Nebeneffekt: Das Zusammenspiel wird komplexer, und damit auch das Gruppenerlebnis.

Bastlern gehört die Zukunft: Der moderne Spieler von heute möchte seine eigene Welt erschaffen. Microsofts "Project Spark" kann ordentliche Nutzungszahlen verzeichnen, Sony will "Little Big Planet 3" mit neuen Editor-Werkzeugen ausstatten. Und Nintendo will Konsolen-Bastlern auf der Wii U mit "Mario Maker" die Möglichkeit geben, eigene Level für den Superhelden Mario zu erschaffen. So viel Bastelei war noch nie - und das Beispiel Minecraft zeigt, wie grenzenlos die Kreativität der Nutzer sein kann.

Gender-Debatte auch bei Gamern: Ubisoft bietet für das neue Assassin's Creed keine weibliche Spielfigur an, angeblich wäre der Aufwand zu hoch gewesen. In der Spieler-Gemeinde glaubt das niemand, weshalb es am Rande der E3 kräftig rumorte. Die Lehre daraus: Frauen mögen zwar immer noch der deutlich kleinere Teil der Kern-Gamerszene sein, das ist aber noch lange kein Grund, ihre Interessen nicht zu bedienen.

Hype um Virtual Reality: Lange Schlangen gab es nicht nur vor den Blockbustern, sondern vor allem vor den Ständen mit den Virtual-Reality-Brillen Oculus Rift und Project Morpheus (Sony). Die neuen Demos für beide Geräte machen einen guten, wenn auch nicht fehlerfreien Eindruck. Allerdings dürften die ersten richtig spannenden Titel, die von der Technik Gebrauch machen, frühestens 2016 zu sehen sein.

Hyperreal, hyperbrutal: Dass die Gewaltdarstellungen in Videospielen immer realistischer werden, ist kein neuer Trend. Allerdings zeigten "The Witcher III", "Far Cry 4", oder die Previews zu "Bloodborne" und "Mortal Combat X", dass es immer noch ein bisschen brutaler geht. Knochen knacken, falsch eingesetzte Kugelschreiber lassen das Blut aus dem Brustkorb spritzen, neumodische Waffen bohren sich in Hälse. Viele Spieler schätzen das Hyperbrutale, allerdings stellt sich die Frage, ob nicht langsam eine Übersättigung einsetzt.

Warten statt spielen: Halo 5, Batman: Arkham Knight, The Witcher 3, The Division ... die Liste ließe sich lange fortsetzen. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Titel auf 2015 verschoben, und auch der Großteil der auf der E3 vorgestellten Spiele wird nicht mehr zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen. Blockbuster verschlingen inzwischen nicht nur dreistellige Millionenbeträge, sondern müssen auch immer höhere Ansprüche der Spieler erfüllen. Und die, auch das zeigt die E3, sind mit den Konsolen der nächsten Generation nochmals gewachsen.

© Süddeutsche.de/hatr/rus
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