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Fortnite-Hersteller verklagt:Apples Retourkutsche gegen Epic

Eine Szene aus Fortnite. Hunderte Millionen Menschen spielen das Spiel von Epic.

(Foto: Epic Games / PR)

Es geht um die Frage, ob Apple im App-Store zu viel Geld kassiert - oder ob der Fortnite-Entwickler Epic nicht selbst Apple geprellt hat.

Von Helmut Martin-Jung

Der Streit zwischen dem Elektronikkonzern Apple und Epic geht in die nächste Runde. Apple verklagt den Spieleentwickler, der unter anderem das sehr erfolgreiche Spiel Fortnite entwickelt hat, an dem sich der Streit entzündet hatte. Epic wollte es nicht länger hinnehmen, dass Apple für alle Käufe, die Nutzer von Fortnite in dem Computerspiel vornehmen können, seinen Anteil kassiert - satte 30 Prozent. Epic hatte an Apple vorbei Änderungen in Fortnite vorgenommen, durch die der volle Erlös der In-App-Käufe an Epic floss. Das aber widerspreche den Regeln des App Stores, argumentiert Apple.

Die Hersteller von Spielen oder auch anderen Apps haben aber gerade bei Apple-Geräten kaum eine andere Möglichkeit als über den App Store zu gehen. Das sogenannte side-loading, also das Laden von Apps am Store vorbei, ist anders als bei Googles Android kaum möglich. Das letzte Wort werden nun vermutlich die Gerichte sprechen. Ihre Entscheidung ist nicht nur für den aktuellen Fall von Bedeutung, sondern könnte das gesamte Geschäftsmodell verändern, das sich rund um Apps gebildet hat. Die beiden großen App-Plattformen, Apples App Store und Googles Play Store, beherrschen den Markt. Google lässt allerdings auch andere App Stores zu, side-loading ist dort ebenfalls möglich.

Apps, und hierbei besonders Spiele, sind längst ein Milliardengeschäft. Das zeigen Zahlen für das erste Halbjahr 2020, die Game, der Verband der deutschen Games-Branche, jetzt veröffentlicht hat. Ermittelt wurden sie von App Annie, einem auf die App-Ökonomie spezialisierten Marktforschungsunternehmen. Demnach ist der Umsatz mit Spiele-Apps für Smartphones und Tablets im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 23 Prozent gewachsen. Erstmals knackten die Umsätze in Deutschland die Marke von einer Milliarde Euro. Mit Spiele-Apps und In-App-Käufen wurden 1,1 Milliarden Euro umgesetzt. Nahezu der gesamte Umsatz entfällt auf In-App-Käufe. Das kommt daher, dass die Spiele in einer Grundversion meist kostenlos angeboten werden. Wer etwa besondere Ausrüstungsgegenstände haben will, muss dafür bezahlen. Den besonders hohen Anstieg der Spielenutzung auf Mobilgeräten im vergangenen Halbjahr führt der Verband auf die Corona-Krise zurück. Das hatten auch Umfragen von Game gezeigt: 35 Prozent der Befragten gaben an, während der Ausgangsbeschränkungen mehr gespielt zu haben.

© SZ vom 10.09.2020

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