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Elektronischer Bürgerbrief De-Mail:Warum Datenschützer De-Mail skeptisch sehen

Weil wie beim Brief der Versender für eine De-Mail zahlt, werden Privatkunden nur in wenigen Fällen davon Gebrauch machen. Allerdings besteht für geschäftlichen E-Mail-Verkehr eine digitale Aufbewahrungspflicht von sechs Jahren - die Anbieter könnten deshalb über eine kostenpflichtige De-Mail-Archivierung zusätzliche Einnahmen generieren.

Da noch immer ein Drittel der Bevölkerung keinen Zugang zum Internet hat, bieten United Internet und die Post auch einen Hybrid-Brief an: Bei diesem können Kunden E-Mails versenden, die dann ausgedruckt, kuvertiert und per Post verschickt werden. United Internet liegt hier preislich mit 54 Cent symbolisch unter dem Standardbrief-Porto der Post, das bei 55 Cent liegt. Die Post selbst hat noch keinen Preis genannt, dieser dürfte Anträgen bei der Bundesnetzagentur zufolge jedoch zwischen 39 und 55 Cent liegen.

Geschlossenes System

Wie groß das Bedürfnis nach De-Mails wirklich ist, ist noch nicht abzusehen: Zwar erscheint es auf den ersten Blick verlockend, vertrauliche Korrespondenzen mit Behörden, Ärzten oder Anwalt nun auch per verschlüsselter De-Mail zu führen; gleichzeitig wird sich aufgrund des Portos die private Kommunikation weiter per regulärer Mail oder in sozialen Netzwerken abspielen, zumal das geschlossene De-Mail-System keine Nachrichten von herkömmlichen E-Mail-Adressen akzeptiert. Auch Registrierungshürden und die ungeklärte Form der Abrechnung könnten die Verbreitung behindern.

Datenschützer kritisieren zudem die Verschlüsselung. Diese wird, anders als bei gängigen Signierungen wie PGP oder GnuPG, nicht vom Nutzer, sondern vom Provider durchgeführt und ist damit prinzipiell auslesbar.

Internet-Aktivisten fürchten deshalb, dass der Dienst die Bürger ein Stück kontrollierbarer macht und zur Zentralisierung des Netzes beiträgt - beispielsweise, wenn künftig für Online-Einkäufe gesetzlich eine De-Mail-Adresse zum Nachweis des Alters gefordert werden sollte.